26.02.2018 
Geely, BAIC, BYD

Hat Daimler jetzt einen chinesischen Partner zuviel?

Langjährige Partnerschaft: Daimler-Chef Dieter Zetsche und BAIC-Chairman Heyi Xu (Bild 2013). Beide Autobauer haben jetzt den Bau einer Autofabrik in China vereinbart, dabei steht mit ...
DPA / Daimler
Langjährige Partnerschaft: Daimler-Chef Dieter Zetsche und BAIC-Chairman Heyi Xu (Bild 2013). Beide Autobauer haben jetzt den Bau einer Autofabrik in China vereinbart, dabei steht mit ...

Daimler hat einen neuen Großaktionär: Der chinesische Autohersteller Geely erwarb knapp 10 Prozent der Daimler-Aktien. Das könnte für Daimler unbequem werden. Schließlich haben die Schwaben mit BAIC und BYD bereits zwei namhafte chinesische Partner. Diese dürfen sie nicht vor den Kopf stoßen. Trotz des Geely-Einstiegs investiert Daimler nun mit BAIC 1,9 Milliarden Dollar in eine neue Fabrik in China.

Mitten in der Aufregung um den Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler haben der Stuttgarter Autobauer und sein chinesischer Partner BAIC Motor eine Milliarden-Investition in China angekündigt. Zusammen wollen sie mehr als 1,9 Milliarden Dollar in den Ausbau der Produktionskapazitäten in China investieren, um der Nachfrage im größten Automarkt der Welt nachzukommen, heißt es in einem Dokument von BAIC an die Hongkonger Börse.

Die Pläne sind ein klares Bekenntnis Daimlers für seinen langjährigen Partner BAIC. Doch das Timing überrascht ein wenig. Denn Geely kurz zuvor seinen Einstieg bei den Stuttgartern mit knapp 10 Prozent bekanntgegeben. Haupteigner Li Shufu will eine Allianz für das autonome Fahren und die Elektromobilität schmieden und ist hauptsächlich an der Batterietechnologie von Daimler interessiert.

... Geely-Chef Li Shufu jetzt ein unmittelbarer Wettbewerber von BAIC vor Daimlers Tür und begehrt gleich auch Mitsprache im Aufsichtsrat, heißt es. Sein Coup soll den Daimler-Vorstand "kalt erwischt" haben
AFP
... Geely-Chef Li Shufu jetzt ein unmittelbarer Wettbewerber von BAIC vor Daimlers Tür und begehrt gleich auch Mitsprache im Aufsichtsrat, heißt es. Sein Coup soll den Daimler-Vorstand "kalt erwischt" haben

manager-magazin.de hatte bereits Anfang Februar über ein Gespräch zwischen Li und Zetsche und über einen möglichen Einstieg berichtet. Daimler hatte Lis Wunsch nach einer Beteiligung allerdings zurückgewiesen und auf den freien Aktienmarkt verwiesen. Dort hat der umtriebige Geely-Chef nun die Daimler-Titel zusammengesammelt.

Ob sich der Daimler-Vorstand über den Einstieg von Li Shufu wirklich freut, ist zweifelhaft, schreibt Analyst Frank Schwope von der Nord LB am Montag. Schließlich wolle sich Li stärker im Unternehmen einbringen als die bisher größten Aktionäre Kuwait (6,8 Prozent ) und Renault/Nissan (3,1 Prozent). Daimler sei auch von der Höhe des Engagements "kalt erwischt" worden, berichtet das "Handelsblatt".

Li beginnt Charmeoffensive, Daimler-Management offenbar verunsichert

Li trifft sich einem Insider zufolge heute in Stuttgart mit Daimler-Vertretern. Daimler wollte sich dazu nicht äußern. Ob es ein warmer Empfang wird, bleibt abzuwarten. Was die Stuttgarter besorgt: Li verfolge eine eigene Agenda und stelle Ansprüche, heißt es in dem "Handelsblatt"-Bericht. So fordere er angeblich einen Platz im Aufsichtsrat von Daimler sowie eine Kooperation bei Elektroautos.

Der Daimler-Vorstand hoffe, den Aufsichtsratssitz verhindern zu können. Denn in dem Gremium werde über die künftigen Strategien und die neuesten Modelle beraten. Diese Überlegungen könnten nicht mit einem Vertreter eines Wettbewerbers geteilt werden.

Li werde bei seiner Charmeoffensive auch dem politischen Berlin seine Aufwartung machen. In der Vergangenheit waren die Engagements chinesischer Firmen bei deutschen Technologieunternehmen - etwa dem Roboterbauer Kuka oder dem Chipunternehmen Aixtron - in Berlin durchaus kritisch gesehen worden. Im Fall von Geely sehe die Bundesregierung aber keine Notwendigkeit einzugreifen, heißt es.

Geely will den Anteil an Daimler zunächst nicht ausbauen, sagte Li Shufu am Wochenende. Vielmehr gehe es ihm um eine Allianz, um es bei selbstfahrenden und elektrischen Autos mit neuen Wettbewerbern wie Tesla, Google oder Uber aufnehmen zu können. Kein großer Autokonzern könne den Kampf ohne Partnerschaften gewinnen, sagte Li. Es gelte, Stärken zu bündeln.

Konkurrierende Partnerschaften

An Partnerschaften fehlt es Daimler allerdings nicht. Die Stuttgarter arbeiten schon mit Renault bei der Entwicklung von Autos und Nutzfahrzeugen zusammen. Auch mit BAIC verbindet Daimler eine langjährige Partnerschaft. Mit der gemeinsamen Milliarden-Investition in China werde ein existierender Standort von BAIC umgebaut und in das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive eingebracht, erläuterte ein Daimler-Sprecher. In dem Werk sollen verschiedene Mercedes-Modelle produziert werden, inklusive Elektroautos. Die Pläne hätten nichts mit dem Einstieg von Geely zu tun, versicherte der Sprecher.

Nicht zuletzt pflegt Daimler mit dem chinesischen Elektroauto-Pionier BYD in Shenzehen eine Kooperation. Das BYD-Daimler-Joint-Venture Denza verkauft bereits seit Jahren Elektrofahrzeuge. Geely könnte durch den Einstieg bei Daimler an BYD in diesem Segment vorbeiziehen und damit für erheblichen Unfrieden sorgen, warnen kritische Beobachter.

Eine weitere Partnerschaft, so wie sie Geely-Chef Li Shufu anstrebt, scheint damit zunächst nicht so recht ins Bild zu passen. Die Stuttgarter erklärten am Wochenende zwar diplomatisch, man schätze Li Shufu als chinesischen Unternehmer mit "besonderer Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann". Zugleich ließ der Konzern aber auch wissen: "Daimler ist in China umfassend und breit aufgestellt und hat mit BAIC einen starken Partner vor Ort."

Eine freudestrahlende Begrüßung eines neuen Großaktionärs hört und fühlt sich irgendwie anders an ...

rei mit Nachrichtenagenturen

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