12.06.2017  Der Rücktritt von Opel-Chef Neumann

Ein logischer Abgang in 131 Zeichen

Ein Kommentar von
Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: Ließ den Affront aus Detroit dann doch nicht auf sich sitzen und tritt zurück
DPA
Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: Ließ den Affront aus Detroit dann doch nicht auf sich sitzen und tritt zurück

Karl-Thomas Neumann mag es offenbar kurz, knackig und direkt: Sparsame 131 Zeichen benötigte er, um seinen eigene Demission zu verkünden. Er sei eben als Vorsitzender der Geschäftsführung zurückgetreten, erklärte Neumann am Montag um 14:32 Uhr via Twitter. Vorstandsmitglied bleibe er aber, bis der Verkauf von Opel an den französischen Autohersteller PSA (Peugeot Citroën) abgeschlossen sei.

Für ihn sei es eine schwierige persönliche Entscheidung gewesen, lässt sich Neumann in der offiziellen Opel-Pressemitteilung zitieren. Vor drei Monaten klang Neumann da noch ganz anders: Da lobte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit PSA die Chancen, die sich durch das Zusammengehen mit den Franzosen ergeben. "PSA kann Opel helfen", sagte Neumann damals. In der eilig einberufenen Pressekonferenz in Paris erklärte der 56-jährige klipp und klar: "Ich will bei Opel bleiben."

In den vergangenen Wochen hat es sich Neumann anders überlegt - und das nicht ganz grundlos. Richtig fest im Sattel saß der 56-Jährige seit dem Verkaufspakt der Opel-Mutter General Motors (GM) mit PSA ohnedies nicht mehr. Denn GM-Chefin Mary Barra hat den Opel-Verkauf hinter dem Rücken von Neumann eingefädelt.

Zwar ist es dem Manager seit seinem Amtsantritt im März 2013 gelungen, das Image von Opel zu drehen und den Opelanern neues Selbstbewusstsein einzuimpfen. Doch Gewinne schreibt Opel noch immer nicht - das hatte Neumann aber mehrfach versprochen. Damit hat Neumann die Geduld Barras wohl überstrapaziert.

Im Frühjahr präsentierte Neumann der GM-Spitze einen durchaus radikalen Plan: Er wollte Opel bis Ende des kommenden Jahrzehnts zur reinen Elektroauto-Marke ummodeln, wie manager magazin Anfang des Jahres berichtete. Doch da verhandelte Barra wohl bereits mit PSA-Chef Carlos Tavares darüber, wie sie ihren europäischen Verlustbringer schnell loswerden könne. Neumann hat davon erst wenige Tage vor der offiziellen Verkündung des Verkaufs erfahren.

Wenn Neumann verliert, zieht er auch schnell Konsequenzen

Letztlich machte er ganz professionell gute Miene zum bösen Spiel. Doch in den letzten Wochen musste er Berichten zufolge dabei zusehen, wie die Opel-Gewerkschafter direkt mit der Noch-Mutter in Detroit über Details zum PSA-Verkauf feilschten - und nicht mehr mit ihm.

Neumann weiß aus seinem Berufsleben, wie sich verlorene Machtkämpfe anfühlen: Als Chef des Autozulieferers Continental zoffte er sich 2008 mit dem Großaktionär Schaeffler über die strategische Ausrichtung. Nach gerade mal 11 Monaten im Chefsessel verließ er Conti. Danach heuerte er bei Volkswagen an, wo er in kurzer Zeit zum China-Vorstand aufstieg. Auch diesen Posten hatte er nur zwei Jahre inne - nach Differenzen mit dem damaligen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn ging er auch hier.

Neumann ist also nicht nur ehrgeizig, sondern er eckt auch an. Und er sitzt Differenzen nicht lange aus, sondern zieht schnell Konsequenzen. Deshalb war sein Absprung bei Opel wohl nur eine Frage der Zeit. Immerhin sorgt Opel für etwas Ruhe im Wechsel, indem die Automarke mit Michael Lohscheller einen Manager aus den eigenen Reihen auf den Chefsessel hievt.

Wie Neumann zum Abschied noch einen Bonus einstreicht

Einfach wird es Lohscheller nicht haben. Denn Opel steht unter der PSA-Führung eine härtere Sanierungs-Gangart als bisher ins Haus. Den Weg zur Gesundung sollen sich die Rüsselsheimer selbst erarbeiten. Arbeitsplatzgarantien, die über die von GM und der Gewerkschaft vereinbarten hinausgehen, hat Tavares bislang nicht gegeben.

Und PSA wird wohl genauer als die bisherige Mutter General Motors drauf schauen, welche Fortschritte Opel macht. Schließlich liegen Paris und Rüsselsheim deutlich näher aneinander als das ferne Detroit.

Vielleicht hatte der selbstbewusste Neumann auch genau darauf keine große Lust. Eine Sache hat er sich aber jedenfalls noch geschickt im Abgang gesichert: Er bleibt Vorstandsmitglied, bis der Verkauf von Opel juristisch abgeschlossen ist. Damit streicht Neumann auf jeden Fall auch seinen Anteil jener zweistelligen Millionenprämie ein, die dem gesamten Vorstand beim Verkauf an PSA winkt.

Mehr zum Thema