02.03.2018 
Kräftige Finanzspritze für US-Hochkaräter-Startup

VWs Selbstfahrpartner Aurora sackt 90 Millionen Dollar ein

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Aurora-Mitgründer Chris Urmson erhält von Investoren 90 Millionen Dollar für sein Roboterauto-Startup
DPA
Aurora-Mitgründer Chris Urmson erhält von Investoren 90 Millionen Dollar für sein Roboterauto-Startup

Gerade mal ein Jahr alt und schon ein Schwergewicht im Bereich des autonomen Fahrens: Diesen Blitzstart hat das US-Startup Aurora hingelegt. Innerhalb weniger Monate hat das kalifornische Startup Kooperationen mit Volkswagen, Audi, Hyundai und dem chinesischen Elektroauto-Startup Byton vereinbart.

Nun erhalten die Kalifornier eine kräftige Geldspritze: Die beiden Fonds Greylock Partners und Index Ventures beteiligen sich mit 90 Millionen Dollar an dem Unternehmen, wie US-Medien berichten. Zudem erweitert Aurora seinen Aufsichtsrat um zwei neue Mitglieder mit viel Tech-Wissen: In dem Kontrollgremium vertreten ist künftig Reid Hoffman, Mitgründer des Business-Netzwerks LinkedIn und Partner bei Greylock. Zweiter Neuzugang ist Mike Volpi von Index Ventures, der frühere Strategiechef des IT-Riesen Cisco.

Die erste größere Finanzierungsrunde von Aurora ist damit eine der größten für ein Automobiltechnologie-Unternehmen. Die hohe Summe für die erste Finanzierungsrunde des Unternehmens zeigt auch, wie stark Investoren in den Markt für selbstfahrende Autos drängen.

Ein Grund für die Spendierfreude der Geldgeber liegt wohl auch im untadeligen Ruf des Aurora-Managements: Die drei Gründer gelten in der Roboterauto-Szene als Koryphäen. Chris Urmson leitete viele Jahre lang Googles Entwicklungsprogramm für autonome Autos. Sterling Anderson war bei Tesla für den Autopiloten verantwortlich.

Der dritte Aurora-Mitgründer, Drew Bagnell, ist einer der angesehensten US-Experten für maschinelles Lernen. Er half dem Fahrdienst Uber maßgeblich dabei, dessen Programm in Richtung selbstfahrende Fahrzeuge anzuschieben.

VWs Moia-Shuttles haben Auroras Selbstfahr-Technologie an Bord

Anfang 2017 gründete das Trio nach dem Ausstieg aus früheren Jobs Aurora. Ihr Startkapital fiel mit 6 Millionen Dollar eher schmal aus. Das lag aber möglichweise an einem eher unangenehmen Start-Detail: Andersons Ex-Arbeitgeber Tesla klagte ihn und Urmson wegen des angeblichen Abwerbens von mehr als einem Dutzend Tesla-Ingenieuren - und Geheimnisklau. Mitte April einigten sich die beiden Aurora-Gründer mit Tesla auf eine Zahlung von 100.000 Dollar, im Gegenzug ließ Tesla sämtlich Vorwürfe fallen. Erst dann hatte das Startup freie Bahn.

Urmson, Anderson und Bagnell nutzten ihren Ruf, um hochkarätige Kooperationen mit großen Autoherstellern anzuleiern. Das gelang wohl auch, weil Aurora klarmachte, nicht an die eigene Produktion von Autos zu denken. Stattdessen positionierten sie sich als Technologielieferant. Gemeinsam mit Autofirmen arbeiten sie nun daran, Sensoren, Software und Datendienste für vollautonom fahrende Fahrzeuge zu entwickeln.

Aurora zielt dabei von vorne herein auf Level 4-Autonomie oder mehr, wie es im Branchenjargon heißt. Das Startup will also Technologie entwickeln, mit der Autos in den meisten Situationen selbst fahren können und das Eingreifen des Fahrers nur selten notwendig ist.

Genau das erhofft auch Volkswagen von dem Startup. Laut Fortune arbeiten beide Unternehmen seit Monaten daran, Aruroras Selbstfahr-System in den neuen Elektro-Shuttles des VW-Mobilitätsdienstes Moia zu integrieren. VW will in diesem Jahr mit 200 Moia-Fahrzeugen in Hamburg starten. Die werden allerdings noch menschliche Fahrer an Bord haben. Denn komplett ausgereift ist die Selbstfahr-Technik noch nicht - und rechtlich auch nicht zugelassen.

Nun hat VW aber einen ziemlich gut finanzierten Partner für autonomes Fahren an seiner Seite. Wie hoch die Bewertung von Aurora nach der ersten Finanzierungsrunde ist, wollte das Unternehmen jedoch nicht verraten.

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