28.07.2017  Vorstellung des Solar-Elektroautos Sion

Ein Weltverbesserer-Auto als Warnschuss für die Autoriesen

Aus München berichtet

Schwarzes Jackett, weißes Hemd, große Handgesten, geschliffener Vortrag: Den Habitus des Weltverbesserers hat Laurin Hahn schon ziemlich gut drauf. Selbstbewusst steht der 23-jährige am Donnerstagabend auf einer schwarz ausgekleideten Bühne, die oberhalb in einem weißen Kreis das Logo seines Unternehmens Sono Motors zeigt: Ein schwarzer Kreis auf weißem Hintergrund mit einem schwarzen Punkt in der Mitte. Das schlichte, elegante Logo könnte die Erde samt Ozonschicht darstellen oder einen einpoligen Stecker, auf jeden Fall ist es eine ideale Projektionsfläche - und das buchstäblich.

Denn während Hahn über eine Zukunft spricht, in der Ressourcen nicht verschwendet werden, tauchen in dem weißen Kreis Zahlen auf, die seinen Vortrag untermauern. Etwa, dass 61 Prozent der gesamten Erdölnutzung weltweit für den Transport aufgewendet werden. Hahn hat aber nicht nur aufsehenerregende Zahlen, sondern auch eine mögliche Lösung in die Hallen des Münchner Technikzentrums, dem Sitz von Sono Motors, mitgebracht.

Sie steht auf vier Rädern, ist mit 7,5 Quadratmetern Solarzellen überzogen und hört auf den Namen Sion. Es ist das ungewöhnlichste Elektroauto-Projekt, das es derzeit in Deutschland gibt - und wohl auch eines der gewagtesten.

Denn Hahn und seine beiden Sono-Motors-Mitgründer Jona Christians und Navina Pernsteiner, alle drei deutlich unter 30 Jahre alt, machen so ziemlich alles anders als die großen deutschen Autohersteller. Dennoch wollen sich die jungen Gründer im Eiltempo mit VW, Daimler und all den anderen messen - in einem Segment, das bald ziemlich umkämpft sein dürfte: Jenem der vergleichsweise günstigen Elektroautos, die mit einer Akkuladung über 200 Kilometer weit kommen.

Nur 16.000 Euro für ein Elektroauto - und 4000 Euro für die Batterie

Sono Motors, die aktuell zweitjüngste deutsche Automobilmarke, wurde erst 2016 gegründet. Nun gibt es bereits erste Prototypen des viersitzigen Elektroautos, das 16.000 Euro kosten und mit einer Batterieladung 250 Kilometer weit fahren soll. Die Batterie dazu lässt sich mieten - oder für rund 4000 Euro kaufen. Im kommenden Jahr will Sono Motors die ersten Crashtests durchführen, ab dem zweiten oder dritten Quartal 2019 soll der Wagen dann erstmals ausgeliefert werden.

Und das Dreierteam von Sono Motors hat - wie es sich für echte Startups gehört - auch eine hübsche Garagen-Gründerstory mitgebracht: Hahn und sein Jugendfreund Christians hatten noch nicht mal Abitur, als sie sich Gedanken über nachhaltige Mobilität und schwindende Öl-Ressourcen machten. Doch es blieb nicht nur beim Denken. "Weil wir diese Verschwendung nicht mehr annehmen wollten, nahmen wir das selbst in die Hand", beschrieb es Hahn. Die beiden Freunde begaben sich in die nicht besonders große Garage von Jona Christians Eltern, schraubten den Motor eines Kleinwagens raus und wollten ihn durch Batterien ersetzen.

Das nötige Knowhow dafür holten sie sich durch Anleitungen auf Youtube und im Internet. Mitgründerin Navina Pernsteiner stieß dazu, weil sie etwas später mit Hahn und Christians eine WG teilte und ihr die beiden von ihrem Projekt erzählten. Pernsteiner wiederum hatte die Idee, die Weltöffentlichkeit zu fragen, ob sie ein solches Auto überhaupt haben wollten. Und das taten die drei in einer ungewöhnlichen Form: Sie beschrieben ihr Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo und sammelten für den Bau eines Prototypen innerhalb eines Jahres 700.000 Euro von Kleinstinvestoren ein.

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