13.08.2018 
Tesla-Produktionschef geht zu Apples Autoprojekt

Neue Spekulationen über "Projekt Titan"

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Apple-Logo in einem Geschäft
REUTERS
Apple-Logo in einem Geschäft

Zuerst hieß es, er nehme nur eine längere Auszeit, wolle Kraft tanken und Zeit mit der Familie verbringen. Völlig unplausibel klang das nicht. Denn Doug Field hatte beim Elektroautohersteller Tesla einen ebenso verantwortungsvollen wie stressigen Job: Als oberster Verantwortlicher für die Fahrzeugentwicklung leitete er über ein Jahr lang auch die Produktion der Tesla-Autos, bevor Tesla-Chef Elon Musk ihm diese Verantwortung wieder entriss.

Anfang Juli gab Tesla dann bekannt, dass Doug Field den Elektroauto-Hersteller verlassen habe - nach knapp fünf Jahren in Diensten der Kalifornier. Nun kehrt Field zu seinem ehemaligen Arbeitgeber zurück: Wie Apple gegenüber mehreren Medien bestätigte, ist Field wieder für den IT-Riesen tätig.

Vor seiner Zeit bei Tesla hatte Field fünf Jahre lang für den kalifornischen Computerkonzern gearbeitet, dort das Produktdesign und später das Hardware-Engineering für Mac-Computer geleitet. Nun hat er Informationen des Fachblogs "Daring Fireball" zufolge eine neue Aufgabe bei Apple: Er soll an Apples "Projekt Titan" mitarbeiten.

Offiziell will sich Apple nicht zu Fields neuem Einsatzbereich äußern. Doch der Bericht des Fachblogs sorgt für gehöriges Aufsehen. Schließlich läuft unter dem Titanen-Decknamen Apples Autoprojekt, zu dem sich der Konzern bisher nur in Andeutungen äußert. Ursprünglich plante Apple die Produktion eigener Autos mit Selbstfahr-Technik an Bord, verhandelte dafür auch mit den deutschen Autoherstellern BMW und Daimler. Doch der Traum vom Apple-eigenen "iCar" ging im ersten Anlauf gehörig schief: Im Oktober 2016 kündigte Apple Berichten zufolge hunderten Project Titan-Mitarbeitern - und änderte den Fokus des Projekts: Statt den Bau eines eigenen Apple-Autos zu verfolgen, sollten sich die verbliebenen Mitarbeiter rein auf die Software für autonom fahrende Fahrzeuge konzentrieren.

Vor wenigen Monaten berichtete die New York Times ausführlich über die Schwierigkeiten des Project Titan-Teams - und enthüllte, dass die Selbstfahr-Software nun erstmal in extra adaptierten VW-Transportern eingesetzt werden soll. Allzu ambitioniert klangen die Pläne nicht: Apple wollte erstmal weniger als zwei Dutzend VW-Transporter mit seiner Selbstfahr-Technik aufrüsten, berichtete der Nachrichtendienst Bloomberg Ende Mai. Die Shuttle-Busse sollten ausschließlich dazu dienen, Apple-Mitarbeiter zwischen zwei Apple-Stätten im Silicon Valley hin und her zu fahren.

Allerdings hat Apple in Kalifornien auch mehr als 50 Roboterautos auf öffentlichen Straßen, wie aus den Daten der kalifornischen Verkehrsbehörde hervorgeht. Die umgebauten Fahrzeuge stammen von der Toyota-Marke Lexus, eine formale Kooperation zwischen Apple und Toyota besteht jedoch laut NYT nicht.

Konkurrent Waymo ordert zehntausende Fahrzeuge für Roboterauto-Flotte

Die Rückkehr des Produktionsprofis Field zu Apple weist jedoch darauf hin, dass Apple den Fokus seines Autoprojekts nochmals ändern könnte. Schließlich bringt Fields von Tesla viel Erfahrung bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen mit. Dieses Wissen und Fields Ruf ist sicherlich hilfreich bei der Suche nach möglichen Kooperationspartnern, die Apple speziell umgebaute oder gar nach Wünschen des IT-Riesen designte Autos liefern könnten.

Aktuell wird das Projekt Titan vom Apple-Veteranen Bob Mansfield geleitet, mit dem Fields auch schon in seiner Zeit bei Apple eng bei der Hardware für die Mac-Computer zusammengearbeitet hat. "Daring Fireball" deutet Fields erneutes Andocken als Zeichen, dass Apple nach wie vor Interesse an der Produktion eigener Apple-Autos hat.

Apples Konkurrent Google hat für seine Selbstfahr-Sparte Waymo ähnliche Erfahrungen wie Apple gemacht. Die Suche nach Partnern, die ein eigenes Modell nach Google-Spezifikationen produzieren sollten, floppte. Nun setzt Waymo auf eine weniger intensive Form der Kooperation: Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und nun auch Jaguar liefern dem IT-Riesen Fahrzeuge, die Google dann zu Roboterautos umbaut. Und dabei geizt Google nicht mit Zahlen: So soll FCA in den kommenden Jahren über 60.000 Chrysler Pacifica-Minivans an Waymo für den Aufbau einer Roboterauto-Flotte liefern. Bei Jaguar hat Waymo 20.000 iPae-Elektromodelle geordert.

Gut möglich, dass sich Apple für eine ähnliche Form der Zusammenarbeit mit einem Autohersteller entschließt - und dabei den Fahrzeugen innen seine Design-Handschrift verpasst. Beim Umbau der VW-Transporter zu Roboter-Shuttles will Apple neben den Computern und Sensoren auch Sitze und Cockpits austauschen.

Fest steht bislang aber nur eines: Mit der Rückkehr von Fields zu Apple gibt es zumindest ein klares Zeichen, dass Apple sein Autoprojekt noch nicht beerdigt hat.

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