16.08.2017  Chefin von General Motors in der Zwickmühle

Warum Mary Barra fest zu Trump steht

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Moralische Herausforderung: Donald Trump, Mary Barra
AFP
Moralische Herausforderung: Donald Trump, Mary Barra

Die Präsidentschaft von Donald Trump wird für amerikanische Top-Manager zu einer immer größeren moralischen Herausforderung. Verstärkt springen Unternehmenslenker von ihren Postenals Trump-Berater ab - zuletzt, nachdem der Präsident den rechtsradikalen Terroranschlag von Charlottesville verharmloste.

Andere Top-Manager bleiben Trump dagegen treu. Besonders schwer tut sich die Chefin des größten US-Autobauers General Motors, Mary Barra, damit, das Staatsoberhaupt zu kritisieren. Wie kaum eine andere Führungskraft ist sie derzeit auf Trumps Wohlwollen angewiesen. Brüskiert sie den Präsidenten, wäre der Preis vergleichsweise hoch.

Denn derzeit brütet die US-Regierung über einem milliardenschweren Geschenk für die Autoindustrie. Diese soll nach dem Willen von Trump und seinem (Anti-) Umweltminister Scott Pruitt deutlich mehr Klimagift CO2 in die Luft blasen dürfen als von der Obama-Regierung vorgesehen.

Die Aussicht, die Umwelt stärker verschmutzen zu dürfen, elektrisiert Barra und die GM-Aktionäre. Zumal derzeit spritschluckende Autos in den USA im Trend liegen, weil Sprit billig ist. Emissionsarme Modelle und Elektroautos, mit denen die Konzerne die Obama-Quoten erreichen könnten, verkaufen sich dagegen schlechter als vor einigen Jahren erwartet. Auch andere Autohersteller pochen in Washington auf lockerere Regeln.

Elon Musk entschied sich anders

Es gebe "keinen Wechsel" bei Barras Status als Trump-Beraterin, ließ GM folgerichtig am Dienstag wissen. Barra hatte zuvor bereits erklärt, sie wolle am Tisch mit Trump "wichtigen Input" für die Diskussion um Abgasgrenzwerte liefern.

"Für Barra ist es eine besonders unangenehme Lage", sagte Krisenkommunikations-Experte Dan Hill einem Bericht des "Wall Street Journal"zu Folge. Die GM-Chefin müsse genau abwägen ob sie Trump verärgern will oder nicht. Die Situation kommt einer Zwickmühle nahe: Wie Barra sich auch entscheidet - sie steht entweder im Feuer der Öffentlichkeit oder ihrer Aktionäre.

Leichter hatte es beispielsweise Tesla-Chef Elon Musk, der schon vor Monaten aus einem Trump-Gremium zurücktrat. Zu dem Zeitpunkt hatte der Präsident gerade den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verkündet. Musk hält als Elektroauto-Vorreiter naturgemäß nichts von laschen Abgasgrenzwerten für Benziner und würde die Regeln am liebsten deutlich verschärfen.

In den vergangenen Tagen hatten bereits der Chef des US-Pharmakonzerns Merck, Kenneth Frazier, sowie die Vorsitzenden des Softwareriesen Intel (Brian Krzanich) und des Sportartikelherstellers Under Armour (Kevin Plank) ihre Beraterposten aufgegeben. Auch Gewerkschaftspräsident Richard Trumka stieg aus Trumps Industrierat aus.

Für GM-Konkurrenten Ford saß zuletzt Ex-Chef Mark Fields in Trumps Gremium. Mit seinem Ausscheiden bei dem Unternehmen im May trat er auch als Berater des Präsidenten zurück. Da das Gremium seither nicht getagt hat, ist unklar, ob Ford aktuell vertreten ist.

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