26.02.2018  Bericht über Diesel-Verzicht bei FCA ab 2022

Ciao, Diesel? Warum Fiat diese Frage abbügelt

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Fiat Tipo: Mit Diesel unter der Motorhaube nicht gerade vorbildlich sauber
Fiat
Fiat Tipo: Mit Diesel unter der Motorhaube nicht gerade vorbildlich sauber

Es ist eine ungewohnt knappe Antwort, die Fiat Chrysler zu Berichten über einen baldigen Abschied vom Dieselmotor gibt. "Kein Kommentar" heißt es laut der Nachrichtenagentur dpa beim italienisch-amerikanischen Autokonzern zu einem Artikel der "Financial Times" (FT), demzufolge Fiat Chrysler den Diesel bis zum Jahr 2022 aus allen seinen Pkw verbannen will. Grund dafür seien laut FT sinkende Verkäufe bei Dieselmotoren im Zuge des Abgasskandals und steigende Kosten für die Abgasreinigung.

Nach Darstellung der FT werde Fiat Chrysler Automobiles (FCA) am 1. Juni einen entsprechenden Vierjahresplan vorstellen. Er soll das Aus für Dieselmotoren bei Pkws der Konzernmarken Fiat, Chrysler, Maserati, Alfa Romeo und Jeep enthalten, heißt es in der FT. Eine Hintertüre will sich FCA jedoch für die Selbstzünder noch offenhalten. Weiterhin mit Dieselmotoren angeboten werden sollen aber die Nutzfahrzeuge des FCA-Konzerns, zu denen neben Lieferwagen auch die schweren Pickup-Trucks der US-Marke Ram zählen.

Stimmen die FT-Informationen, reiht sich FCA zügig in das Lager der Diesel-Verweigerern ein. Der Autoriese Toyota hat Selbstzünder in Europa schon vor einigen Monaten aus dem Programm genommen. Auch Porsche bietet aktuell keine Dieselmotoren mehr an, wie manager-magazin.de vor kurzem berichtete. Die Zuffenhausener planen allerdings weiterhin eine Diesel-Variante für den neuen Cayenne. Der Zeitpunkt der Markteinführung steht aber nicht fest.

Fiat hat besonders in Italien ein Diesel-Problem

Eines unterscheidet FCA aber deutlich von den beiden anderen Diesel-Verweigeren: Toyota verkaufte EU-weit im vergangenen Jahr gerade mal 6 Prozent seiner Neuwagen mit Diesel-Motor an Bord, zeigt die Statistik des Autodaten-Spezialisten Jato Dynamics. Bei Porsche wurden EU-weit im ersten Halbjahr 2017 noch 35 Prozent aller Neuwagen mit Selbstzünder-Aggregat geordert. Bei FCA waren es jedoch 40,6 Prozent, zeigen die Jato-Daten - um ein wenig mehr als noch im Jahr zuvor.

Schuld daran ist Fiats Heimatland Italien: Dort lag der Diesel-Anteil an Neuwagen zuletzt bei 56 Prozent, während er europaweit um fünf Prozentpunkte auf 44 Prozent fiel. Laut FT entfällt mehr als die Hälfte von Fiat Chryslers Autoverkäufen in Europa auf Italien.

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Die Entscheidung, sich innerhalb weniger Jahre komplett vom Diesel zu verabschieden, könnte Fiat gerade in seinem Heimatland teuer zu stehen kommen. Bislang hat Italien noch keine klare Anti-Diesel-Position erkennen lassen, heißt es dazu von Jato Dynamics. Zudem ist Kraftstoff in Italien europaweit am drittteuersten. Diesel ist auch bei den Italienern steuerbegünstigt - das macht den Selbstzünder ökonomisch besonders attraktiv.

Diesel-Damoklesschwert in den USA

Eine Triebfeder für einen möglichen Ausstieg dürfte aber der vergleichsweise hohe Schadstoffausstoß von Fiat Chrysler-Dieselautos sein. Im aktuellen ADAC Ecotest von Dieselautos fallen etwa die Alfa-Romeo-Limousine Giulia und der Fiat Tipo mit vergleichsweise hohen Stickoxid-Werten auf. Zu den größten Diesel-Drecksschleudern auf den Straßen zählen sie zwar nicht - allerdings sind beide im oberen Drittel der größten Stickoxid-Sünder angesiedelt. Einzig der Alfa-SUV Stelvio befindet sich im Mittelfeld.

Das legt nahe, dass FCAs Abgasreinigungstechnik hinter der Konkurrenz zurückliegt. Die Vorwürfe, dass auch FCA Manipulationssoftware nutzte und bei Abgasen betrügt, wies Konzernchef Sergio Marchionne zwar vor einem Jahr entrüstet zurück. "Wer uns mit VW vergleicht, hat was geraucht", meinte er gewohnt blumig. Allerdings droht Fiat Chrysler in den USA eine milliardenschwere Strafe wegen Verstößen gegen das Luftreinhaltegesetz.

Bei der Automesse in Detroit im Januar bekräftigte Marchionne nochmals, dass sein Konzern seine Motoren nicht vorsätzlich manipuliert habe. Allerdings sagte er dort auch bei einer Pressekonferenz: "Wenn wir geschlampt haben, dann müssen wir eben dafür zahlen".

Zuletzt hieß es, dass das US-Justizministerium FCA in einem Brief einen Kompromiss angeboten habe: Fiat solle über 100.000 Autos zurückrufen und nachrüsten - und eine "substanzielle zivile Strafe" zahlen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg Anfang Februar. Die FCA-Aktie ging daraufhin auf Talfahrt.

Ein schneller Komplettausstieg aus dem Diesel könnte die US-Behörden wohl etwas gnädiger stimmen. Und es würde auch erklären, warum FCA gar nichts zum dem FT-Bericht sagen will. Und auf die in solchen Fällen übliche Floskel "Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht" verzichtet hat.

mit Material von dpa

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