01.07.2017  Siemens investiert in US-Ladespezialisten

Siemens wettet um Tankstelle der Zukunft mit

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Elektroauto beim Laden: Noch gibt es in Deutschland kein großes Ladesäulen-Netz mit einheitlicher Abrechnung
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Elektroauto beim Laden: Noch gibt es in Deutschland kein großes Ladesäulen-Netz mit einheitlicher Abrechnung

Der US-Ladenetzspezialist Chargepoint angelt sich ein weiteres deutsches Industrie-Schwergewicht: Siemens steigt nach Daimler und BMW als Investor ein. Das US-Startup hat nun 120 Millionen Dollar für die Expansion in Europa eingesammelt - und legt zuerst in Großbritannien los.

Eine ordentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos schaffen? Bis vor kurzem befanden Deutschlands Autohersteller, dass dies zum Gutteil Aufgabe der Energieversorger, Mineralölkonzerne oder sonstwem sei. Wenn der Staat ein engmaschiges Ladenetz wünsche, solle er dieses auch finanziell unterstützen, war bei vielen die Leitlinie.

Funktioniert hat dieser Ansatz bislang nur sehr begrenzt: Denn für das Laden der ohnedies nicht allzu zahlreichen Elektroautos gibt es bislang kein funktionierendes Geschäftsmodell. Energieversorger halten sich deshalb mit Investitionen in neue, schnellere Ladesäulen spürbar zurück - was den Umstieg auf Elektroautos schwerer macht. Einzig der Elektroautohersteller Tesla betreibt ein eigenes Netz an Supercharger-Schnellladern, was Langstreckenfahrten mit Tesla-Elektroautos enorm erleichtert.

Doch in letzter Zeit erkennen auch traditionelle Autoherstellern die Erkenntnis durch, dass sie punkto Ladenetz-Aufbau selbst handeln müssen. Und für Deutschlands Autobauer und Zulieferer kristallisiert sich ein Favorit heraus: Der US-Ladenetzspezialist Chargepoint, der nun gleich drei deutsche Industrie-Schwergewichte zu seinen Investoren zählen kann.

Im März ist Daimler hat sich Daimler als Lead Investor an einer 82 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde beteiligt. Mit an Bord in dieser Runde war auch BMW i Ventures, die Risikokapitaltochter des Münchner Autoherstellers. Aktuell hat Chargepoint 34.500 Ladepunkte für Elektroautos in den USA und Mexiko aufgestellt. Nun hat das 2007 gegründete Startup eine weitere Kapitalrunde abgeschlossen. Bei der war der deutsche Industrieriese Siemens der Lead Investor.

125 Millionen Dollar stehen für Europa-Feldzug bereit

Je ein Vertreter von Daimler und Siemens sitzt nun auch im Chargepoint-Verwaltungsrat. Das US-Unternehmen will die insgesamt 125 Millionen Dollar für die Expansion nach Europa nutzen. Erste Schritte unternimmt Chargepoint bereits: Vor einem Monat kündigten die Amerikaner an, dass sie 200 Ladestationen in Großbritannien installieren.

Bislang gibt es alleine in Deutschland Dutzende Unternehmen, die Ladesäulen betreiben und Elektroauto-Fahrern Strom verkaufen wollen - viele von ihnen mit eigenen Zugangskarten und unterschiedlichen Abrechnungssystemen. Das ist wenig problematisch, solange Elektroautos nur geringe Reichweiten haben und ihre Besitzer immer in der gleichen Region unterwegs sind.

Doch in den kommenden Jahren bringen auch deutsche Autohersteller Elektroautos mit Reichweiten von über 500 Kilometern auf den Markt. Spätestens dann dürfte der Wildwuchs bei Anbietern und den Abrechnungssystemen viele Elektromobilisten gehörig nerven. Um das zu verhindern, bringen sich etwa Shell, aber auch Raststätten-Betreiber in Stellung. Doch gegen Chargepoints Ansatz sehen ihre Vorstöße eher kleinteilig aus.

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