30.10.2018 
Balsam für Aktienkurse deutscher Autobauer

China will Pkw-Verkäufe mit Steuersenkung ankurbeln

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Importierte Mercedes-Benz-Pkw im chinesischen Hanfen Tianjin
REUTERS
Importierte Mercedes-Benz-Pkw im chinesischen Hanfen Tianjin

Die Bremsspuren im größten Automarkt der Welt, sie waren zuletzt deutlich. Im September fielen die Verkaufszahlen für Neuwagen in China zum vierten Mal in Folge. Im Reich der Mitte droht damit in diesem Jahr ein Ende der bereits drei Jahrzehnte anhaltenden Wachstumsphase. Die deutschen Autobranche fürchtet deutliche Rückgänge in ihrem wichtigsten und lukrativsten Markt, was auch in den Gewinnwarnungen von BMW und Daimler zum Ausdruck kam.

Doch allzu hart dürfte die Landung nun doch nicht werden. Denn Chinas Regierung will Insidern zufolge der schwächelnden Nachfrage auf dem Automarkt mit Steuersenkungen entgegenwirken. Chinas Reform- und Entwicklungskommission (NDRC) erwägt, die beim Autoerwerb anfallende Kaufsteuer von 10 auf 5 Prozent zu halbieren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen.

Die Steuerkürzung solle für Kleinwagen mit bis zu 1,6 Liter Hubraum gelten, hieß es in dem Bericht. Sie machen rund 70 Prozent der in China verkauften Neuwagen aus. Auf den Aktienmärkten sorgten die Aussichten auf die Auto-Steuersenkungen für kräftige Kursgewinne bei Volkswagen , BMW und Daimler - aber auch bei Ford und General Motors . Und auch bei den Zulieferern Continental und Hella ging der Kurs deutlich nach oben.

Selbst VW senkte zuletzt die Prognose für China

Denn eine solche Steuersenkung dürfte den Neuwagen-Verkäufen in China wieder jenen Schwung verleihen, der dem Markt zuletzt abhanden gekommen war. Denn der monatelange Handelskrieg zwischen den USA und China, die Eskalationen in Form von immer drastischeren Gegenmaßnahmen - all das hat Autokäufer in China verunsichert. Sie haben sich mit Neuanschaffungen zuletzt spürbar zurückgehalten.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres sind die Neuwagen-Auslieferungen im Land um 1,1 Prozent zurückgegangen. Im September alleine fielen die Pkw-Käufe durch Händler um 13 Prozent auf 1,9 Millionen Fahrzeuge, zeigen Zahlen des chinesischen Pkw-Verbands.

Aber auch das kräftige Wachstum der Wirtschaft hat sich verlangsamt. Das trifft die Autohersteller, vor allem im Massensegment, deutlich. Ford und Renault haben ihre Verkaufsprognosen für China zuletzt nach unten revidiert. Auch VW, wo ein Drittel des gesamten Autoabsatzes auf China entfällt, gab sich zuletzt zurückhaltend. VW-China-Chef Jochem Heizmann hatte erst vergangenen Woche vorsichtige Töne in Bezug auf die Auslieferungen in dem für den Konzern wichtigsten Markt angeschlagen: Die Wolfsburger rechnen nunmehr mit Verkäufen auf Vorjahresniveau, bis vor kurzem war man noch von einem Zuwachs von 4 Prozent ausgegangen.

Noch ist die Steuersenkung für Neuwagen allerdings nicht beschlossen. Laut Bloomberg hat die NDRC den Plan vorgelegt, eine Entscheidung darüber ist aber noch nicht gefallen. Wenn die Kaufsteuer tatsächlich halbiert wird, wäre dies die jüngste Anstrengung der Chinesen, um die Folgen der Handelsstreitigkeiten mit den USA abzumildern. In diesem Jahr haben Chinas Zentralbanker etwa den Mindestreservensatz vier Mal gesenkt, um die Banken zur Vergabe von Krediten zu ermuntern.

mit Material von dpa

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