23.08.2017  VW-Nobeltochter will halben Vorstand austauschen

Audi bleibt alter Garde bei Vorstands-Rochade treu

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Der Vertrag von Audi-Chef Rupert Stadler läuft bis 2022 - doch sein Aufsichtsrat wirbelt die Riege seiner Vorstandskollegen durch
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Der Vertrag von Audi-Chef Rupert Stadler läuft bis 2022 - doch sein Aufsichtsrat wirbelt die Riege seiner Vorstandskollegen durch

Im Vorstand des Autobauers Audi kommt Berichten zufolge das Personalkarussell in Fahrt. Für vier Vorstandsmitglieder, die der Aufsichtsrat unter Führung von VW-Konzernchef Matthias Müller dem Vernehmen nach ablösen will, sind jetzt vier Kandidaten für die Nachfolge im Gespräch.

Sprecher von VW und Audi sprachen von Spekulationen und lehnten jeden Kommentar ab. manager magazin hatte bereits Ende Juli von dem geplanten Vorstands-Ablösungen in Ingolstadt berichtet. Die nun genannten Vorstände, Ressorts und ihre geplanten Nachfolger bestätigen die Informationen von manager magazin.

So soll laut den jüngsten Berichten der langjährige Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek von Alexander Seitz abgelöst werden, der Beschaffungsvorstand bei VW do Brasil war. Das berichtete die "Automobilwoche". Der wegen des Verkaufseinbruchs in China in die Kritik geratene Vertriebschef Dietmar Voggenreiter müsse seinen Posten an den VW-Nutzfahrzeuge-Vertriebschef Bram Schot abgeben.

Der von Arbeitnehmerseite wegen angeblich fehlender Strategie kritisierte Produktionsvorstand Hubert Waltl müsse seinen Platz für Peter Kössler freimachen, bisher Leiter des Audi-Werks im ungarischen Györ, hatte zuvor der Ingolstädter "Donaukurier" berichtet. VW-Chef Müllers Vertrauer Wendelin Göbel, VW- Generalsekretär in Wolfsburg, soll auch nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR Nachfolger von Audi-Personalchef Thomas Sigi werden.

Nach einer Neubelebung des Vorstands oder gar frischen Impulsen sieht das nicht aus. Sämtliche genannten Nachfolge-Kandidaten arbeiten seit Jahren im Volkswagen-Konzern - und könnten deshalb auch noch in die anhaltenden Ermittlungen um Abgas-Manipulationen hineingezogen werden.

Rochaden sollen bis Mitte September über die Bühne sein

Bis zur IAA, der wichtigsten Automesse der Welt, sollen vier von sieben Audi-Vorständen ausgetauscht werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf mehrere mit der Situation vertraute Personen. "Es soll eigentlich bis Anfang September geklärt werden, bisher liegt aber noch kein Personalvorschlag vor", sagte einer der Insider.

Audi-Chef Rupert Stadler bleibe dagegen im Amt, solange sich die Vorwürfe gegen ihn wegen der Dieselaffäre nicht erhärteten. Seine Amtszeit hatte der Aufsichtsrat im Mai um fünf Jahre bis Ende 2022 verlängert. "Er hat weiterhin das Vertrauen der Familien Porsche und Piëch", sagte ein zweiter Insider. "Es müsste schon etwas Gravierendes aufkommen, damit sich daran etwas ändert: etwa ein Beleg dafür, dass er etwas von den Manipulationen gewusst hat."

Über Stadlers Zukunft wird seit Bekanntwerden des Abgasskandals vor knapp zwei Jahren spekuliert. Dem langjährigen Audi-Chef wird vorgeworfen, dass er bei der Aufarbeitung der Affäre keine gute Figur abgibt. Die Staatsanwaltschaft München, die bei Wirtschaftskriminalität nicht als zimperlich gilt, ließ Stadler bisher unbehelligt.

Zwar begannen die Strafverfolger ihr offizielles Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und strafbarer Werbung mit einem Paukenschlag: Sie durchsuchten im März just am Tag der Bilanzpressekonferenz die Audi-Zentrale in Ingolstadt und sorgten im Juli für die bisher einzige bekanntgewordene Verhaftung im Dieselkandal in Deutschland.

Stadler weiterhin nicht im Fokus der Staatsanwälte

Doch obwohl der verhaftete Audi-Ingenieur nach Angaben seiner Anwälte schwere Vorwürfe gegen die Chefetage des Autobauers erhob, hegt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben keinen strafrechtlichen Verdacht gegen Stadler und die übrigen Vorstände.

Insidern zufolge gibt es in München bisher nur eine Handvoll Beschuldigter aus dem unteren und mittleren Management. Die Ermittler seien der Ansicht, dass der Vorstand von seinen Untergebenen getäuscht worden sei. Allenfalls habe der Vorstand nicht gut genug aufgepasst, so die vorläufige Einschätzung der Strafverfolger. Der festgenommene Ingenieur bleibt dagegen in Untersuchungshaft.

Wann und wie der Aufsichtsrat die Personalien absegnen will, ob in einer außerordentlichen Sitzung oder schriftlich ohne Zusammenkunft, ist demnach noch offen. Mehrere Insider monieren als schlechten Stil, wenn sich die jeweiligen Kandidaten nicht persönlich beim Audi-Aufsichtsrat vorstellen und ihre Pläne für den krisengeschüttelten Konzern präsentieren.

Allerdings geben sie zu bedenken, dass wegen der zahlreichen öffentlichen Personalspekulationen Eile geboten sei. Veränderungen am bisher diskutierten Personaltableau seien indes noch vorstellbar. Unter den Eignern herrsche noch keine Einigkeit über die Nachfolger.

mit Material von dpa, Reuters

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