07.06.2017  Manipulations-Vorwürfe prallen an VW-Tochter ab

Wie Audi den Verbrennungsmotor retten will

Von , München
Audi SQ5
Audi
Audi SQ5

Abgas-Tricksereien bei A7 und A8 rücken Audi wieder ins Zentrum der Diesel-Affäre. Doch die Ingolstädter setzen unbeirrt darauf, dass der Verbrennungsmotor eine große Zukunft hat.

Der neue Stolz von Audis Entwicklern hat sechs Zylinder, drei Liter Hubraum und 354 PS. Sanft, doch sehr bestimmt schiebt der V-Motor den SQ5 über die Hügel rund um den Münchener Flughafen.

Federung und Allradantrieb ebnen den Unterschied von Landstraße zu staubigem Feldweg stark ein. So reibungslos greift die Achtgang-Automatik ineinander, dass der Fahrer sich fast nur beim Start und rasanten Überholmanövern in einem Wagen mit Benzinantrieb wähnt und nicht in einem Elektroauto.

Hinterm Lenkrad ist es förmlich zu spüren - auch der generalüberholte, sportive Wohlfühl-SUV soll der Volkswagen-Tochter dabei helfen, die Kernkompetenz des Herstellers in die Zukunft zu retten: den Verbrennungsmotor. Im Zuge einer Offensive für konventionelle Antriebe bringen die Ingolstädter in den kommenden Monaten eine Reihe von Fahrzeugen mit verbesserten Diesel- und Benzin-Aggregaten auf die Straße. Sie sollen das Leben der gewinnträchtigen Technik trotz Abgasskandal und Klimakrise bis weit in die Zukunft verlängern.

"Der These, dass der Antrieb der Zukunft elektrisch ist, werden wohl alle zustimmen", sagt der Leiter von Audis Antriebsentwicklung, Nikolai Ardey. "Doch bei Lichte betrachtet wird der Verbrenner auch nach dem Jahr 2025 dominieren."

In weiten Teilen bleibt die Autowelt laut Audi bis auf weiteres wie sie ist

Audis Rechnung geht so: Etwa ein Drittel der Neufahrzeuge könnten in acht Jahren mit "neuen Technologien" angetrieben werden. Doch zwei Drittel führen dann weiterhin "verbrennungsmotorisch". Und weil das Unternehmen insgesamt deutlich mehr Autos verkauft als heute, sinkt die Zahl der Wagen mit konventionellen Aggregaten faktisch nicht. "Es gilt, die Technik weiter über 2025 hinaus zu entwickeln", sagt Ardey.

In weiten Teilen bleibt die Autowelt in Audis Augen bis auf weiteres wie sie ist - diese Annahme wirkt ambitioniert, wenn nicht riskant. Denn die Kritik an manipulierten Diesel-Motoren will nicht enden, Politiker planen strengere Abgas- und Klimanormen. Zuletzt geriet wieder Audi selbst ins Fadenkreuz: Etwa 24.000 Fahrzeuge der Typen A7 und A8 müssen zurückgerufen werden, weil die Schadstoffreinigung nicht so funktioniert wie es die Gesetze verlangen.

Und dann wäre da noch der klar erkennbare, aber in seiner Dynamik schwer zu wägende Trend zu Batteriefahrzeugen. Aktuell beträgt ihr Marktanteil in den größten Autoländern erst gut ein Prozent.

Arbeiten sich die Elektroautos weiterhin so langsam wie bisher in den Absatzstatistiken nach vorn? Oder gibt es ihn, den so genannten "Tipping Point", ab dem der Markt plötzlich umkippt und Verbrenner bei Händlern stehen bleiben wie einst Röhren-Fernseher, als die Flachbildschirme kamen?

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