23.08.2017  Explosiver Dieselstreit

Autohändler steigen Volkswagen und Co. aufs Dach

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Explosive Stimmung: Die Weigerung der Autobauer, Diesel-Autos mit Hardware nachzurüsten, ist ein gefährlicher Stunt. Denn den Fahrzeugen droht angesichts des Stickoxidausstoßes auch mit einem Software-Update ein Fahrverbot in deutschen Städten
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Explosive Stimmung: Die Weigerung der Autobauer, Diesel-Autos mit Hardware nachzurüsten, ist ein gefährlicher Stunt. Denn den Fahrzeugen droht angesichts des Stickoxidausstoßes auch mit einem Software-Update ein Fahrverbot in deutschen Städten

Umweltministerin Hendricks will VW und Co. zu einer milliardenschweren Hardware-Nachrüstung von Millionen Dieselautos zwingen. Die Autobosse verweigern das strikt und kanzeln die Forderung als Wahlkampf-Getöse ab. Doch jetzt rebellieren ausgerechnet die Autohändler gegen die eigenen Konzerne.

Im Streit um den Stickoxidausstoß von Dieselautos wagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks den offenen Konflikt mit der deutschen Autoindustrie. Die Ministerin fordert Volkswagen, Daimler, BMW und Co zu weiterreichenden Nachrüstungen ihrer Dieselfahrzeuge auf. Die angekündigten Software-Updates reichten nicht aus. "Es wird eine Nachrüstung der Hardware, also eine Abgasreinigung geben müssen", sagte Hendricks. Bezahlen müsse dies die Autoindustrie.

Das dürften die Autobauer als klaren Bruch der Vereinbarung des Dieselgipfels von Anfang August bewerten. Hier hatten sie ein Software-Update für 5,3 Millionen Autos angekündigt und eben keinen Hardware-Umbau der von Fahrverboten bedrohten Selbstzünder zugesagt, wofür die Autobosse allerdings postwendend scharfe Kritik und Warnungen ernteten.

Der Grund für die Weigerung der Autoindustrie liegt auf der Hand: Ein Update der Software, das im besten Fall zu einem um 25 Prozent niedrigeren Stickoxidausstoß führt, kostet pro Fahrzeug zwischen 70 und 100 Euro. Die Umrüstung von Abgas- und Filteranlagen hingegen kann mit bis zu 2000 Euro je Auto ins Kontor schlagen - und damit die Rechnung für die deutschen Autobauer auf bis zu 10 Milliarden Euro katapultieren.

Dieses enorme Kostenrisiko für deutsche Autobauer scheint Hendricks im Gegensatz zu ihrem Ressortkollegen Verkehrsminister Alexander Dobrindt wenig zu beunruhigen: Fahrverbote seien weiterhin nicht vom Tisch, betonte die Ministerin. Lediglich Diesel mit der Euro 6D-Norm hätten eine sichere Zukunft.

Hendricks warnte die Autobauer vor diesem Hintergrund zugleich vor einem Abverkauf vermeintlich sauberer Diesel mit älteren Abgasnormen.

Autohändler gehen gegen Autobauer auf die Barrikade

Ab 1. Januar 2020 wird Euro 6d verbindlich für die Zulassung neuer Fahrzeugtypen. Ein Jahr später müssen alle Neuwagen die Grenzwerte auf dem Prüfstand und auf der Straße erfüllen. Euro 6d ist eine verschärfte Norm der seit Herbst 2014 gültigen Euro-6-Norm. Sie definierte erstmals Grenzwerte für die Partikel-Anzahl im Abgas und wurde ständig weiterentwickelt. Die Norm 6d misst über den Prüfstand hinaus das Abgasverhalten unter realistischen Bedingungen im Verkehr.

Schützenhilfe erfährt die Umweltministerin mit ihrer Forderung nach einer Hardware-Nachrüstung überraschenderweise von den deutschen Autohändlern. Auch ihnen sind die enormen Kostenunterschiede der zwei möglichen Lösungen offenbar völlig egal. Wie die Ministerin drängen sie die Autobauer zur kostspieligeren Hardware-Variante.

Das könnte damit zusammenhängen, dass die Autohändler an vorderster Front den Unmut und das Misstrauen der Kunden direkt zu spüren bekommen. Sei es, weil diese sich zum freiwilligen Software-Update ihres Dieselfahrzeugs in der angeschlossenen Werkstatt melden oder eben den Kauf eines Neuwagens erwägen. Ein Diesel ist da mittlerweile nicht mehr erste Wahl, wie Absatzzahlen und auch Umfragen zeigen.

Die Hersteller müssten ihrer Verantwortung als Verursacher der Dieselkrise gerecht werden und sich "schleunigst um die Entwicklung wirksamer Nachrüstlösungen kümmern", adressierte Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), unverblümt seine Forderung an Volkswagen, Daimler & Co.

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