31.05.2018 
Neuer Abgastest WLTP stürzt VW, BMW und Co. in Produktionschaos

Diese Modelle können Autobauer nicht mehr liefern

Von Nils-Viktor Sorge und
BMW 7er: Für ein Jahr nicht als Benziner lieferbar
BMW
BMW 7er: Für ein Jahr nicht als Benziner lieferbar

Autofahrer, die mit einem kleinen Coupé oder SUV von Mercedes liebäugeln, sollten sich beeilen: Ab Sommer nimmt der Stuttgarter Autobauer einige besonders günstige Varianten der Modelle CLA und GLA aus dem Programm. Es lohne nicht, diese Autos für die neuen Abgasmessungen nach WLTP fit zu machen, sagte ein Daimler-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Die Nachfolgemodelle seien erst in etwa einem Jahr verfügbar.

Derartige Einschnitte in der Produktpalette verzeichnen derzeit praktisch alle namhaften Autobauer. Manche tun sich noch erheblich schwerer als Mercedes, ihre Flotte nach WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) zu zertifizieren. Dieses Messverfahren ist ab September für alle neuen Autos vorgeschrieben.

Und das überfordert offenbar manche Hersteller: So ist der BMW 7er in Europa ein Jahr lang als Benziner nicht lieferbar. Auch andere BMW-Modelle werden monatelang nicht mit Ottomotor erhältlich sein.

Sport-Ikone BMW M3 vorübergehend nicht im Programm

Die Münchener nehmen auch die Sport-Ikone M3 vorübergehend aus dem Programm. Es sei zu aufwändig, den Motor eigens für einen nun benötigten Partikelfilter umzubauen. Erst nachdem der neue 3er ab dem vierten Quartal 2018 auf den Markt kommt, rechnen Branchenkenner mit einem abgasarmen M3.

Die Probleme sind offenbar eine mittelbare Folge des Abgasskandals. Der Gesetzgeber in Brüssel übt plötzlich mehr Druck auf die Industrie aus, nachdem er sie jahrzehntelang mit Schlupflöchern und Ausnahmen verhätschelte, und die Hersteller in der Folge Millionen Autos mit manipulierten Motoren bauten.

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Die Abgasmessung nach WLTP-Standard soll nun sicherstellen, dass Verbrauch und Abgasausstoß auf dem Prüfstand nicht mehr so stark von der Realität abweichen wie bisher. Die Hersteller müssen dazu jede einzelne Motorvariante in einem langwierigen Verfahren zertifizieren lassen.

Zusätzlich bereiten die Autobauer ihre Fahrzeuge auf Abgastests unter realen Fahrbedingungen im RDE-Zyklus (Real Drive Emissions) vor. Doch dafür müssen Ingenieure Motoren und Abgassysteme oft neu konstruieren. Es fehlt zudem an Prüfständen.

"Unsere Prüfstände sind ausgelastet und arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb", erklärt ein BMW-Sprecher gegenüber manager-magazin.de den Stau beim Zertifizierungsverfahren. Es sei zudem "komplex", Partikelfilter "in das gesamte Portfolio unterzubringen".

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