22.01.2018  Versicherer verlangt Treuhänder für Autodaten

Allianz-Konzern legt sich mit Autoindustrie an

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 Datenraum Auto: Nichts was der Fahrer tut, bleibt dem Hersteller verborgen. Dieser Datenschatz ist nicht nur für Autobauer interessant
BMW
Datenraum Auto: Nichts was der Fahrer tut, bleibt dem Hersteller verborgen. Dieser Datenschatz ist nicht nur für Autobauer interessant

Im Kampf um die Autodaten wirft die Allianz nach Jahren des Gerangels den Autobauern den Fehdehandschuh vor die Füße. Bei diesem Zukunftsgeschäft will die Assekuranz nicht vom Wohlwollen von BMW, Daimler und Co abhängig sein. Sie verlangt jetzt einen unabhängigen Treuhänder für die Daten. Nicht nur Versicherer haben ein brennendes Interesse daran.

Vorbei die Zeiten, in denen Autos in erster Linie als Fortbewegungsmittel oder Statussymbol galten. Autos sind heute vor allem auch eines: Ein permanenter Lieferant riesiger Datenmengen - und das nicht erst seit Tesla die Vision vom autonomen Fahren vorantreibt und automobile Zukunft schreiben will.

Ob Verbrauch, Entfernung, Reifendruck, Lenkbewegung, Beschleunigung, Brems- oder Anschnallverhalten - permanent erfassen und speichern Hersteller Daten. Über eingebaute Navigationssysteme können sie auch detaillierte Bewegungsprofile erstellen. "Wir wissen genau, ob und wann unsere Fahrer das Gesetz brechen", verplapperte sich Ford-Top-Manager James Farley schon vor drei Jahren auf der Elektronikmesse CES. Um gleich nachzuschieben: "Wir geben aber diese Daten an niemanden weiter."

Diese Daten betrachten Autobauer als ihr Eigentum, hüten sie wie einen Schatz. Wer einmal bei einem Hersteller nachfragt, ob dieser fundierte Aussagen über Unfälle im Zusammenhang mit der Nutzung eines elektronischen Fahrassistenten auf Basis eben dieser Daten machen könne, stößt auf eine Mauer des Schweigens. Er könnte es, will es aber nicht. "Datenschutz", heißt dann in der Regel die abweisende Antwort.

An diesen Daten haben nicht nur die Hersteller, sondern auch Versicherer, Servicedienstleister und im Zweifelsfall ebenso der Fiskus oder Strafverfolger ein Interesse. Dabei gärt der Streit schon länger und dreht sich im Kern immer wieder um die Frage, wo die Daten gespeichert werden (z. B. im Auto oder auf Servern der Hersteller), wem sie gehören, wie sie verwendet (anonymisiert/pseudonymisiert) und wie lange sie gespeichert werden dürfen.

Dabei könnten sich schon die Bewegungsdaten eines Autos als Goldgrube erweisen: Für Parkplatz-App-Anbieter und Werkstattbetreiber ebenso wie für Gastronomie und Hotelgewerbe - könnten sie doch flugs dem Fahrer ihr Angebot ins Display schicken.

Versicherer wie Huk Coburg oder die Allianz kritisieren schon lange ein "Datenmonopol der Hersteller". Dass erfasste Daten künftig womöglich auf Servern von Autoherstellern liegen und nur über die Autobauer zugänglich sein sollen, passt weder der Assekuranz noch dem Technischen Überwachungsverein (TÜV). Fürchten sie doch, künftig stets auf das Wohlwollen von VW, BMW, Daimler und Co angewiesen zu sein.

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