06.12.2017  Kryptowährung knackt zwei Tausender-Marken binnen 20 Stunden

Bitcoin über 13.000 Dollar - Bitcoin-Fans in Kaufpanik

Bitcoin über 13.000 US-Dollar: Wann platzt die Kryptogeld-Blase?
AFP
Bitcoin über 13.000 US-Dollar: Wann platzt die Kryptogeld-Blase?

Der Run auf die Kryptowährung Bitcoin wird selbst abgebrühten Spekulanten unheimlich: Der Kurs des Bitcoin war erst in der Nacht zum Mittwoch erstmals über die Marke von 12.000 US-Dollar gestiegen und hatte damit ein Rekordhoch erreicht. Doch damit nicht genug: Am Mittwoch Abend knackte der Bitcoin-Kurs bereits die nächste Tausender-Marke und kletterte über die Marke von 13.000 Dollar. Das ist ein Kurszuwachs von mehr als 1000 Dollar binnen nicht einmal 20 Stunden.

Von Gewinnmitnahmen und einer Abkühlung war nach der schwindelerregenden Klettertour der vergangenen Tage nichts zu spüren: Erst in der vergangenen Woche hatte der Bitcoin-Kurs die Marke von 10.000 Dollar durchschlagen, die Kursgewinne betragen seitdem mehr als 30 Prozent. Doch statt Gewinne mitzunehmen, springen immer mehr Käufer auf den Zug auf - ungeachtet der hohen Risiken.

"Es herrscht die pure Gier"

"Der Run auf die Währung ist nur noch mit blanker Gier zu erklären. Jeder will mitzocken - die Absturzrisiken werden komplett ausgeblendet", sagte ein Händler. Dabei könne es auf Grund des steilen Anstiegs der vergangenen Wochen nun jeden Moment zu massiven Gewinnmitnahmen kommen. Kursschwankungen von 30 Prozent und mehr an einem Tag sind beim Bitcoin keine Seltenheit.

"Wer jetzt noch einsteigt, kann vielleicht binnen weniger Stunden noch 10 oder 20 Prozent mitnehmen", sagte der Händler. "Er riskiert aber auch, binnen weniger Stunden 30 bis 50 Prozent seines Einsatzes verlieren",

Börsenpsychologie: Warum "FOMO"-Investoren jetzt noch Bitcoin kaufen

Erst Mitte Oktober hatte die Kryptowährung Bitcoin, die nach ihrer Entstehung im Jahr 2009 nur wenige Cent wert war, die Marke von 5000 Dollar übersprungen. Vergangene Woche erst kletterte der Bitcoin über die 10.000-Dollar-Marke.

"Wert kann von einem Tag auf den anderen kollabieren"

Kritiker warnen vor einer Blase. Der Bitcoin selbst habe keinen ihm innewohnenden Wert, sagte etwa kürzlich der Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole. Deshalb könne der Wert "von einem Tag auf den anderen kollabieren".

Der Bitcoin war 2009 auch als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden, um eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung zu erschaffen. Die Kryptowährung basiert dabei auf dem Prinzip, dass Buchungen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden müssen, sondern letztlich von allen am Bitcoin-System beteiligten Nutzern.

Neue "Münzen" werden durch komplexe Rechenoperationen unter Beteiligung zahlreicher Computer erschaffen. Ihre Zahl ist jedoch von vornherein auf 21 Millionen begrenzt. Mehr als drei Viertel davon wurden bereits geschaffen.

Die Wechselkurse von Digitalwährungen zu konventionellen Währungen schwanken stark. Auch der Bitcoin geriet in diesem Jahr wiederholt unter Druck - etwa in China, wo die Behörden auf eine strengere Regulierung dringen, um Kapitalflucht ins Ausland zu bekämpfen. Sie kritisieren zudem, Kryptowährungen würden zunehmend als "Werkzeug für kriminelle Aktivitäten" genutzt - darunter Geldwäsche, Drogenhandel und illegale Kapitalbeschaffung.

Einführung von Bitcoin-Futures befeuert Boom

Die baldige Einführung von Terminkontrakten auf Bitcoins sorgt für Auftrieb bei der Digitalwährung - denn damit stößt die Digitalwährung ins traditionelle Finanzgeschäft vor.

Vergangenen Freitag hatte die US-Behörde CFTC grünes Licht für diese Bitcoin-Futures gegeben. Die US-Börse CBOE will bereits Ende der Woche den ersten Bitcoin-Future in den Handel bringen. Eine Woche später will der weltweit größte Börsenbetreiber, die Chicago Mercantile Exchange Group (CME) , folgen. Auch bei der japanischen Tokyo Financial Exchange wird über die Einführung eines Bitcoin-Futures nachgedacht.

Durch die Einführung der Futures werden Bitcoins für institutionelle Investoren deutlich besser handelbar. Mit Future-Kontrakten werden Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt gehandelt. Dadurch können sich Käufer und Verkäufer gegen mögliche Preisschwankungen absichern. Terminkontrakte können aber auch für Spekulationen auf künftige Kursentwicklungen genutzt werden.

Zu Jahresbeginn stand der Wert des Bitcoin noch bei 1000 Dollar. Seither ist er auf einer rasanten Rekordjagd. Dabei schwankt der Kurs allerdings extrem. Auf und Abs um ein Fünftel an einem Tag sind keine Seltenheit. Notenbanker und Vertreter von Regulierungsbehörden warnen deshalb vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Zuletzt bezeichnete der Chef des nordeuropäischen Bankkonzerns Nordea, Casper von Koskull, den Bitcoin als "absurde" Konstruktion, die jeder Logik widerspreche.

nis/la/dpa-afx

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