11.01.2018  BMW und Mercedes betroffen

Autoverkäufe in USA sinken erstmals seit Finanzkrise

Dämmerung: Drei Jahre lang wurden in den USA mehr als 17 Millionen Neuwagen pro Jahr verkauft - doch 2018 dürfte dieses Niveau nicht mehr zu halten sein
Fisker
Dämmerung: Drei Jahre lang wurden in den USA mehr als 17 Millionen Neuwagen pro Jahr verkauft - doch 2018 dürfte dieses Niveau nicht mehr zu halten sein

Billiger Sprit, niedrige Zinsen und günstige Finanzierungsverträge hatten Kunden in den vergangenen Jahren in Scharen in die Autohäuser gelockt. Aber jetzt droht dem Boom die Puste auszugehen: Erstmals seit der Finanzkrise gingen die Verkäufe auf dem US-Markt 2017 zurück - wenngleich auf hohem Niveau. Auch einige deutsche Autobauer taten sich zuletzt schwer, so dass ein weiteres Abflauen der US-Autokonjunktur ziemlich ungelegen käme.

Nach einem Rekordwert von 17,55 Millionen verkauften Neuwagen im Vorjahr fiel der US-Absatz 2017 um 1,8 Prozent auf 17,23 Millionen Stück. Dem Analysehaus IHS Markit zufolge wurde damit erstmals drei Jahre in Folge die 17-Millionen-Marke geknackt. Dass dies erneut gelingen kann, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Bei der Motor-Show in Detroit (13. bis 28. Januar) - dem traditionellen Schaulaufen der Hersteller zum Auftakt des Autojahres - dürfte deshalb nicht an allen Ständen ausgelassene Stimmung herrschen. Denn trotz der Glitzerkulisse mit protzigen SUVs, Pick-up-Trucks und Luxusschlitten, die in der US-Industriemetropole präsentiert werden, sieht der Ausblick für die Branche eher trüb aus.

Ölpreis steigt, US-Leitzins steigt

Zwei entscheidende Faktoren sprechen 2018 für eine Abkühlung. Zum einen rechnen Ökonomen im Schnitt mit höheren Ölpreisen, die sich auch an den Tanksäulen bemerkbar machen dürften. Teureres Benzin schlägt in den USA - wo die Verkaufscharts seit Jahren von schwergewichtigen Spritschluckern angeführt werden - in der Regel schnell auf den Neuwagenabsatz durch. Zum anderen dürften steigende US-Leitzinsen Autokredite verteuern, was sich ebenfalls rasch bemerkbar machen kann, weil viele Fahrzeuge auf Pump gekauft werden.

Autobauer hoffen auf Steuerreform

Hoffnung machen der Branche indes die neuen Steuergesetze der Trump-Regierung. Sie reißen zwar riesige Löcher in den Staatshaushalt. Davon sollen neben Konzernen zunächst aber auch die US-Bürger profitieren. "Viele Verbraucher werden Lohnerhöhungen wegen der Steuerreform erhalten", glaubt Mustafa Mohatarem, Chefvolkswirt von General Motors . Das werde die Autoverkäufe 2018 auf hohem Niveau halten. Mit einem Absatzplus rechnet aber auch Mohatarem nicht.

Mercedes, BMW und VW haben es in den USA weiter schwer

Obwohl "Made in Germany" in den USA trotz des Dieselskandals weiter als Qualitätsprädikat gilt, hatten die großen deutschen Hersteller bei den jüngsten Verkaufserfolgen nicht gerade die Nase vorn. Daimler und BMW genießen unverändert ein gutes Image im Oberklasse-Segment, wurden in den vergangenen zwei Jahren aber deutlich weniger Autos los. Volkswagen berappelte sich 2017 immerhin wieder etwas, nachdem die Affäre um manipulierte Abgaswerte den Absatz hatte einbrechen lassen.

Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen hält das Abflauen des US-Markts für logisch. "Zwar spielen bei einigen Herstellern Modellwechsel eine Rolle, deretwegen sich Käufer zunächst zurückhalten. Aber man sieht generell, dass sich deutsche Autobauer derzeit in Amerika ein wenig schwer tun." Mögliche Ursache: "Ein gewisser Trump-Einfluss. Manch ein Manager könnte sich fragen: "Ist es politisch noch opportun, wenn ich mir ein deutsches Premium-Modell kaufe?" Diese Debatte ist nicht ganz ohne Wirkung geblieben."

Die Dieselkrise spiele dabei nur eine geringe Rolle, meint Diez. Der Antrieb habe in den USA weiter wenig Bedeutung - auch der scheidende VDA-Chef Matthias Wissmann schreibt ihn dort bei Personenwagen mehr oder minder ab. Zwar äußert sich Wissmann weiterhin zuversichtlich mit Blick auf den US-Markt: "Die deutschen Hersteller haben 2017 ihren US-Absatz von Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) gegen den Trend auf 1,35 Millionen Neuwagen leicht gesteigert und ihren Marktanteil auf fast 8 Prozent erhöht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Absatz von VW sackte im Dezember um 18 Prozent ab

Allerdings waren die Absatzzahlen zum Jahresende bei mehreren deutschen Herstellern zurückgegangen. VW etwa sackte im Dezember auf dem US-Markt im Jahresvergleich um 18,7 Prozent auf 30 281 Fahrzeuge ab. Der Anteil von Elektroautos am Gesamtabsatz ist Diez zufolge 2017 nur ganz leicht von 0,5 auf 0,6 Prozent gestiegen. Experten der Deutschen Bank sehen ebenfalls Marktanteilsverluste für die Deutschen, die keine direkte Verbindung mehr zum Diesel-Vertrauensschwund hätten.

2018 dürfte der Automarkt in Summe etwas zurückgehen, glaubt Diez. Davon blieben die US-Anbieter ebenso wenig verschont. "2009 war der US-Markt bei einem Absatz von 10 Millionen Stück, er hat sich dann Schritt für Schritt von der Finanzkrise erholt und ist bis 2016 auf über 17 Millionen verkaufte Wagen gestiegen. Inzwischen ist ein Großteil des alten Fahrzeugbestands erneuert, insofern hat die Abschwächung auch mit der normalen Branchenkonjunktur zu tun."

Klar ist jedoch: Ein verhalteneres US-Autogeschäft würde auch die Weltwirtschaft insgesamt belasten. Die Ratingagentur Moody's warnte schon im Herbst, dass ein nur leichtes Schrumpfen des Markts um 0,6 Prozent das globale Wachstum der Branche auf unter 2 Prozent drücken dürfte. Entscheidend ist für die Kreditwächter vor allem die zu erwartende Verschlechterung der Finanzierungskonditionen beim Neuwagenkauf auf dem nach China zweitgrößten Automarkt der Welt.

la/dpa-afx

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