21.07.2017  Neue Impulse gefragt

Warum Elektromobilität in Deutschland nicht funktioniert

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Autovermieter in Deutschland könnten eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Elektroautos einnehmen. Sie tun es aber nicht. Elektroautos bleiben in ihrem Fuhrpark die seltene Ausnahme
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Autovermieter in Deutschland könnten eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Elektroautos einnehmen. Sie tun es aber nicht. Elektroautos bleiben in ihrem Fuhrpark die seltene Ausnahme

Zu geringe Reichweite, zu wenig Ladesäulen, zu teuer - es gibt viele Gründe, warum Deutsche kaum Elektroautos kaufen. Eine Studie nennt einen wichtigen weiteren Grund - und kennt den überraschenden Vorreiter in Sachen Elektromobiltät.

In Sachen Elektromobilität weist Norwegen dem Rest Europas den Weg. Nirgendwo fahren mehr E-Autos auf den Straßen, werden mehr Wagen mit Elektro- und Hybridantrieb zugelassen als im Königreich. Auch Deutschland hatte sich hier viel vorgenommen. Doch das einst von Bundeskanzlerin Angela Merkel definierte Ziel, in dieser Republik bis 2020 mindestens 1 Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, hat die Regierung längst einkassiert.

Der Funke will einfach nicht überspringen. Der mit Steuergeld finanzierte milliardenschwere Topf für Kaufprämien leert sich kaum. Zu wenig Reichweite, mangelhafte Ladeinfrastruktur, geringe Modellauswahl, zu teuer trotz Kaufprämie - Experten nennen viele Gründe dafür, dass Elektromobilität in Deutschland noch ein Nischendasein führt.

Doch es gibt einen weiteren, bislang wenig beachteten Grund. Wer sich trotz aller Unwägbarkeiten vor dem Kauf mit dieser neuen Antriebsform vertraut machen, die wenigen Modelle ausprobieren oder einfach mal ein Wochenende das Dahinsurren auf der Straße mit einem gemieteten Elektroauto erfahren möchte - ja, der sieht sich gleich neuen Problemen ausgesetzt.

Sixt & Co bestellen erschreckend wenig Elektroautos

1,787 Millionen neue Pkw wurden im ersten Halbjahr in Deutschland zugelassen. Auf die Autovermieter entfielen dabei immerhin 11 Prozent oder rund 202.000 Neuwagen. Elektroautos finden sich allerdings kaum darunter. Genauer gesagt: Auf 1000 Neuzulassungen der Autovermieter kommen gerade mal 3 Elektroautos, zeigt eine neue Studie des Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen.

Die EV-Quote, die im Kern rein Batterie-elektrisch betriebene Autos und Plugin-Hybride erfasst, lag damit bei Vermietern wie Sixt im Schnitt bei gerade mal bei 0,3 Prozent und hat sich gegenüber 2016 (0,2 Prozent) kaum erhöht. CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer nennt das Ergebnis schlicht "enttäuschend". Selbst Privatpersonen (1,07 Prozent), Autobauer und Handel (1,08) und Unternehmen (1,59) haben im ersten Halbjahr mehr Elektroautos neu zugelassen.

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