10.08.2017  Skoda stoppt Budget Car-Kooperation mit Tata Motors

VW beerdigt Billigauto-Projekt in Indien

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Es sollte weniger als 5000 Dollar kosten und dem Volkswagen-Konzern endlich den Weg zu den weniger vermögenden Autokäufern in Südostasien ebnen: Gemeinsam mit dem indischen Autohersteller Tata Motors sollte die VW-Konzernmarke Skoda bis 2019 ein so genanntes "Billigauto" für den indischen Markt entwickeln. Erst im März dieses Jahres verbündete sich VW dazu offiziell mit dem indischen Konzern, der unter anderem den Billigwagen Nano zum Neupreis von rund 3000 Dollar im Programm hat. Über die Kooperationsabsichten hatte manager magazin bereits im Juli 2016 berichtet.

Doch nach nicht einmal einem halben Jahr lösen Skoda und die Inder die zarten Kooperationsbande und beerdigen das Billigauto-Projekt für den indischen Markt.

Wie Skoda heute in einer dürren Mitteilung verlautbarte, beendet die tschechische VW-Tochter und Tata Motors die "konkreten Verhandlungen zu einer strategischen Partnerschaft". Anders gesagt: Aus der geplanten Billigauto-Kooperation wird nichts.

Zur Begründung offeriert Skoda ein paar hübsch gedrechselte Sätze. Laut der Mitteilung seien beiden Unternehmen zu dem Schluss gekommen, dass "zum jetzigen Zeitpunkt" weder die technischen als auch die wirtschaftlichen Synergien "im gemeinsam gewünschten Umfang realisiert werden können".

Strengere indische Abgasnormen als Sargnagel

Informationen von manager-magazin.de zufolge erwies sich die Tata-Plattform für das gemeinsam geplante Billigauto als zu teuer. Der Hauptgrund dafür liegt laut VW-internen Quellen bei den zuletzt deutlich verschärften indischen Abgasnormen. Seit April dieses Jahres gilt in Indien für Pkw-Neuwagen die Abgasnorm Bharat Stage IV, das Äquivalent zur Euro 4-Norm. Euro 5 wollen die Inder komplett überspringen und Anfang des kommenden Jahrzehnts gleich zu Euro 6 übergehen. Als Einführungszeitpunkt für Bharat Stage VI, also der Euro 6-Norm, ist derzeit April 2020 in der Diskussion.

VWs Billigauto-Projekt war aber den Quellen zufolge auf einer günstigen Tata-Plattform geplant, die sich nur mit erheblichem finanziellen Aufwand auf strengere Abgasnormen umrüsten ließe. Dadurch wäre das Fahrzeug deutlich teurer geworden als der anvisierte Einstiegspreis.

Von einem Ende der Kooperation wollen Skoda und Tata aber nicht sprechen. Laut der Pressemitteilung schließen beide Unternehmen "die Möglichkeit für zukünftige Kooperationen" ausdrücklich nicht aus.

Klar ist aber: Das bereits für 2019 geplante Billigauto für Indien wird es nicht geben. Die Billigauto-Pläne des VW-Konzerns, die dieser bereits seit gut 8 Jahren hegt, sind damit nicht global beerdigt. Denn in China arbeitet VW gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Anhui Jianghuai Automobile (JAC) ebenfalls an einem Auto für das so genannte "Entry Segment" mit Elektroantrieb. Im April erklärte VW, dass dieses besonders günstige Elektroauto bereits im Jahr 2018 in China starten soll.

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