12.09.2017  Newsblog zur IAA

Müller und Eigner-Clans ringen um VW-Zukunft

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BMW i Vision Dynamics: Tesla-Fighter mit 600 Kilometern Reichweite und markanter Frontpartie
DPA
BMW i Vision Dynamics: Tesla-Fighter mit 600 Kilometern Reichweite und markanter Frontpartie

2. Teil: Messe stimuliert: Anleger greifen bei Autoaktien zu

13 Uhr: Anlässlich der IAA in Frankfurt haben Anleger am Dienstag Appetit auf die Papiere der Autozulieferer bekommen. So verzeichneten die Aktien von Bertrandt , Dürr , Hella , Leoni , Norma und Rheinmetall zuletzt Kursgewinne von bis zu 4 Prozent.

"Leoni wird von den Megatrends Vernetzung, autonomes Fahren und E-Mobilität profitieren", schrieb Marc-Rene Tonn in einer Branchenstudie anlässlich der IAA. Bereits jetzt resultierten 4 Prozent der Aufträge des Bordnetzausrüsters aus der Elektrifizierung. Auch der Entwicklungs-Dienstleister Bertrandt sei gut für die zukünftigen Technologie und dürfte die Investitionen in Forschung und Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten ankurbeln. Daneben könnte Hella von Neuerungen in der automobilen Beleuchtung profitieren, schrieb der Analyst. Diese dürften über die auch an den Finanzmärkten hinlänglich bekannten Vorteile von LED-Leuchten noch weit hinausgehen, ist sich Tonn sicher. Als Beispiel führte er eine 360-Grad-Erfassung von Objekten an oder eine lichtbasierte Erkennung von Fußgängern.

Generell haben sich Automobil-Aktien zuletzt erholt. Der europäische Automobilsektor stieg seit Monatsbeginn um knapp 6 Prozent. Nach den Höchstkursen im Mai war es mit den Papieren der Branche überwiegend bergab gegangen. Vor allem der starke Anstieg des Euro hatte auf der Branche gelastet, verschlechterten sich damit doch die Exportchancen der europäischen Produzenten.

12.15 Uhr: Die schöne, neue, leisere und geteilte Mobilitätswelt von morgen: Das ist neben der Elektromobilität das zweite Lieblingsthema der Branche auf dieser IAA. Mercedes zeigt etwa mit seiner selbstfahrenden Smart-Studie, wie die Zukunft des Carsharings im Jahr 2030 aussehen könnte. Und auch bei VW ist das in zwei Studien durchdekliniert - mit deutlich mehr Platz und Komfort als im Roboter-Smart.

10.32 Uhr: Hier noch einmal zusammengefasst die wenigen veröffentlichten Eckdaten des BMW i-Vision Dynamics: 600 Kilometer Reichweite, Höchstgeschwindigkeit 200 Stundenkilometer, von Null auf Hundert geht es in vier Sekunden. Was unter anderem fehlt, ist eine Aussage zur möglichen Serienproduktion des Autos.

10.15 Uhr: Der Zugang zu dem neuen Tesla-Fighter BMW i-Vision Dynamics ist streng limitiert, anfassen verboten. Klar ist aber auf den ersten Blick: Hier versucht BMW, seine sportliche Tradition mit dem anbrechenden neuen Technik-Zeitalter in Einklang zu bringen. Die klassische Doppelniere vorn mutiert zu einem etwas bizarren und offenkundig zweckfreien Blaulicht-Band, das sich leicht von der Frontpartie abhebt. Wie ein Stempel, der bei einem Auffahrunfall dem Vordermann das BMW-Merkmal ins Heck eingraviert. Wird wohl kaum so kommen, denn immerhin befindet sich hinter der Niere laut BMW eine Sensorik, die sie zur "Intelligenzfläche" macht. Klingt etwas gewollt. Im Wagen verschwunden sind im Gegensatz zur Doppelniere die Türgriffe - Tesla lässt grüßen.

8.55 Uhr: Es ist der BMW i-Vision Dynamics, den das Publikum hier zu sehen bekommt. Angesiedelt zwischen i3 und i8, voll elektrisch, 600 Kilometer Reichweite. Auf jeden Fall soll er in Serie kommen. "So nachhaltig und so schön kann die Mobilität der BMW Group sein", findet Krüger.

BMW i Vision Dynamics: Rund 600 Kilometer kann das Modell mit einer Stromladung zurück legen
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BMW i Vision Dynamics: Rund 600 Kilometer kann das Modell mit einer Stromladung zurück legen

8.52 Uhr: Auch BMW zündet folgerichtig ein Elektroauto-Feuerwerk hier auf der IAA. Der neue, leicht überarbeitete i3 fährt vor, ebenso der elektrische Mini. Es fehlt aber noch der angekündigte Batterie-Kracher. Jetzt kommt er wohl gerade ...

8.45: Krüger erklärt die Elektromobilität erneut zur "obersten Priorität". Erst dahinter komme das Thema Digitalisierung. Bis 2025 will BMW 25 Elektroauto-Modelle auf die Straße bringen.

8.35: Dieses Mal hat Krüger auf einer Bank Platz genommen, neben dem Politikjournalisten Hajo Schumacher. Ein Interview also anstatt einer One-Man Show. Es geht gleich zu Anfang um den Diesel-Skandal und den Kartellvorwurf an die Autoindustrie. "BMW hat keine Defeat Device", sagt Krüger mit Blick auf die Motor-Manipulationen in der Branche. Gesetzeswidrige Absprachen kann er beim "Absprechen von Standards" auch nicht erkennen.

Dienstag, 8.30 Uhr: Guten Morgen aus Halle 11, wo gleich BMW-Chef Harald Krüger auf die Bühne tritt. Hoffentlich läuft seine Präsentation besser als vor zwei Jahren auf der IAA, als Krüger aufgrund von Kreislaufproblemen zu Boden stürzte.

21.15 Uhr: Kein Zweifel: Volkswagen sorgt mit der ehrgeizigen "Roadmap E" heute Abend für deutlich mehr Gesprächsstoff als Konkurrent Daimler, der sich auf die Präsentation von gerade einmal 2 Modellen (Smart und AMG) beschränkt. Für heute verabschieden wir uns aus Frankfurt und freuen uns, Sie morgen wieder mit Neuigkeiten von der IAA versorgen zu können!

21.00 Uhr: Gewinne sind in diesen Zeiten aber nicht alles, das zeigt sich auch auf dieser IAA. Vertreten sind auch zahlreiche chinesische Start-ups, die teilweise mit 100 Millionen Dollar Startkapital und mehr ausgestattet sind - und natürlich zunächst hohe Verluste machen werden. BMW-Dissident Carsten Breitfeld, der für die Future Mobility Corporation (FMC) arbeitet, sieht darin den Reiz des Neuen und eine gewaltige Chance. Die Tatsache, dass Manager von etablierten Konzernen diese dagegen wie Gewinnmaschinen führen müssen und entsprechende Anreize gesetzt bekämen, können VW und Co. noch zum, Verhängnis werden - wenn sie zu zaghaft auf Neues setzen. Matthias Müller hat heute jedenfalls klargemacht, dass er in diese Falle nicht tappen möchte.

20.55 Uhr: Gefragt nach möglichen Renditeeinbußen durch das Multimilliarden-Elektroautoprogramm, weicht Stadler aus. Unternehmensberater sehen einige Prozentpunkte bei der Marge wegen der hohen Investitionen in Gefahr. Man werde sicher nicht das Modell von Tesla anstreben, sagt Stadler lächelnd. Gemeint sind natürlich die notorischen Verluste der Kalifornier, die in riesige Fabriken investieren, aber erst knapp 100.000 Autos im Jahr verkaufen.

Audi A8 auf der IAA: Das Geschäftsmodell von Tesla werde man nicht anstreben, so Audi-Chef Rupert Stadler
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Audi A8 auf der IAA: Das Geschäftsmodell von Tesla werde man nicht anstreben, so Audi-Chef Rupert Stadler

20.30 Uhr: Traubenbildung in Messehalle 3: VW-Konzernchef Matthias Müller zieht Fernsehteams aus aller Welt an, nachdem er so vehement in die Elektro-Offensive gegangen ist. Etwas abseits dagegen Audi-Chef Rupert Stadler. Wie die anderen Marken-Chefs auch steht er heute klar im Schatten des Konzern-Vorstehers. Audi war zuletzt ein wenig aus seiner Rolle als Technik-Vorhut des Volkswagen-Konzern gefallen. Keine klare Innovations-Strategie, zu viel Dreck in der Diesel-Affäre am Stecken - darunter hat auch das Ansehen von Marken-Chef Rupert Stadler gelitten. Etwas pflichtschuldig, gleichwohl mit strahlendem Lächeln verteidigt er die Offensive seines Chef. "Das haben wir zusammen im Vorstand erarbeitet!"

Mercedes beschränkt sich auf zwei Autos - ein Winzling und ein PS-Monster

20.25 Uhr: Mittlerweile ist die Bühne mit den beiden Mercedes-Vorabendpremieren gut mit Journalisten gefüllt. Doch hier in Halle 2 der Frankfurter Messe bleibt eine gewisse Ratlosigkeit zurück. Während VW-Chef Matthias Müller eine Halle weiter konkrete und ambitionierte Ansagen machte, blieb Daimler-Chef Dieter Zetsche diesmal vage. Nun liegt auch sein Redemanuskript vor, und es hält erstaunlich wenige konkrete Ansagen. Kurz zusammengefasst kündigte Zetsche an

Ein bisschen stänkerte Zetsche noch gegen mögliche Verbote für Verbrennungsmotoren. Wer glaube, Mobilität werde durch das Verbot einer Antriebsform zu einem Stichtag nachhaltig, "springt entschieden zu kurz". Das wäre zudem ein "klimapolitisches Eigentor". Aber das war es dann auch schon mit überprüfbaren Zahlen. Einen Gutteil seiner Rede widmete Zetsche den Zukunftsvisionen seines Konzerns. Und einem Hypercar seines Haustuners AMG, das mit 1000 PS, 350 km/h Spitze und einer Beschleunigungszeit von unter 6 Sekunden auf 200 (!) km/h aufwarten soll. Da war Zetsche auf einer IAA schon mal mutiger - und handfester.

Mercedes-AMG Project One: PS-Monster mit 350 km
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Mercedes-AMG Project One: PS-Monster mit 350 km

20.10 Uhr: Aber auch für die traditionelle Gasfuß-Fraktion, die mit dem Elektro-Smart wohl nicht allzu viel anfangen kann, hat Zetsche etwas im Gepäck: Den Mercedes-AMG Project One, ersten reinrassigen Supersportwagen, den sich die Mercedes-Marke AMG zum 50. Bestehen gönnt. Mit Formel-1-Technik samt Hybrid-Elektropower für mehr Wumms. Damit das jeder versteht, wummern ganz tiefe Bässe über die Bühnenlautsprecher. Die Autojournalisten zücken ihre Smartphones, als der silberne Überrenner mit lautem Motorenheulen auf die Bühne fährt. Über 350 km/h schnell soll das Auto sein - und wohl weit über eine Million Euro kosten. "Echte Rennstreckenperformance für die Straße", wirbt Zetsche. Aber es sei nicht nur eine Hommage an die Motorsporttradition von Mercedes, schlägt Zetsche einen Bogen zurück zur E-Mobilität. Auch die Zukunft von AMG liege im Elektrischen.

Smart, Supersportler, Volokopter: Daimler-Chef Dieter Zetsche setzte auf wenig Modell mit breitem Leistungsspektrum
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Smart, Supersportler, Volokopter: Daimler-Chef Dieter Zetsche setzte auf wenig Modell mit breitem Leistungsspektrum

Nach etwas mehr als 30 Minuten ist Zetsches Präsentation am IAA-Vorabend auch schon zu Ende. Gerade mal zwei Fahrzeuge hat der Daimler-Chef auf die große Bühne fahren lassen. Doch die ganz große Erklärung der Auto-Zukunft liefert Zetsche damit nicht. Ein verbindendes Element des Elektro-Stadtwinzlings und des AMG-Straßenfegers gibt Zetsche aber seinen Zuhörern noch mit auf dem Weg. Mercedes zeige, dass die Kunden in Zukunft noch viel mehr Auswahl bei ihrer Mobilität haben werden. Aha. Ein paar offene Fragen lassen sich hoffentlich noch im persönlichen Gespräch mit den Vorständen klären - wir begeben uns mal ins Getümmel.

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