11.10.2018 
Milliarden-Investitionen in Gemeinschaftsunternehmen

BMW liebt China, China liebt BMW

 Fast wie beste Freunde: BMW-Chef Harald Krüger mit Chen Qiufa, Sekretär der Kommunistischen Partei der Provinz Liaoning, nach der Unterzeichnung des Vertrags am Donnerstag, 11. Oktober
REUTERS
Fast wie beste Freunde: BMW-Chef Harald Krüger mit Chen Qiufa, Sekretär der Kommunistischen Partei der Provinz Liaoning, nach der Unterzeichnung des Vertrags am Donnerstag, 11. Oktober

Hierzulande klagt die Autoindustrie über drohende Fahrverbote und schärfere CO2-Vorgaben der EU, in China arbeitet sie mit rasantem Tempo an der elektromobilen Zukunft. So stockt BMW jetzt für 3,5 Milliarden Euro seinen Anteil am Joint Venture mit Brilliance auf 75 Prozent auf - und will weitere 3 Milliarden Euro in modernste, hochflexible Produktionssysteme investieren.

BMW baut seinen Anteil an dem chinesischen Gemeinschaftsunternehmen mit Brilliance aus. Der Anteil soll künftig bei 75 Prozent liegen, derzeit sind es 50 Prozent, teilte BMW am Donnerstag mit. Der Kaufpreis liege bei umgerechnet 3,6 Milliarden Euro.

Die Vereinbarung unterzeichneten beide Seiten am Donnerstag in der nordostchinesischen Stadt Shenyang. In den nächsten drei Jahren wolle BMW dort mehr als drei Milliarden Euro investieren. Mit einem neuen Werk werde die Kapazität am Standort Tiexi verdoppelt, teilte der Münchner Automobilkonzern mit.

Bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen des Joint Ventures wurde der Vertrag zugleich vorzeitig um 22 Jahre bis 2040 verlängert. Die Übernahme der Mehrheit muss von den Behörden und den Brilliance-Aktionären noch gebilligt werden. Allerdings hatte die chinesische Regierung schon frühzeitig signalisiert, dass sie den Ausbau der Anteile von BMW an dem Gemeinschaftsunternehmen begrüßt.

Eine Mehrheit an einem chinesischen Joint Venture gilt als beispielhaft - BMW sei der "erste Fall" in der Autoindustrie, hatte Chinas Premierminister Li Keqiang bereits im Juli erklärt. Bislang durften ausländische Autohersteller auf dem größten Absatzmarkt der Welt lediglich 50 Prozent an Joint Ventures mit chinesischen Partnern halten. Ab 2022 fällt diese Grenze.

"Wir setzen unsere Wachstumsstrategie für China konsequent um", sagte BMW-Chef Harald Krüger. "Mit kontinuierlichen Investitionen sowie der Entwicklung und Produktion elektrischer Fahrzeuge unterstreichen wir Chinas Bedeutung als dynamischer Wachstumsmarkt für uns."

BMW Brilliance: Das Joint Venture (hier Produktion 2010 in Shenyang) besteht seit 2003
BMW Brilliance: Das Joint Venture (hier Produktion 2010 in Shenyang) besteht seit 2003

BMW baut seit 2003 zusammen mit Brilliance in Shenyang Autos. Bisher hielt BMW 50 Prozent, Brilliance 40,5 Prozent. Die restlichen 9,5 Prozent liegen bei der Stadt Shenyang.

Die Gesamtkapazität in China soll ab 2020 auf 650.000 Autos pro Jahr gesteigert werden. Im vergangenen Jahr liefen in den beiden Werken Tiexi und dem benachbarten Dadong rund 400.000 Autos vom Band - ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auf dem bestehenden Werksgelände in Tiexi wird das neue Werk geplant, während Dadong um- und ausgebaut wird, wie BMW mitteilte. Gegenwärtig werden sechs BMW-Modelle in China gebaut.

BMW baut Elektroflotte in China aus

Der bayerische Autobauer hat 2017 in China rund 560.000 Autos ausgeliefert. Der Absatz stieg in den ersten acht Monaten des Jahres um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. BMW richtet sich künftig verstärkt auf die steigende Nachfrage nach E-Autos in China ein. Sechs Modelle werden heute schon elektrifiziert angeboten. In Dadong läuft ab 2020 der vollelektrische BMWiX3 vom Band. Er wird ausschließlich in China gebaut und soll auch exportiert werden.

Die Regierung in Peking treibt massiv den Ausbau der Elektromobilität auf dem weltweit größten Automarkt in China voran. Besonderer Kaufanreiz ist die bevorzugte Zulassung von E-Autos in großen Metropolen. Nummernschilder für Benzinautos werden verlost oder müssen teuer ersteigert werden. Käufer müssen oft jahrelang warten, während Elektrofahrzeuge eher zugelassen werden. Auch gibt es Fahrverbote an bestimmten Tagen, die für E-Autos nicht gelten.

Drei unterschiedliche Antriebsarten auf einer Produktionslinie

Mit dem neuen Werk, dem bestehenden Motorenwerk und der seit einem Jahr laufenden Batteriefertigung in China kann sich BMW künftig besser auf die erwartete Transformation einstellen. In Tiexi sollen vollelektrische, teilelektrische und konventionelle Antriebe in der neuen Fertigung auf einer einzigen Produktionslinie gefertigt werden.

"Mit unserem hochflexiblen Produktionssystem können wir schnell auf die Marktnachfrage reagieren und wären in der Lage, bis zu 100 Prozent elektrische Fahrzeuge zu produzieren", sagte der Produktionsvorstand Oliver Zipse.

rei/dpa

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