23.03.2018  Autobauer verzweifeln an den neuen Abgasregeln

BMW stoppt auch Produktion von X5- und X6-Benzinern

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BMW X5: Ab Ende Mai bis Anfang 2019 nicht mehr mit Benzinmotor erhältlich
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BMW X5: Ab Ende Mai bis Anfang 2019 nicht mehr mit Benzinmotor erhältlich

Ein Jahr lang ist der BMW 7er in Europa als Benziner nicht lieferbar - dieser Vertriebs-GAU für das Flaggschiff der Münchener hat Fans des Premiumherstellers schockiert. Auch andere BMW-Modelle werden monatelang nicht mit Ottomotor erhältlich sein,berichtet die Automobilwoche nun. Ende Mai stoppt BMW in Europa die Produktion der Benzinvarianten des X5 und X6 und des 6er-Benziners mit Ausnahme der GT-Version. Die SUVs werden erst 2019 wieder mit Benzinmotor lieferbar sein. Auch die Benziner-Allradversion 225 iX Active Tourer fliegt vorübergehend aus dem Programm - ebenso wie die Allrad-Versionen des X1 und X2 mit Ottomotor.

Der Grund dafür: BMW bereitet seine Fahrzeuge nach eigenen Angaben für neue Verbrauchs- und Abgasmessungen vor. Nicht nur BMW ächzt derzeit unter den neuen Regeln. Betroffen ist die gesamte Branche. Die Probleme, über die beispielsweise auch Volkswagen klagt, sind offenbar eine mittelbare Folge des Abgasskandals. Der Gesetzgeber in Brüssel übt plötzlich mehr Druck auf die Hersteller aus, nachdem diese jahrzehntelang verhätschelt wurden und Millionen Autos mit manipulierten Motoren bauten.

Nun muss die Industrie sämtliche Modelle zügig auf den neuen Messzyklus WLTP vorbereiten, der den Kraftstoffverbrauch realistischer abbilden soll. Dazu müssen alle Modelle erneut ein aufwändiges Messverfahren absolvieren. Davon unabhängig sind die Hersteller gleichzeitig verpflichtet, viele Benziner mit einem Partikelfilter auszustatten. Nur dann sind sie in der Lage, bei neuen, strengeren Feinstaub-Messungen unter realen Fahrbedingungen (Real Drive Emissions, RDE) zu bestehen.

Nachfrage nach Benzin-7er steigt

"Unsere Prüfstände sind ausgelastet und arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb", sagte ein BMW-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Es sei zudem "komplex", Partikelfilter "in das gesamte Portfolio unterzubringen".

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Deshalb würden zunächst Fahrzeuge auf den neuesten Stand gebracht, die das Unternehmen in großen Stückzahlen verkauft. Von Verzögerungen seien lediglich Modelle mit geringeren Absatzzahlen betroffen. Zu denen zählen die auf Eis gelegten Benziner-Varianten. Sie sind laut BMW am Ende ihres Lebenszyklus angelangt und werden nur mehr in vergleichsweise geringen Stückzahlen verkauft. Da wäre der Aufwand der Umrüstung auf Partikelfilter zu groß, argumentieren die Bayern. Unterm Strich werde BMW nicht nennenswert weniger Autos verkaufen, hofft der Hersteller, da Kunden auf alternative Fahrzeuge des Herstellers umsteigen würden.

Die Maßnahmen sind dennoch schmerzhaft. So nimmt BMW auch die Sport-Ikone M3 vorübergehend aus dem Programm. Es wäre zu aufwändig, den Motor eigens für den Einbau eines Partikelfilters umzubauen. Erst nachdem der neue 3er ab dem vierten Quartal 2018 an den Start geht, rechnen Branchenkenner mit einem abgasarmen M3.

Auch beim 7er ist das temporäre Aus für Benziner nicht trivial. Zwar wurden laut BMW im vergangenen Jahr europaweit nur etwa 2000 der betroffenen Fahrzeuge verkauft. Doch ist gerade diese Antriebsart derzeit zunehmend gefragt, weil Autofahrer Fahrverbote für Dieselwagen fürchten. In Deutschland ließen die Behörden zuletzt sogar mehr Benzin-7er zu als Selbstzünder.

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