10.05.2018 
Stadlers Verfehlungen im Abgasskandal

Warum ist Rupert Stadler eigentlich noch Audi-Chef?

Von
Audi-Chef Rupert Stadler
REUTERS
Audi-Chef Rupert Stadler

Eigentlich wollte Audi-Chef Rupert Stadler vor seinen Aktionären Aufbruchsstimmung verbreiten: Auf der Hauptversammlung der Audi AG am Mittwoch präsentierte Stadler einen ehrgeizigen Transformationsplan für einen Start ins Elektroauto-Zeitalter. Mit der Strategie "Audi. Vorsprung. 2025" soll Audi bei Elektromobilität an den Konkurrenten Daimler und BMW vorbeiziehen. "Die Nummer eins unter den Premiumanbietern" soll Audi bei E-Mobilen werden, gab Stadler die Stoßrichtung vor. Vier rein batteriegetriebene Elektroautos will die Ringe-Marke in den nächsten zwei Jahren auf den Markt bringen, im Jahr 2025 will Audi 800.000 elektrifizierte Autos verkaufen.

Die Sache mit dem Aufbruch hat nur einen Haken: Audi - und Stadler selbst - werden mal wieder von der Dieselskandal-Vergangenheit eingeholt. Am Dienstag, nur einen Tag vor der Hauptversammlung, mussten die Ingolstädter etwas Hochnotpeinliches eingestehen. Audi hat die Auslieferung der als Dienstwagen beliebten Modelle A6 und A7 mit 271-PS-Dieselmotor gestoppt, weil es bei den Motoren erneut Verdacht auf Abgastricksereien gibt, wie der "Spiegel" berichtete.

Audi untersuche systematisch alle Motoren, erklärte Stadler dazu gestern. Dass mit weiteren Rückrufen zu rechnen sei, hatte er schon im März angekündigt. "Unser höchstes Interesse gilt einer rückhaltlosen Aufklärung", sagte Stadler dazu.

Doch wieder einmal steht Stadler im Verdacht, seinen Laden nicht im Griff zu haben. Vor einem Jahr wurde Stadlers Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert - seither bemühte sich Stadler um den Eindruck, dass die Zeiten der Diesel-Krise bei Audi vorbei sind. Ende 2017 verkündete der Firmenchef sogar, die interne Taskforce Diesel bis zum Ende des ersten Quartals auflösen zu wollen - als "äußeres Zeichen, dass wir allmählich vom Krisenmodus wieder auf den Regelbetrieb umstellen können".

Zuletzt hatte der neue VW-Chef Herbert Diess Stadler sogar noch den Rücken gestärkt - indem er ihm im Rahmen der Neuorganisation des Volkswagen-Konzerns in Markengruppen zusätzliche Verantwortung für den Konzernvertrieb übertrug.

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