09.07.2018  Abgasskandal ausgeweitet

Daimler stoppt Vertrieb von LKW-Motor

Abgasskandal: Daimler verkauft vorerst LKW-Sechszylinder-Motor nicht mehr
Abgasskandal: Daimler verkauft vorerst LKW-Sechszylinder-Motor nicht mehr

Daimler hat wegen auffälliger Abgas-Messwerte den Vertrieb eines Sechszylinder-Lkw-Motors vorläufig gestoppt. In einzelnen Betriebssituationen sei bei internen Kontrollen der Grenzwert für Stickoxid überschritten worden, erklärte ein Sprecher der Nutzfahrzeugsparte des Stuttgarter Autobauers am Wochenende.

Daraufhin habe Daimler den Motor genauer analysiert und die Ergebnisse Ende Juni dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gemeldet. Der Motor sei bis 2013 in Mercedes-Benz-Lkw in Europa eingesetzt worden, werde aktuell aber nur noch in Ländern außerhalb Europas vertrieben. "Bis zur Klärung der technischen Fragestellung hat das Unternehmen entschieden, diesen Motor vorsorglich nicht mehr auszuliefern", erklärte der Sprecher.

Zuerst hatte die "Bild am Sonntag" über den Vertriebsstopp berichtet. Daimler erläuterte weiter, geht es in den Diskussionen mit dem KBA um eine technische Funktion des Fahrzeug-Diagnosesystems, das die Abgasreinigung im Fahrbetrieb überwacht und den Fahrer über mögliche Fehlfunktionen informiert. Es gehe nicht um eine Software, die die Abgasnachbehandlung abschalte, betonte der Sprecher.

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Mit sogenannten Abschalteinrichtungen, welche die Abgasreinigung unter bestimmten Bedingungen aussetzen und damit die Emissionswerte nach oben treiben, hat Daimler im Pkw-Bereich Ärger gehabt. Der Konzern musste auf Geheiß des Bundesverkehrsministeriums wegen - nach dessen Einschätzung - unzulässiger Abschalteinrichtungen mehrere Diesel-Pkw-Modelle zurückrufen. In Deutschland sind 238.000, europaweit 774.000 Mercedes-Fahrzeuge betroffen, die auf der Straße zuviel Stickoxid ausstoßen. Daimler hält die verbaute Abgasbehandlung für rechtskonform, will sie per Software-Update aber nachbessern.

Die Daimler-Aktien stiegen am Morgen auf der Handelsplattform Tradegate zunächst um ein halbes Prozent auf 58,34 Euro. Allerdings waren sie in jüngster Zeit - wie die Papiere anderer deutscher Autobauer - deutlich unter Druck geraten. Belastet hatte neben der anhaltenden Diesel-Diskussion vor allem der Zollstreit mit den USA.

rtr/dpa-afx/akn

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