21.06.2017  Volvo-Haustuner Polestar wird zur Elektroauto-Marke

Volvo will's wissen - und fordert Tesla mit eigener E-Marke heraus

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Die leistungsstärksten Volvo-Modelle wie dieser V90 Polestar sollen künftig den Zusatz "Polestar engineered" tragen
Volvo
Die leistungsstärksten Volvo-Modelle wie dieser V90 Polestar sollen künftig den Zusatz "Polestar engineered" tragen

Erstmals in seiner Geschichte wird der schwedische Autohersteller Volvo mit zwei verschiedenen Marken auftreten: Die Schweden bauen ihre bislang wenig bekannte Performanceabteilung "Polestar" zur eigenständigen Marke für Elektroautos um. Das erklärte Volvo heute.

Geführt wird Polestar künftig von einem Deutschen, der zur obersten Führungsriege des Autoherstellers zählt: Thomas Ingenlath verantwortet das Design der Volvo-Fahrzeuge und übernimmt nun zusätzlich den Chefsessel bei Polestar. "Dass Thomas Ingenlath die Leitung der Polestar Organisation übernimmt, zeigt, dass wir es ernst meinen", erklärte Volvo-Chef Håkan Samuelsson dazu. Ingenlath wechselte 2012 von Volkswagen zu Volvo. Bei den Wolfsburgern leitete er zuletzt das Designcenter in Potsdam.

Polestar soll als eigenständige Marke innerhalb der Volvo Car Group arbeiten und damit ähnlich wie die Luxusmarke DS innerhalb des PSA-Konzerns oder auch Mercedes hauseigener Tuner AMG, den die Stuttgarter nun ebenfalls zur eigenständigen Marke ausbauen.

Thomas Ingenlath
Volvo
Thomas Ingenlath

Damit unterscheidet sich Polestar strukturell von BMW i, der Elektroauto-Submarke des Münchner Autoherstellers. Bei dieser gibt es bislang keinen eigenen CEO, der BMW i nach außen vertritt. Und BMWs Elektrowagen ist auch klar mit dem weißblauen Logo der Münchner gekennzeichnet.

Polestar wird unter einem eigenen Logo auftreten, das an eine Kompass-Bussole erinnert. Zu den geplanten Polestar-Modellen und Unternehmensplänen will sich Polestar erst im Herbst äußern. Doch eines macht Volvo schon jetzt klar: Polestar soll ein "echter Wettbewerber" bei "elektrifizierten Hochleistungsfahrzeugen" werden. Solche ebenso PS- wie reichweitenstarken Fahrzeuge hat bislang ein einziger Hersteller im Programm: Der kalifornische Elektroauto-Pionier Tesla Motors.

Eine Elektroauto-Plattform ist schon in Arbeit - dank Mutter Geely

Logo der künftigen Volvo-Elektroautomarke Polestar
Volvo
Logo der künftigen Volvo-Elektroautomarke Polestar

Volvo sagt Tesla also via Polestar den Kampf an - auch wenn dies kein Blitzstart werden dürfte: Denn Volvo will sein erstes reines Elektroauto im Jahr 2019 vorstellen. Und bis dahin muss sich wohl auch Polestar mit seinem ersten Modell gedulden. Eigene Elektroauto-Marken sind bei den Autoherstellern aktuell durchaus in Mode: Daimler etwa will seine künftigen E-Fahrzeuge unter der Submarke EQ verkaufen. Auch bei Opel gab es längere Zeit den Plan, die Blitz-Marke zum reinen Elektroauto-Anbieter umzumodeln - bevor General Motors die Rüsselsheimer Traditionsmarke an den Peugeot-Konzern verkaufte.

Hinter den Kulissen haben die Schweden, die seit 2010 dem chinesischen Autohersteller Geely gehören, wohl einiges an Vorarbeit für einen schnellen Polestar-Start geleistet. Die Mutter Geely arbeitet bereits an zwei Elektroauto-Plattformen, wie der Internet-Branchendienst Gasgoo vor drei Wochen berichtete. Eine der Plattformen ist vor allem für Plugin-Hybridfahrzeuge ausgelegt, die andere auf rein elektrische Autos.

Wie Gasgoo berichtete, sei als erstes reines Elektromodell auf der neuen Plattform ein Stromer mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern mit einer Akkuladung geplant. Das wäre die Minimalreichweite, mit der Polestar antreten müsste, um gegen Tesla und die deutschen Konkurrenten anzutreten. Audi bringt ab 2018 einen Elektro-SUV mit dieser Reichweite, Mercedes will 2020 mit seiner Elektroauto-Marke EQ und ähnlichen Leistungsdaten starten (Details dazu können Sie hier nachlesen).

Zusammenarbeit zwischen Schweden und China bringt erste Erfolge

Dass eine solche Zusammenarbeit zwischen China und Schweden durchaus klappen kann, haben Volvo und Geely bereits mit der Automarke Lynk & Co bewiesen. Die haben Volvo- und Geely-Mitarbeiter gemeinsam entwickelt - in einem Jointventure in Schweden, das bereits tausende Leute beschäftigt.

Die Geely-Marke Lynk & Co, die in zwei Jahren auch in Europa und den USA verkauft werden soll, wurde im vergangenen Herbst mit viel Pomp aus der Taufe gehoben. Lynk & Co zielt auf junge, technikbegeisterte Käufer, die ihr Auto auch gerne per Knopfdruck anderen zur Kurzmiete zur Verfügung stellen wollen.

Die Lynk & Co-Modelle verwenden jene Plattform, auf der auch Volvos Kompaktfahrzeuge und SUVs wie die Neuauflage der Modelle S40, V40 und der geplante Pseudo-Geländegänger XC40 stehen.

Mit Polestar arbeitet Volvo bereits seit 1996 zusammen, um aus den eigenen Modellen noch etwas mehr Leistung herauszukitzeln. Im Jahr 2015 hat Volvo Polestar komplett übernommen. Bislang waren die Polestar-Modelle immer die leistungsstärksten und sportlichsten im Volvo-Sortiment. Doch verzichten wollen die Schweden auf diese Vorzeige-Fahrzeuge nicht: Die auf Hochleistung getrimmten Volvos werden künftig den Schriftzug "Polestar Engineered" tragen. Die Gasfuß-Fraktion muss sich also keine Sorgen machen um die Versorgung mit PS-starken, schwedischen Automobilen.

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