12.09.2017  Newsblog zur IAA

Müller und Eigner-Clans ringen um VW-Zukunft

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BMW i Vision Dynamics: Tesla-Fighter mit 600 Kilometern Reichweite und markanter Frontpartie
DPA
BMW i Vision Dynamics: Tesla-Fighter mit 600 Kilometern Reichweite und markanter Frontpartie

Diese IAA wird zur Schicksalsmesse der deutschen Autoindustrie: Auf der Frankfurter Automesse IAA zeigen Volkswagen, BMW und Daimler, wie sie mit Abgasskandal, chinesischen Konkurrenten und technologischem Umbruch klarkommen. Gerade bei VW ist die Zukunftsstrategie durchaus umstritten.

18.30 Uhr: Ein kleines Zwischenfazit zur IAA 2017, nachdem die deutschen Konzerne Volkswagen, Daimler und BMW ihre Automobil-Konzepte für die nächsten Jahre präsentiert haben: Hier dreht sich vordergründig alles um die Elektroautos. Volkswagen, Daimler und BMW haben jetzt angekündigt, zwischen 2022 und 2030 sämtliche Modelle (auch) mit elektrischem Antrieb anzubieten. Mit wem man spricht - ob auf offener Bühne oder vertraulich beim Bier - die Topmanager geben sich völlig davon überzeugt, dass der baldige Vormarsch der E-Autos eine sichere Sache ist.

Dabei ist die Rede explizit von Batterie-Elektroautos, weniger von Wasserstoff (Ausnahme: der Mercedes GLC F-Cell) und synthetischen Kraftstoffen (Ausnahme: Audis Erdgasautos). Neue Superbatterien, ultraschnelle Ladesäulen - bei diesen Themen beginnen die Augen mancher Vorstände zu glänzen.

Und doch spielen die klassischen Autos nach wie vor eine bedeutende Rolle. Fahrzeuge wie der T-Roc von Volkswagen und BMWs neue X3-Generation müssen das Geld verdienen, damit die neuen, schillernden Wagen entwickelt und produziert werden. Kräftige SUVs sind auch auf dieser IAA allgegenwärtig, nur dass sie etwas abseits der Scheinwerfer anzutreffen sind. Stille Stars, die alle brauchen, aber nicht mehr so gern vorzeigen.

17.30 Uhr: Angesichts des großen Trubels um Elektroautos auf der IAA kommt diese Studie genau zum richtigen Zeitpunkt: Das Berliner Öko-Institut hat einen "Faktencheck Elektromobiliät" herausgebracht. Die Frage: Wie umweltfreundlich ist das Elektroauto wirklich? Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, dass die Stromer überhaupt einen Klimanutzen haben, von "Ökoschwindel" war sogar die Rede.

Laut dem in Sachen Klimabilanzen renommierten Öko-Institut sind die Batteriefahrzeuge allerdings auch in Deutschland mit seinen Kohlekraftwerken tatsächlich ein Fortschritt. "Elektrofahrzeuge sind deutlich energieeffizienter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und weisen auch beim heutigen Strommix bereits einen Klimavorteil auf", so die Autoren. "Dieser wird mit dem Fortschreiten der Energiewende weiter steigen."

Und auch wenn der Ökostrom-Anteil noch lange nicht ideal ist, begrüßen die Experten den aktuellen Trend zu Elektroautos: "Die Markteinführung von Elektrofahrzeugen an 100 Prozent erneuerbare Energien zu koppeln und daher auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, ist keine sinnvolle Strategie. Die Einführung benötigt Zeit."

16.30 Uhr: Gegenwind aus den eigenen Reihen für Volkswagen-Chef Matthias Müller auf der IAA: Die VW-Eigentümer Porsche und Piëch haben sich gegen den Verkauf von Unternehmensteilen zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. "Aktuell sehe ich keine Notwendigkeit, sich von Teilen des Konzerns zu trennen", sagte Wolfgang Porsche, Sprecher Familienclans Porsche und Piëch, dem "Spiegel" am Rande der Automesse. "Das steht derzeit nicht im Fokus. Das Thema ist im Aufsichtsrat auch noch nicht behandelt worden." Auch sein Cousin Hans Michel Piëch zeigte sich "mit der jetzigen Struktur zufrieden." Wenn es Vorschläge für Abspaltungen von Seiten der Konzernspitze gebe, "schauen wir uns das an".

Müller hatte dem "Wall Street Journal" in der vergangenen Woche gesagt, der Konzern treibe den geplanten Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmensbereichen aktiv voran. Die geplanten Verkäufe machten ein Volumen von bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes von Volkswagen aus.

Müller hat sich bei Elektroautos viel vorgenommen und braucht Geld für zusätzliche Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe. Unweit von Wolfgang Porsche entfernt, erläutern Top-Leute aus dem Konzern während der Premierennacht dagegen, warum manche Teile des Konzerns nicht wirklich unverzichtbar sind - beispielsweise die Truck-Sparte. Manche Einheit führe doch ein ziemliches Eigenleben, mitunter auf Kosten des Konzerns. Das Geld aus einem möglichen Verkauf könne gewinnbringend für die zahlreichen Zukunftsprojekte eingesetzt werden.

15.50 Uhr: Apropos Opel: Verunsicherung ob der neuen Eigentümer? Davon ist bei den Rüsselsheimern äußerlich wenig zu merken. Der Messestand ist durchaus üppig dimensioniert, sogar einen eigenen Opel-Shop gibt es. Als Messestar rücken die Rüsselsheimer ihren Kompakt-SUV Grandland X ins Scheinwerferlicht. Das Auto wurde gemeinsam mit dem PSA-Konzern entwickelt. Und als Stargast haben die Opelaner ihren neuen Boss geladen: PSA-Chef Carlos Tavares, der in einem Roundtable-Gespräch einem guten Dutzend Journalisten Rede und Antwort stand. Tavares hob da erstmal zu einer Lobeshymne auf die Opelaner an: Die seien "großartige Leute", sagte er. Doch allzu Konkretes zur Opel-Zukunft wollte der sonst so zahlenfixierte Tavares dann nicht an die Weltöffentlichkeit geben. Er sprach viel von der hohen Energie, die nun durch mehr Ehrlichkeit bei Opel freigesetzt werde. Das sei bei seinem Antritt bei PSA, als der Konzern massiv in der Krise steckte, ähnlich gewesen. Und dass es nun darum gehe, das Opel viel effizienter werden müsse. Da sei die Kreativität aller Opel-Mitarbeiter gefragt. "Weitermachen wie bisher ist keine Option", erklärte der gebürtige Portugiese.

Tavares ließ durchblicken, dass er wohl keinen Job-Kahlschlag bei Opel plant. Die früheren Eigentümer hätten bereits die Mitarbeiterzahl "dramatisch" reduziert, so Tavares - von 70.000 vor gut einem Jahrzehnt auf nunmehr 38.000. Doch auch das habe nicht geholfen, Opel nachhaltig profitabel zu machen. Es gebe noch viele andere Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz und Senkung der Kosten. Doch welche genau, wollte Tavares nicht verraten. Die soll Opel-Chef Lohscheller in den kommenden zwei Monaten erarbeiten.

Mal was robustes von Opel: Der Insignia Country Tourer für's Gelände
Opel
Mal was robustes von Opel: Der Insignia Country Tourer für's Gelände

15.25 Uhr: IAA, einmal ganz old school: Nach Limousine und Kombi des Insignia zeigt Opel auf der Messe den robusten Geländekombi Country Tourer als Weltpremiere. Zur Geländeoptik gehören unter anderem schwarze Schutzverkleidung, Dachreling und Unterfahrschutz. Die Preise starten bei 34.885 Euro. Serienmäßig an Bord sind unter anderem ein verstellbares Fahrwerk, ein Berganfahr-Assistent und eine Frontkamera, die Sicherheitsfeatures wie Kollisionswarner und Spurhalteassistent unterstützt. Der Kofferraum schluckt von 560 bis zu 1665 Liter. Der Country Tourer hat 25 Millimeter mehr Bodenfreiheit als der normale Kombi und lässt sich teilweise auch mit Allradantrieb ordern. Beim Spitzenmodell mit einem 191 kW/260 PS starkem Zweiliter-Turbobenziner ist er serienmäßig. Hier starten die Preise bei 44 230 Euro.

Für den Zweiliter-Diesel mit 125 kW/170 PS ist der Allradantrieb optional. Neues Diesel-Flaggschiff wird ein Zweiliter-Motor mit zwei hintereinander geschalteten Turboladern mit 154 kW/210 PS und einem Drehmoment von bis zu 480 Newtonmetern. Hier starten die Preise inklusive Allradantrieb bei 42.725 Euro.

14.30 Uhr: Im Herbst letzten Jahres hatte es Christian Borgward angekündigt: Die Geschichte des bekannten Autobauers in Deutschland werde fortgeschrieben, betonte der Enkel des vor 55 Jahren in die Insolvenz gerutschten Firmengründers Carl F.W. Borgward. Die ersten Borgward-Modelle sollen nun im vierten Quartal in Deutschland an die Kunden ausgeliefert werden, sagte Vorstandschef Ulrich Walker. Es handle sich um eine limitierte Edition des SUV BX7. Später dann sollen die Modelle BX7, BX5 und BX6 folgen, zunächst als Benziner. In China und anderen Ländern ist Borgward bereits vertreten. Seit Jahresbeginn habe das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro erzielt. Mittelfristig wolle Borgward schwarze Zahlen schreiben.

Borgward zählte zu den namhaftesten Autoherstellern Deutschlands und ging 1961 pleite. Im heutigen Daimler-Werk in Bremen-Sebaldsbrück rollten bis Anfang der 1960er Jahre jährlich bis zu 100.000 Fahrzeuge vom Band. Mit chinesischem Geld wurde die Marke wiederbelebt und sollte mit einem eigenen Montagewerk in Bremen quasi an ihren einstigen Hauptsitz zurückkehren.

14 Uhr: Warum sollte es BMW anders ergehen als dem schärfsten Wettbewerber Mercedes? Die Entwicklung neuer, in die Zukunft weisender Modelle verschlingt viel Geld. Zugleich werfen Elektroautos weniger Gewinnmarge ab als das aktuelle Modellangebot. Dennoch will auch BMW bei der Rendite nicht in ein tiefes Loch fallen. "Elektrofahrzeuge sind aktuell nicht so profitabel wie Verbrennerfahrzeuge. Aber das wird sich ändern", zeigte sich Vorstandschef Harald Krüger überzeugt. Ein neues Sparprogramm kündigte er dazu nicht an. "Wir werden bei der Technologie und bei den Kosten besser", versprach Krüger vielmehr. Ab 2020 dürften sich die Gewinnmargen von Elektroautos und BMW-Modellen mit Verbrennungsmotor deutlich annähern.

13.30 Uhr: Daimler will bekanntermaßen bei Mercedes-Benz einsparen - genau genommen vier Milliarden Euro. Die gute Nachricht: Arbeitsplätze will Daimler-Chef Dieter Zetsche dafür nicht abbauen: "Wir haben keine Pläne, deshalb Arbeitsplätze in Frage zu stellen", sagte Zetsche am Dienstag. Daimler hatte zuvor angekündigt, vier Milliarden einsparen zu wollen, um den erwarteten Renditerückgang beim steigenden Absatz von Elektroautos zu kompensieren. Jetzt soll es wie folgt funktionieren: Produktions- und Fixkosten senken, derzeit noch steigende Investitionen in Forschung und Entwicklung wieder zurückfahren.

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