18.07.2017  China schafft Ausnahmeregeln für Lamborghini & Co. ab

Luxusautomarken haben in China plötzlich Abgas-Probleme

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McLaren-Sportwagen 720S: Wegen Abgas-"Ausdauertests" erfolgt der Marktstart in China ein paar Monate später
McLaren
McLaren-Sportwagen 720S: Wegen Abgas-"Ausdauertests" erfolgt der Marktstart in China ein paar Monate später

In China herrscht, man kann es kaum anders sagen, aktuell dicke Luft für Hersteller sündteurer Supersportwagen. Während Hersteller von Luxus-Ledertaschen, edlen Weinen oder nobler Uhren kaum genug ihrer Waren liefern können, stehen Marken wie Lamborghini, Aston Martin oder McLaren vor einer unerwarteten Hürde: Sie können ihre Straßenboliden derzeit nicht nach China exportieren und an Kunden ausliefern, berichtet die "Financial Times"(FT).

Schuld daran ist eine kleine, bislang kaum beachtete Regeländerung der chinesischen Behörden. Bisher waren so genannte "Kleinserienhersteller" ausgenommen von einer chinesischen Umweltregelung. Laut dieser muss überprüft werden, ob Automotoren auch nach 160.000 Kilometern Fahrt noch die Emissionsgrenzen einhalten.

Für die Hersteller von Supersportwagen, die üblicherweise gerade mal 5000 Kilometer pro Jahr bewegt werden, galt diese Regel bislang nicht. Doch das hat sich im März geändert, als die chinesische Regierung neue Luftreinhaltegesetze einführte. Seither müssen auch Lamborghini, McLaren und Co. diesen Nachweis erbringen. Und das stellt die Marken offenbar vor große Probleme.

Laut dem FT-Bericht konnten einige Marken etwa die vorbestellten Autos für das zweite und dritte Quartal nicht nach China verschiffen. Das kulminierte nun in einem Brief des britischen Botschafters an die chinesische Regierung. "Ohne eine Ausnahmereglung können die Supersportwagenhersteller derzeit den chinesischen Markt nicht bedienen und vorbestellte Fahrzeuge nicht an Kunden ausliefern", schrieb die britische Botschafterin laut der FT. Auch ein hochrangiger McLaren-Manager soll bereits nach China gereist sein, um dort chinesische Beamte zu treffen.

Bestehen der "Ausdauertests" für Motoren dauert ein paar Monate

Zwar sind die vor März 2017 bereits vorgestellten Fahrzeuge von den "Ausdauertests" ausgenommen. Allerdings müssen sämtliche seit März ausgelieferten Supersportwagen den Test bestehen, bevor sie ausgeliefert werden. Laut FT könnte es bis zu sechs Monaten dauern, bis neue Modelle regelkonform sind. McLaren rechnet bereits damit, dass sein neues Modell 720S in China erst "ein paar Monate" später als in anderen Märkten verkauft wird.

Aston Martin arbeitet laut FT bereits an einem Compliance-Programm für neue Modelle. Die Volkswagen-Konzernedelmarke Lamborghini erklärte, dass man die neuen Regeln "kenne" und sie einzuhalten gedenke.

Supersportwagen-Quiz

Die Hintergründe für die plötzliche Aufhebung der Regel-Ausnahme sind Beobachtern noch unklar. Manche vermuten, dass sie mit dem Vorgehen der chinesischen Regierung gegen "Geltungskonsum" zu tun haben könnte. Vor fünf Jahren hat Chinas Präsident Xi Jinping im Rahmen von Antikorruptionsmaßnahmen eine Kampagne gegen allzu große öffentliche Zurschaustellung von Reichtum gestartet.

Im Dezember 2016 führte China eine zusätzliche zehnprozentige Steuer auf Autos ein, die mehr als 1,3 Millionen Renmimbi (rund 167.000 Euro) kosten. Sie war Teil der Maßnahmen, mit denen die chinesische Regierung "vernünftigen Konsum" steuern will.

Auf Nachfragen der FT antwortete Chinas Umweltschutzbehörde nicht - somit bleibt unklar, ob die Änderung der Umweltschutzregeln für Supersportwagen Teil der Kampagne sind.

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