18.07.2017  Riesen-Rückruf bei Mercedes nach Abgastrickser-Vorwürfen

Daimler holt drei Millionen Dieselautos in die Werkstatt

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Dirty Diesel, auch bei Mercedes: Die Stuttgarter rufen "nahezu alle" Euro 5- und Euro 6-Diesel in Europa zurück
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Dirty Diesel, auch bei Mercedes: Die Stuttgarter rufen "nahezu alle" Euro 5- und Euro 6-Diesel in Europa zurück

Riesen-Rückruf beim Autohersteller Daimler: Die Stuttgarter rufen drei Millionen Diesel-Fahrzeuge in die Werkstatt. Das gab der Autohersteller heute in einer Mitteilung mit dem unverfänglichen Titel "Daimler-Vorstand beschließt umfassenden Zukunftsplan für Diesel-Antriebe" bekannt.

Der Autohersteller ruft so freiwillig "nahezu alle" in Europa verkauften Diesel-Fahrzeuge der Kernmarke Mercedes-Benz zurück, die die Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 erfüllen. Die Maßnahme kostet Daimler nach Eigenangaben 220 Millionen Euro und wird in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Zulassungsbehörden durchgeführt.

Kunden entstehen durch den Rückruf keine Kosten, betont Daimler. Bereits in den nächsten Wochen soll der Rückruf beginnen.

Zweck des Rückrufes ist es, das Emissionsverhalten "weiterer Baureihen wirkungsvoll zu verbessern", schreibt Daimler. Antrieb für den Rückruf sei die öffentliche Debatte um den Diesel gewesen, heißt es in der Mitteilung. Daimler habe sich deshalb "für weitere Maßnahmen entschieden, um den Dieselfahrern wieder Sicherheit zu geben und um das Vertrauen in die Antriebstechnologie zu stärken", ließ sich Daimler-Chef Dieter Zetsche in der Mitteilung zitieren.

Stickoxid-Ausstoß soll durch Rückruf verringert werden

Seit März biete Daimler bereits Fahrern von Mercedes-Kompaktwagen, also der A und B-Klasse, für eine Motorvariante kostenlose Reparaturen an. Auch für Käufer von Mercedes-Vans der V-Klasse gebe es für Dieselmotoren solche freiwilligen Servicemaßnahmen. Sie sollen eine Verbesserung des Stickoxide-Ausstoßes bewirken.

Diese hat Daimler nun auf weitere Modelle ausgeweitet. Für die Motorverbesserung nutzen die Daimler-Ingenieure unter anderem aktuelle Erkenntnisse aus der Entwicklung der neuen Dieselmotorenfamilie, heißt es in dem Schreiben. Ob die Dieselmotoren nun per Software-Update oder durch neue Bauteile weniger Stickoxide ausstoßen sollen, lässt Daimler jedoch offen.

Erst vor wenigen Tagen berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR, dass bei einer Million Fahrzeuge von Daimler Motoren eingebaut seien, bei denen Abgasmessungen manipuliert wurden. Angesichts der Vorwürfe hatte das Bundesverkehrsministerium Daimler kurzfristig zur Berichterstattung geladen. Ermittler verdächtigen Daimler laut den Berichten, fast ein Jahrzehnt lang Fahrzeuge mit zu hohem Schadstoffausstoß verkauft zu haben.

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