21.08.2017  Chinesischer SUV-Bauer an Fiat Chrysler interessiert

Great Wall will FCA-Trophäe Jeep einsammeln

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Great-Wall-Chefin Wang Fengying in Bulgarien: Der chinesische SUV-Spezialist hat besonderes Interesse an FCAs Geländewagenmarke Jeep
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Great-Wall-Chefin Wang Fengying in Bulgarien: Der chinesische SUV-Spezialist hat besonderes Interesse an FCAs Geländewagenmarke Jeep

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne hat eine spannende Woche hinter sich gebracht. Seit Tagen gibt es Gerüchte, dass sich Autohersteller aus China ernsthaft für Fiat Chrysler Automobiles interessieren. Die Berichte erweisen sich nun als stichhaltig. Denn chinesische Autobauer Great Wall Motor zieht hochoffiziell ein Kaufangebot für Fiat Chrysler Automobilies (FCA) in Betracht.

Besonderes Interesse hat der SUV-Spezialist Great Wall laut mehreren Berichten offenbar an der passenden Marke im FCA-Reich, der Geländewagen-Marke Jeep. "Ja, wir sind interessiert", sagte Zhao Lijia, Sprecher der SUV-Sparte Haval von Great Wall, zur Frage nach einer Übernahme von Jeep. "Wir erwägen gegenwärtig einen Kauf." Details könne er aber noch nicht nennen.

Zuvor berichtete der Fachdienst "Automotive News" unter Verweis auf eine E-Mail von Great-Wall-Chef Wang Fengying, die Chinesen seien vor allem an der Geländewagenmarke Jeep interessiert. "Unser strategisches Ziel ist es, der weltweit größte SUV-Hersteller zu werden. Mit dem Kauf der globalen SUV-Marke Jeep würden wir das schneller erreichen", zitierte Automotive News einen Sprecher von Great Wall.

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) teilte indes mit, man sei von Great Wall Motors in dieser Sache nicht kontaktiert worden. Zu dem Konzern gehören Marken wie Jeep, Alfa Romeo, Fiat und Chrysler. Zuletzt hatte der Hersteller signalisiert, dass er offen für strategische Optionen sei.

Angesichts der Spannungen in der Handelspolitik zwischen der US-Regierung und China könnte ein Käufer aus der Volksrepublik nach Einschätzung von Experten aber auf Widerstand in den USA stoßen.

Nachricht sorgt für erneuten Kurssprung bei Fiat

Fiat Chrysler-Aktien legten am Vormittag um fast 4 Prozent zu, Papiere von Great Wall stiegen um 1,7 Prozent. Zuvor hatten die Fiat-Chrysler-Titel bereits von Medienberichten profitiert, wonach chinesische Autobauer Teile des Unternehmens ins Visier genommen hätten.

Der achtgrößte Autobauer der Welt ist schon länger auf der Suche nach einem Partner oder Käufer, um bei der teuren Entwicklung neuer Technologien wie selbstfahrenden Autos oder Elektroautos mithalten zu können.

Volkswagen und General Motors hatten öffentliches Fusionswerben von Fiat-Chef Sergio Marchionne in der Vergangenheit zurückgewiesen. Dieser hat den FCA-Investoren eine neue Strategie für Anfang 2018 in Aussicht gestellt. Mit Google hat FCA gerade mal eine technische Partnerschaft eingetütet, von einer Übernahme wollte der IT-Riese wohl nichts wissen.

Marchionne war bisher gegen eine Abspaltung des profitableren US-Geschäfts einschließlich der Marken Jeep und Ram vom renditeschwächeren italienischen Volumenhersteller Fiat. Gerüchte, chinesische Hersteller könnten den mit über 16 Milliarden Euro bewerteten Konzern ganz oder teilweise übernehmen, machen schon länger die Runde. Doch worauf bieten die Chinesen überhaupt?

In den vergangenen acht Jahren hat FCA unter Marchionnes Führung viele und teils bemerkenswerte Verwandlungen durchgemacht. Im Jahr 2009 sicherte sich Fiat die Mehrheit am damals insolventen drittgrößten US-Autohersteller Chrysler, seit 2014 gehört Chrysler den Italienern komplett. In der Zeit dazwischen hat Fiat sein Industriegeschäft mit Lastwagen, Land- und Baumaschinen und den dafür benötigten Getrieben und Motoren abgespalten - Fiat Industrial ist seit Januar 2011 als eigenständiger Konzern an der Börse notiert.

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