14.06.2018 
Batteriehersteller aus China schwimmt im Geld

Wie CATL BMW, VW und Daimler das Fürchten lehrt

Eine Meinungsmache von Patrick Setzer
REUTERS

Der fulminante Börsengang des weltgrößten Herstellers von Batterien für Elektroautos setzt ein Ausrufezeichen für die gesamte Branche. Contemporary Amperex Technology (CATL) zeigt, dass China dabei ist, im Automobilsektor selbst das Silicon Valley mit innovativen Start-ups Zug um Zug zu überholen.

Patrick Setzer
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    Patrick Setzer ist Gründer der digital entry GmbH, die Unternehmen bei Planung, Aufbau und Kauf von innovativen Start-ups unterstützt. Er ist seit 20 Jahren im digitalen Sektor tätig, hat als Unternehmer selbst zwei Technologiefirmen gegründet, in Start-ups investiert und war in verschiedenen Dax- und TecDax- Unternehmen als Manager von Wachstumsfeldern tätig. Zuletzt leitete er zwei Mobilitätsdienstleistungsbereiche bei BMW. www.dn3.io

CATL wurde erst vor sieben Jahren gegründet und hat 2017 Panasonic von der Weltspitze verdrängt. Aktuell plant das Unternehmen den Bau eines Produktionsstandortes in Europa, als Favorit gilt Thüringens Hauptstadt Erfurt - und das nur wenige Wochen, nachdem Bosch sich gegen den Bau einer eigenen Fertigung entscheiden hat.

Der Stuttgarter Konzern hatte ursprünglich geplant, in den kommenden zwei Jahrzehnten 20 Milliarden Euro zu investieren - ein Risiko, dass die Führungsmannschaft am Ende nicht eingehen wollte. Ein Drittel dieses Investments hat CATL allein in den letzten vier Tagen an Marktwert geschaffen. Damit zeigen die Chinesen den Deutschen einmal mehr, dass auch fehlender Mut zum Handeln ein Unternehmen ins Hintertreffen führen kann.

Chinesische Machtdemonstration - und eine gut gefüllte Kasse

Die Geschwindigkeit, mit der CATL der Aufbau gelungen ist, ist eine Demonstration, mit welcher Fokussierung und mit welchem Investitionswillen China visionäre Themen vorantreibt: Die Batteriezellenproduktion ist in den vergangenen drei Jahren von 2 auf 12 Gigawattstunden pro Jahr gestiegen. Bis 2020 soll die Produktionskapazität auf 55 Gigawattstunden nahezu verfünffacht werden.

Dafür hat sich CATL durch den Börsengang die Kriegskasse mit mehr als einer Milliarde Euro gefüllt. Und das Börsendebut verlief glänzend: Innerhalb der ersten vier Tage verdoppelte sich der Wert der Aktie, das Unternehmen hat nunmehr eine Marktkapitalisierung von mehr als 15 Milliarden Euro. Sollten weitere Produktionserweiterungen anstehen, sind die Rahmenbedingungen, weiteres Kapital aufzunehmen, hervorragend.

Abhängigkeit der E-Auto-Hersteller von externen Lieferanten

Doch warum sind ausgerechnet die Hersteller von Batteriezellen wesentlicher Treiber der Automobilwirtschaft der Zukunft? Dazu muss man zunächst wissen, dass ein Autohersteller wie Tesla bisher selbst keine Batteriezellen produziert, sondern diese von Panasonic zukauft. Auch der Chevrolet Volt, das E-Mobil von General Motors, holt sich seine Energie aus zugekauften Batteriezellen - in diesem Fall von LG Chem aus Südkorea.

Die Abhängigkeit der E-Auto-Hersteller von externen Lieferanten ist ernst zu nehmen und wird wesentliche Auswirkungen auch auf die deutschen Hersteller haben: Der Anteil des Antriebsstrangs, der Spezialität der hiesigen Industrie, an der Gesamtproduktion fällt von 24 Prozent beim Verbrenner auf etwa 10 Prozent beim Elektromotor.

Die Batterie repräsentiert zurzeit etwa 40 Prozent des Wertes eines Elektroautos. Dieser Umsatz - und anteilig auch der Profit - wird in Zukunft in Asien generiert, nicht mehr von BMW, Daimler oder VW. Und das wird Folgen haben für die Belegschaften vor allem in der Motor- und Getriebeproduktion.

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