20.09.2018 
BMW und Daimler reichen Antrag bei EU-Kommission ein

Car2go und DriveNow endlich einig über die Fusion, neues Unternehmen sitzt in Berlin

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DriveNow und Car2go: Die Fusion ist auf den letzten Metern
Getty Images/AFP
DriveNow und Car2go: Die Fusion ist auf den letzten Metern

Nach Monaten der Verhandlungen konnten sie ihre Streitpunkte klären: BMW und Daimler haben die Fusion ihrer Carsharing-Angebote zur Freigabe bei der EU-Kommission eingereicht. Im Vorfeld hatten die Konzerne bereits etliche Formsachen mit zuständigen Behörden besprochen. Die Genehmigung der Transaktion wurde daher bereits in verschiedenen Ländern angemeldet und zum Teil freigegeben. Erstmals hatte das manager magazin bereits im Dezember 2016 über die Pläne des Zusammengehens berichtet.

Gleichzeitig gaben die Automobilriesen am Donnerstag bekannt, dass ihr neues Mobilitätsunternehmen wie erwartet in Berlin sitzen wird. Man wolle den Anbieter bewusst außerhalb der Konzernstrukturen in dem "dynamischen Umfeld" etablieren.

Der Gedanke der Fusion ist, Angebote wie Car2go, DriveNow oder auch die Taxibestell-App MyTaxi in einem Unternehmen zusammenzufassen. Apps fürs Parken und für E-Auto-Ladestationen sollen ebenfalls Teil der neuen Einheit sein. Gemeinsam, so hoffen es BMW und Daimler, können sie mehr Schlagkraft entwickeln. "„Größe ist in diesem Geschäft wichtig“", sagte BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer Anfang des Jahres, als er für die neue Allianz auf der Suche nach Partnern in China und den USA war. Auch jetzt betonen die Konzerne, weltweit schnell skalieren zu wollen. Dabei soll die EU der wichtigste Markt des neuen Joint-Ventures werden. DriveNow hat europaweit mehr als eine Million Kunden, Car2Go mehr als drei Millionen.

Die EU-Kommission hat erst am Dienstag bekannt gegeben, in anderer Angelegenheit ihre Ermittlungen gegen deutsche Autobauer zu verschärfen: beim Abgasskandal. Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen stehen unter Verdacht, sich bei der Abgasreinigung abgesprochen und Wettbewerb außer Kraft gesetzt zu haben.

Große Hoffnungen, schwieriges Geschäft

Das aktuelle Vorhaben von Daimler und BMW hatte sich in die Länge gezogen, da sich anfangs DriveNow-Großaktionär Sixt gegen die Transaktion gesperrt hatte. Ende Januar hatte der Autovermieter dann seinen 50-Prozent-Anteil an DriveNow für 209 Millionen Euro an BMW verkauft. Uneinigkeiten über die Bewertung der neuen Gemeinschaftseinheit hatten die Pläne weiter verzögert. Aus Konzernkreisen hieß es zuletzt, man habe sich auf rund 2,5 Milliarden Euro Firmenwert geeinigt. Das neue Unternehmen wird von der aktuellen Moovel-Chefin Daniela Gerd tom Markotten geführt werden.

Carsharing wird immer beliebter, sodass sich die Automobilkonzerne ein lukratives Geschäftsfeld abseits ihrer klassischen Verkaufserlöse erhoffen. Allerdings verdienen sie bisher kaum an dem Modell, bei dem die Kunden Autos per App orten und anmieten können. Abgerechnet wird pro Minute, parken können die Nutzer üblicherweise im ganzen Stadtgebiet (sogenanntes "Free Floating"). Konkrete Geschäftszahlen geben die Konzerne nicht preis.

Zwar schließen sich die beiden Carsharing-Vorreiter nun zusammen, doch sicher vor neuer Konkurrenz sind sie nicht. Im Juli hatte Volkswagen unerwartet bekannt gegeben, im kommenden Jahr in Deutschland einen Carsharing-Dienst starten wollen. In der Flotte von „"We"“ soll es ausschließlich Elektrofahrzeuge geben. Man sehe noch Potenzial im Markt, sagte der Vertriebschef der Marke VW, Jürgen Stackmann. In der Vergangenheit ist der Konzern mit einem ersten Versuch in dem Segment gescheitert.

Nicht nur VW hofft so spät noch auf eine Chance in dem Business: Die Opel-Mutter PSA will Ende 2018 ein größeres Carsharing-Angebot in Paris starten, ebenfalls mit Elektroautos. Volvos Carsharing-Dienst unter der eigenen Mobilitätsmarke "M" soll im Frühjahr 2019 in Schweden und später in den USA verfügbar sein.

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