09.01.2018  Neue Struktur

Dax-Konzern Continental prüft Aufspaltung

Von
Continental-Zentrale in Hannover
DPA
Continental-Zentrale in Hannover

Der Reifenhersteller und Automobilzulieferer Continental steht womöglich vor dem größten Umbau in seiner Unternehmensgeschichte. Der Dax-Konzern mit Sitz in Hannover prüfe derzeit seine Aufspaltung, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf Insider.

Das Unternehmen habe hierzu bereits Berater hinzugezogen. Die Conti-Aktie legte nach den Nachrichten am frühen Nachmittag um mehr als 5 Prozent zu auf 250,50 Euro. Investoren begrüßen im Allgemeinen die Aufspaltung von großen Konglomeraten, weil deren Aktien am Kapitalmarkt unter einem Abschlag leiden. Dahinter steht die Idee, dass die Summe ihrer Einzelteile mehr wert ist als das Konglomerat im Ganzen.

Den diskutierten Szenarien zufolge könnte Continental eine Holdinggesellschaft gründen und dann Aktien der profitableren Bereiche wie etwa das Reifengeschäft separat listen. Nicht ausgeschlossen sei auch, dass Continental einige Bereiche mit dem Geschäft von Wettbewerbern zusammenführe. Laut Bloomberg befinden sich die Pläne noch in einem sehr frühen Stadium. Ein Continental-Sprecher und wollte den Bericht nicht weiter kommentieren und sprach lediglich von "Spekulationen".

Von einer Aufspaltung oder einem Börsengang der Reifensparte könnte auch Conti-Großaktionär Schaeffler profitieren. Schaeffler kann zusätzliches Geld gut gebrauchen, um Schulden zu tilgen und die Investitionen ins laufende Geschäft zu erhöhen.

Der Familienkonzern hatte seine Verbindlichkeiten in der Vergangenheit deutlich reduzieren können und wies mit Ende des dritten Quartals 2017 in seiner Bilanz Schulden in Höhe von 2,6 Milliarden Euro aus. Die im MDax notierte Aktie von Schaeffler legte zuletzt rund 4 Prozent zu.


Lesen Sie auch: Conti-Großaktionär - Wie Schaeffler seine Zukunft riskiert


Klar ist, dass jede entscheidende Veränderung bei Continental der Zustimmung der Familie Schaeffler bedarf. Über die Schaeffler-Holding hält sie rund 46 Prozent der Aktien an der Continental AG. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ging Schaeffler bei dem Versuch, Continental für rund 17 Milliarden Euro zu übernehmen, fast bankrott.

Continental beschäftigt weltweit etwa 220.000 Menschen an mehr als 200 Standorten und hatte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 44 Milliarden Euro prognostiziert.

Die mögliche Reorganisation bei dem Hannoveraner Konzern und einem der weltgrößten Autozulieferer erfolgte zu einer Zeit, in der die Branche den Schwenk von Verbrennungsmotoren hin zu elektrischen Antrieben und autonom fahrenden Autos versucht. Auch andere Konzerne wie der US-Zulieferer Delphi oder der Premiumhersteller Daimler wollen ihren Konzern umbauen.

Die Stuttgarter versprechen sich von der neuen Struktur, die eine Dreiteilung in Mercedes-Benz, Lkw sowie Finanzdienstleistungen vorsieht, deutlich mehr Beweglichkeit, wie das manager magazin bereits berichtete.

Mehr zum Thema