01.02.2018  Strategische Weichenstellung nach Rekordjahr

Zetsches Vermächtnis - Daimler in drei Teilen

Aus Stuttgart berichtet
Daimler-Chef Dieter Zetsche: "Jetzt sind wir in der Gestaltungsphase für die Zukunft"
AFP
Daimler-Chef Dieter Zetsche: "Jetzt sind wir in der Gestaltungsphase für die Zukunft"

Ausladende Gesten, pointierte Witzchen, gut gespieltes Erstaunen - auf Automessen schlüpft Daimler-Chef Dieter Zetsche gern in die Rolle des Showman. Dass er auch anders kann, zeigt Zetsche während der Daimler-Jahrespressekonferenz in Stuttgart. Da gab der 64-jährige den souveränen Firmenlenker, der sein Unternehmen sturmfest macht für die Übergabe an seinen Nachfolger.

Die Zahlen des vergangenen Jahres geben Zetsche dafür Rückendeckung - bei Umsatz, Absatz und Gewinn erzielte Daimler neue Rekordwerte. "Kerngesund und hochprofitabel" sei Daimler, betonte Zetsche in seiner Rede. Mit solchen Zahlen kann sich das Unternehmen auch eine Erhöhung des Forschungsetats leisten: Im vergangenen Jahr steckte Daimler 15,5 Milliarden Euro in Forschungs- und Entwicklungsprojekte. In den kommenden beiden Jahren wollen die Stuttgarter dafür insgesamt 32 Milliarden Euro investieren.

Das Geld fließt in Produktionsvorbereitungen für neue Modelle, in flexible Fertigungsstraßen, auf denen sowohl Pkw mit Verbrennungs- als auch mit Elektromotoren gebaut werden können - und auch in die Batteriefertigung.

Was mit dem Geld passieren soll, darüber würde Zetsche wohl lieber sprechen als über die Frage nach Diesel-Absatzzahlen. Auch die Vorwürfe, dass Daimler über die Forschungsgesellschaft EUGT Tierversuche an Affen mitfinanziert habe, passen nicht zum Daimler-Image. Zetsche, der Routinier, pariert aber auch solche Fragen. Zu den Tierversuchen sei eine umfassende interne Untersuchung eingeleitet. "Wir lehnen solche Versuche ab", erklärt Zetsche nochmals. Bei Dieselmotoren sehe er in Europa nur in Deutschland, Großbritannien und Frankreich nennenswerte Verkaufsrückgänge.

Trotz aller Elektroauto-Pläne hält Zetsche weiter dem Diesel die Treue. Daimlers neuer Selbstzünder halte sämtliche Grenzwerte auch im Alltagsbetrieb ein und sei deshalb "eine gute Option".

Strategische Weichenstellung: Aus Daimler-Konzern werden drei Sparten

Viele Optionen offenhalten wollen sich Zetsche und sein Führungsteam vor allem mit einer strategischen Weichenstellung, die sie in den kommenden Monaten vorantreiben: Der Dreiteilung des Daimler-Konzerns in drei eigenständige Sparten PKW samt Vans, Lkw und Busse sowie Finanzdienstleistungen.

Die Entscheidung über eine Teilung könnte auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2019 getroffen werden. Für die neue geplante Struktur lässt Daimler nun die wirtschaftlichen, steuerrechtlichen und organisatorischen Auswirkungen auswerten. Das kostet insgesamt einen "sehr niedrigen dreistelligen Millionenbetrag", erklärt Finanzchef Bodo Uebber.

Gebetsmühlenartig wiederholt Uebber bei vielen Nachfragen zu dem Thema, was die Dreiteilung in Summe bringen soll: Mehr Flexibilität nämlich, um schneller auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Mehr Eigenverantwortlichkeit in den einzelnen Sparten, die sich dann auch eigene Marktchancen stärker selbst erarbeiten sollen. All das sei mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt, auch von Investoren habe man dazu positive Rückmeldungen erhalten.

Der Holding-Chef soll über Pkw und Vans bestimmen

Und auch Zetsche selbst bleibt bei der Frage nach den Vorteilen der neuen Konstruktion eher vage: Die Zielsetzung ist, Handlungsspielräume zu schaffen, die in verschiedene Richtungen gehen können", erklärt er an einer Stelle. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Immerhin eines stellt Zetsche dabei klar: Auch in der angedachten Holding-Konstruktion dürfte der Holding-Boss gleichzeitig die Pkw und Vans-Sparte leiten. "Wir sehen nicht, warum wir das ändern sollten", sagt Zetsche, der als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG zugleich die Sparte Mercedes-Benz Cars leitet.

Zetsche ordnet sein Erbe: Das neue Macht-Quartett bei Daimler

Den Verkauf von Unternehmensteilen schließt Uebber für die Zukunft zwar aus. Doch diese Worte schließen etwaige Teilbörsengänge etwa der Truck-Sparte nicht aus.

Das neue Holding-Konstrukt hätte für die Schwaben wohl einen weiteren, bislang noch kaum ausgesprochenen Vorteil: Es erleichtert wohl auch Kooperationen einzelner Sparten mit neuen Playern.

"Wenn wir mehr Verantwortung in kleinere Einheiten geben, werden wir beweglicher", räsonierte Zetsche in seiner Rede. "Das erhöht unsere Schlagkraft und macht uns noch attraktiver für Investoren und mögliche Partner."

Zetsche selbst teilt seine Jahre an der Spitze in drei Phasen: Die Restrukturierung habe er erfolgreich hinter sich gebracht. Und auch das Ziel, Nummer eins zu werden, haben er frühzeitig erreicht. "Jetzt sind wir in der Gestaltungsphase für die Zukunft", sagt er am Ende. Daimler gehöre "weiter an die Spitze".

Die Dreiteilung soll also wohl das Vermächtnis von Dieter Zetsche für die Zeit nach 2020 werden - wenn sein Nachfolger das Ruder über drei eigenständige Sparten übernimmt. Vor Mitte 2019 dürfte Daimler deshalb kaum den Zetsche-Nachfolger benennen. Die Aufteilung von Daimler hat jetzt wohl erstmal Vorrang vor Personaldiskussionen.

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