22.01.2018  Rückruf von 127.000 Audi-TDI-Dieselautos

Wie Audi den Ruf seines Aushängeschilds A8 gefährdet

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Audi A8 der dritten Generation - in der Version, die von 2013 bis Mitte 2017 verkauft wurde
Audi
Audi A8 der dritten Generation - in der Version, die von 2013 bis Mitte 2017 verkauft wurde

Satte 109 Millionen Euro hat Audi im vergangenen Jahr dank guter Mitarbeiter-Ideen gespart. Das Jahr 2017 haben die Ingolstädter zudem mit einem neuen Absatz-Bestwert abgeschlossen. Und Mitte Januar hat ein von Audi gesponsertes Rennteam in der Elektroauto-Rennserie Forme E einen harten Tag in Marrakesch. Solche Themen bewegen Audi derzeit offiziell - auf der Pressemitteilungs-Website der Ingolstädter.

Vom Abgasskandal ist da gar nicht mehr die Rede. Der Grund: Audi-Chef Rupert Stadler will die leidige Abgasaffäre nach zweieinhalb Jahren hinter sich lassen, wie er erst Mitte Dezember erklärte. Ende des ersten Quartals 2018 soll Audi laut Stadler die sogenannte "Taskforce Diesel" auflösen. Das könnte sich nach den jüngsten Meldungen als frommer Wunsch erweisen: Denn die Abgasaffäre ist für Audi wohl noch immer nicht ausgestanden. Wie am Wochenende bekannt wurde, muss Audi in der Abgasaffäre 127.000 weitere Dieselmodelle in die Werkstätten zurückholen und umrüsten.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat bereits im Dezember für mehrere Baureihen mit V6-Dieselmotoren von Audi einen Zwangsrückruf verhängt. Der Hersteller sei darüber informiert worden, dass die Behörde in den Audi-Modellen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 mit der Abgasnorm 6 "unzulässige Abschaltvorrichtungen" festgestellt habe, erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet. Insgesamt seien in Deutschland 77.600 Fahrzeuge betroffen und weltweit 127.000 Fahrzeuge.

Mögliches Zulassungsverbot für frühere A8-Generation?

Dabei geht es nicht um Fahrzeuge, die bis Herbst 2015 produziert wurden - sondern um Fahrzeuge jüngsten Baudatums. Auch Audis Technik-Aushängeschild, die Limousine A8, bleibt offenbar im Visier der Behörden: Nach Angaben der "Bild am Sonntag" droht das KBA Audi für das A8-Modell, das bis Mitte 2017 produziert worden sei, mit einem Zulassungsverbot.

Die Ingolstädter haben eine etwas andere Lesart eines drohenden A8-Zulassungsverbots: Nach Darstellung von Audi handelt es sich hier um eine nachträgliche Anordnung zu einem Bescheid des Kraftfahrt-Bundesamtes, der Anfang November 2017 gemeldet worden sei und der einen Rückruf von 5000 Autos in Europa beinhalte.

Betroffen war das bisherige Flaggschiff von Audi, der A8 mit TDI-Achtzylinder-Motor und Euro-6-Zulassung. Er wurde von 2013 bis vergangenen August gebaut. Die neueste Generation des A8, die seit September 2017 verkauft wird, steht wohl nicht im Fokus der KBA-Drohungen. Doch auch ein Vorgehen gegen die bis vor kurzem verkaufte A8-Generation wäre höchst peinlich für die Marke, die mit Vorsprung durch Technik wirbt.

Die Vorwürfe des KBA für die Sechszylinder-Diesel mehrerer Baureihen haben es in sich: Nach Angaben der "Bild am Sonntag" beanstandet das KBA eine sogenannte Aufheizstrategie, die nur auf dem Prüfstand aktiv sei und im Straßenbetrieb abgeschaltet werde. Die schadstoffmindernde, schnelle Motoraufwärmfunktion springt bei diesen Fahrzeugen demnach nahezu nur im Prüfzyklus an. Im realen Verkehr unterbleibt diese Schadstoffminderung dagegen.

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