20.11.2012 
Autozulieferer

Patriarch Stronach lässt Magna in der Krise allein

Von Markus Gärtner
Frank Stronach: Der Magna-Gründer wechselt ins "Team Stronach für Österreich"
dapd
Frank Stronach: Der Magna-Gründer wechselt ins "Team Stronach für Österreich"

Frank Stronach hat den Autozulieferer Magna zu einem Weltmarktführer aufgebaut. Nun will der Gründer Österreichs Politik aufmischen. Kommt der Konzern auch ohne den Patriarchen zurecht?

Vancouver - Er hat es in der Wirtschaft ganz nach oben geschafft: In einer Garage in Kanada startete Frank Stronach 1957 jenen Autozulieferer, der bis heute nur von Bosch und Denso überholt werden konnte. Der gelernte Werkzeugmacher aus Österreich wanderte 1954 mit 200 Dollar und einem One-Way-Ticket aus.

Heute beschäftigt die von ihm gegründete Magna International 115.000 Menschen, davon 12.000 in Deutschland. Die Zufahrtsstraße zur Zentrale im kanadischen Aurora heißt "Stronach Boulevard." Die Anwohner nennen den Firmensitz mit einer Mischung aus Respekt und Humor einfach nur das "Castle".

Jetzt verlässt der Herr das Schloss endgültig. Zurück bleibt ein Konzern mit gemischten Perspektiven: Überraschend stark, aber mit Gegenwind und ohne den Gründer an Bord. Der Autozulieferer blickt selbstbewusst, aber an langer Leine in eine schwierige Zukunft. Die Automärkte in Europa stecken mitten in einer neuen Absatzkrise. Der weltgrößte Absatzmarkt China zeigt Schwächen. In Nordamerika, wo Magna im dritten Quartal von einer 15 Prozent höheren Pkw-Produktion profitieren konnte, belasten öffentliche Sparmaßnahmen und ein Dämpfer beim privaten Konsum den Ausblick für die Autobranche.

Wie geht es weiter nach Stronach, der als Tellerwäscher in einem kanadischen Krankenhaus begann und dank seiner Mehrheit an Stimmrechten bis vor zwei Jahren absolutistisch bei Magna regierte?: "Frank hat über viele Jahre hinweg enorm zur Kultur und zum Aufbau von Magna beigetragen und hat unsere Beschäftigten motiviert, daran wird sich nichts ändern", verspricht Magna-CEO Don Walker.

Stronach wagte schon vor 24 Jahren einen Ausflug in die Politik

Stronach hatte seinen Abschied vom Unternehmen vor zwei Jahren eingeleitet, als er die operative Führung abgab. In einem umstrittenen Deal verzichtete er auf seine Vorzugsrechte und wurde mit Aktien- und Barvergütungen im Volumen von zusammen einer Milliarde Dollar belohnt.

Jetzt tritt der 80-Jährige mit seiner eigenen Partei bei der kommenden Nationalratswahl in Österreich an und will nicht, dass sich das politische Engagement mit einer Funktion bei Magna überkreuzt. Stronach hatte schon vor 24 Jahren einen Ausflug in die Politik gewagt. Als Kandidat der Liberalen musste er jedoch in seinem Wahlkreis in Ontario eine bittere Niederlage gegen den konservativen Kontrahenten einstecken.

Stronach konnte die Wähler im Ahornland nicht "Magnatizen", wie der gezielte Ausbau von Macht und Einfluss in Stronachs Konzern umschrieben wird. Dass der Autozulieferer auch ohne Stronach gut Kurs halten kann, scheint zumindest die Mehrzahl der Analysten zu erwarten. Bei der Deutsche Bank wurde vor ein paar Tagen das Kursziel für die Magna-Aktie (aktuell 44 Dollar) von 49 auf 52 Dollar angehoben. Bei der Scotia Bank in Toronto setzten die Analysten das Kursziel um zwei Dollar auf 58 herauf.

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