05.07.2018  Autobauer sieht Jobs in Gefahr

Jaguar droht bei hartem Brexit mit Wegzug

Auf dem Sprung: Jaguar könnte Großbritannien bei einem harten Brexit verlassen
DPA
Auf dem Sprung: Jaguar könnte Großbritannien bei einem harten Brexit verlassen

Der größte britische Autohersteller Jaguar Land Rover droht im Falle eines harten Brexit, Großbritannien zu verlassen. "Ein schlechter Brexit-Deal würde Jaguar Land Rover jedes Jahr mehr als 1,2 Milliarden Pfund Gewinn kosten", sagte Konzernchef Ralf Speth. "Infolgedessen müssten wir unser Ausgabenprofil drastisch anpassen."

Das Unternehmen habe in den vergangenen fünf Jahren rund 50 Milliarden Pfund in Großbritannien ausgegeben. In den kommenden fünf Jahren seien weitere 80 Milliarden Pfund geplant. Speth warnte: "Dies wäre in Gefahr, sollten wir mit dem falschen Ergebnis konfrontiert werden."

In Großbritannien arbeiten Zehntausende Menschen für Jaguar Land Rover. Der größte britische Autohersteller hatte jedoch bereits im April angekündigt, wegen sinkender Verkaufszahlen rund tausend Stellen zu streichen. Anders als auf den anderen europäischen Märkten gehen in Großbritannien die Autoverkäufe zurück. Ein Grund dafür dürfte die gesunkene Kaufkraft vieler Briten sein, nachdem das Pfund infolge der Brexit-Entscheidung stark an Wert verloren hat.

Dem Verband der britischen Autohersteller und -händler (SMMT) sind in der Branche die Investitionen in dem Land um fast die Hälfte gesunken. SMMT-Chef Mike Hawes sagte, die derzeitigen widersprüchlichen Positionen der Regierung gingen "direkt gegen die Interessen der Automobilbranche in Großbritannien, die vom Binnenmarkt und der Mitgliedschaft in der Zollunion profitiert hat."

Auch BMW und andere Konzerne drohten schon

Wie Jaguar hatte erst vor wenigen Wochen auch der Autobauer BMW vor den Folgen eines harten Brexits gewarnt. "Wenn wir in den nächsten Monaten keine Klarheit bekommen, müssen wir damit beginnen, Alternativpläne zu entwickeln", sagte der BMW-Repräsentant im Vereinigten Königreich, Ian Robertson. Das Münchner Unternehmen fertigt auch die Marken Mini und Rolls-Royce und hat rund 8000 Beschäftigte in Großbritannien.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus wiederum hatte mit einem Teilrückzug und Stellenabbau aus Großbritannien gedroht, sollte das Land die EU ohne Abkommen (harter Brexit) verlassen.

Auch in den anderen Führungsetagen von Firmen auf der Insel macht sich rund neun Monate vor dem geplanten Austritt aus Zollunion und Binnenmarkt zusehends Skepsis breit. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte äußerten sich 75 Prozent der Finanzchefs mit Blick auf den Brexit pessimistisch. Sie befürchten, dass ihr Geschäftsumfeld Schaden nehmen wird.

Das britische Kabinett will sich am Freitag bei einer Sondersitzung auf dem Landsitz Chequers auf einen Plan für die Nach-Brexit-Zeit einigen. Doch es ist weiterhin tief zerstritten. Die einen fordern einen klaren Bruch mit Brüssel. Die anderen wollen so eng wie möglich an die EU und ihre Institutionen gebunden bleiben.

Der Regierung von Premierministerin Theresa May zufolge gibt einen Mittelweg - doch wie der aussehen soll, ist noch geheim. Spekulationen, May könnte nun doch eine enge Anbindung an die EU suchen, haben das Brexit-Lager misstrauisch gemacht.

Sollte das Land am 29. März 2019 ohne Abkommen aus der EU scheiden, wäre auch die bereits verabredete Übergangsphase von knapp zwei Jahren hinfällig. Chaos könnte ausbrechen. Zölle würden eingeführt, Warenkontrollen an den Grenzen wahrscheinlich. Dafür sind weder die britischen noch die Zollbehörden in anderen europäischen Staaten gerüstet.

rei/apr/Reuters/dpa

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