22.06.2017  Chinas Volvo-Schwester Lynk begrenzt Aufpreise radikal

"Brutal einfach" - eine China-Marke will den Autoverkauf aufmischen

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Auch das SUV-Modell Lynk & Co 01 wird nur in ganz wenigen Farb- und Ausstattungsvarianten verkauft
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Auch das SUV-Modell Lynk & Co 01 wird nur in ganz wenigen Farb- und Ausstattungsvarianten verkauft

Komplexität ist ein vom Managern gerne verwendetes Wort. Doch manchmal reicht eine einzige Zahl, um sie auf den Punkt zu bringen. Etwa die Zahl 117. So viele Lenkradvarianten gab vor drei Jahren noch für ein einziges Automodell: Den VW Golf. Manche davon unterschieden sich nur dadurch, dass das Leder einmal mit einem grauen und einmal mit einem roten Faden genäht war.

VW-Markenchef Herbert Diess kündigte vor zwei Jahren einen für VW-Verhältnisse deutlichen Schnitt an. Künftig solle es nur noch 43 Lenkradvarianten für den Bestseller aus Wolfsburg geben. Doch die Listen für aufpreispflichtige Extras werden auch bei VW immer länger. Ob im Volkswagen-Konzern oder dessen Premiumtochter Audi , bei den Konkurrenten BMW oder Daimler : Bei kaum einem deutschen Autohersteller laufen pro Jahr zwei völlig idente Fahrzeuge vom selben Montageband.

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Diese Individualität bei der Neuwagenbestellung müssen die Kunden teuer bezahlen. Denn für jede Variante müssen die Hersteller die notwendigen Teile auf vorhalten. Lieferketten müssen reibungslos funktionieren und Werkzeuge schnell umgerüstet werden. Diese Flexibilität kostet viel Geld, und die Kosten dafür verteilen die Hersteller auf alle Neuwagenkäufer.

Alain Visser kennt diese Konstellation aus jahrzehntelanger Branchenerfahrung. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber, dem chinesischen Geely-Konzern, will er es ganz anders machen. Der Autohersteller aus China hat sich vor sieben Jahren die schwedische Marke Volvo einverleibt. Von der neuen Mutter erhielten die Schweden Kapital, doch bei Produktplanung und Positionierung hielt sich Geely auffallend zurück.

"Wir glauben, dass es unsere Konsumenten brutal einfach wollen"

Die Sanierung von Volvo an der langen Leine klappte. Doch nun wollen die Chinesen eine etwas größere Ernte einfahren und auch international erfolgreich auftreten. Dafür hat Geely vor knapp einem Jahr neue Marke gegründet, Lynk & Co, die Visser leitet. Und die will der Automanager zum Erfolg führen, indem er auf größtmögliche Einfachheit setzt.

Ab 2019 sollen die Lynk & Co-Fahrzeuge auch in Europa und den USA verkauft werden - und zwar ganz anders als die Konkurrenz, wie Visser nun auf dem Branchentreffen "Automotive News Europe Congress" verriet. Europaweit sollen die Autos in allen Ländern zum exakt gleichen Preis erhältlich sein. Es werde nur wenige Varianten der Autos und keine Listen mit teuren Sonderausstattungen geben. Zudem will Lynk & Co die gesamte Bandbreite vom klassischen Neuwagenbesitz bis hin zu Abo-Modellen für Mobilitätsdienste abdecken.

In Europa und in den USA, erklärte Visser, werde es maximal 10 Varianten seiner Fahrzeuge und keine aufpreispflichtigen Extras geben. "Das ist brutal einfach, aber wir glauben, dass unsere Konsumenten das so wollen". Dieser Ansatz werde die Komplexität und die Kosten stark reduzieren, so Visser "und die Autos werden immer auf Lager sein".

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