06.12.2017  US-Richter zeigt maximale Härte beim Strafmaß

VW-Manager Schmidt zu sieben Jahren Haft verurteilt

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VW-Manager Oliver Schmidt: Sieben Jahre Haft und 400.000 Dollar Strafe
Volkswagen
VW-Manager Oliver Schmidt: Sieben Jahre Haft und 400.000 Dollar Strafe

2. Teil: "Auf der Toilette verhaftet und in Handschellen zu meiner Frau geführt"

Während Schmidt sein Urteil erwartet und seit Monaten unter dem Freiheitsentzug leidet, hat VW insgesamt den Abgas-Betrug in den USA weitgehend abgehakt. Auf Konzernebene haben die Wolfsburger ein Geständnis abgegeben und damit kriminelle Vergehen eingeräumt - einzelnen angeklagten Mitarbeitern wie Schmidt erleichtert das die Verteidigung nicht eben. VW hat bei zivil- und strafrechtlichen Vergleichen über 25 Milliarden Euro an Kosten verbucht und sich so von weiteren Ermittlungen freigekauft.

Seine Untersuchungshaft schildert der Angeklagte als Spießrutenlauf durch verschiedene US-Hochsicherheitsgefängnisse. Bei Gerichtsterminen wurde Schmidt in Gefängniskluft mit Handschellen und Fußfesseln vorgeführt. Auch seine Verhaftung am Airport hat den früher selbstbewusst auftretenden Ingenieur wohl schwer persönlich getroffen. "Auf der Toilette des Flughafens von Miami von acht Beamten verhaftet und in Handschellen zu meiner Frau geführt zu werden", beschreibt Schmidt als eines seiner bis dahin "erniedrigendsten Erlebnisse".

Ein wenig bergauf ging es für Schmidt zuletzt immerhin. Er sitzt nicht mehr mit Gewaltverbrechern in einer Zelle, hat seine Lesebrille wieder und bekommt nun auch die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport" in geschickt.

Ob man mit Schmidt einen Schlüsselspieler oder ein Bauernopfer zu fassen bekommen hat, bleibt ungewiss. Die Ermittler in den USA gehen von einer Verschwörung bis in oberste Kommandoebenen aus, dieses Format hat der bestenfalls der mittleren Führungsebene zuzuordnende Manager nicht.

Schmidt fühlt sich von VW "missbraucht"

Die Suche nach den verantwortlichen Managern ist damit jedoch noch lange nicht abgeschlossen, sie wird auch nach der Verurteilung Schmidts weitergehen. Das Problem der US-Fahnder ist jedoch, dass die restlichen Beschuldigten - darunter auch Schwergewichte wie etwa der frühere VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer - in Deutschland vermutet werden. Von dort dürfte den meisten von ihnen vorerst keine Auslieferung in die USA drohen. Reisen dürften für sie aber gefährlich bleiben.

Schmidt selbst blickt heute verbittert und enttäuscht auf VW. "Ich muss sagen, dass ich mich im Diesel-Skandal von meinem Unternehmen missbraucht fühle", heißt es im Brief an Richter Cox.

Sein Fehler sei vor allem gewesen, die Befehle von oben befolgt zu haben: "Ich hätte diese Anweisungen ignorieren sollen." Er sei immerhin einer der wenigen Mitarbeiter gewesen, die den Betrug im August 2015 vor den US-Behörden eingeräumt hätten.

Schmidts Appell schließt reumütig: "Ich möchte noch einmal bekräftigen, wie sehr es mir leidtut, US-Gesetze verletzt zu haben." Der Tag der Urteilsverkündung werde einer der härtesten seines Lebens sein.

Nach Verbüßung seiner Strafe darf Schmidt voraussichtlich nie wieder amerikanischen Boden betreten - auch das dürfte den USA-Fan hart treffen. Schmidt hat mehrere Jahre in den USA gelebt, seine aus Deutschland stammende Frau in Florida geheiratet. Mit ihr gemeinsam besitzt er mehrere kleinere Ferienwohnungen in den USA. Doch in den vergangenen Monaten haben sich die USA für ihn vom Traumland zum persönlichen Albtraum verwandelt.

mit Material von dpa

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