02.06.2017  PSA-Spitzenmanager Bonnefont

"Wir können derzeit keine Pläne mit Opel machen"

Ein Interview von
Der SUV DS7 ist derzeit der größte Stolz von PSAs Luxusableger DS, der einstigen Citroën-Nobelausstattungslinie
DS
Der SUV DS7 ist derzeit der größte Stolz von PSAs Luxusableger DS, der einstigen Citroën-Nobelausstattungslinie

Yves Bonnefont, CEO der Marke DS und Vorstandsmitglied des Autoherstellers PSA (Peugeot, Citroën), über den schnellen Wechsel zu Elektroantrieben, weitreichende Plattform-Entscheidungen - und seine erzwungene Untätigkeit gegenüber Opel.

Im Untergeschoß funkelt der neue SUV des französischen Präsidenten, im Eingangsbereich wird Champagner gereicht, direkt nebenan steht eine feuerrot lackierte Citroën DS aus den 1950er-Jahren: Es gibt hässlichere und unbequemere Orte als den DS-Store im Zentrum von Paris, um ein Interview mit dem Chef der jüngsten Luxusautomarke Europas zu führen.

Yves Bonnefont soll die frühere Citroën-Nobelausstattungslinie DS zur eigenständigen Konkurrenz aus Frankreich für Audi, BMW und Mercedes machen. Dafür hat er im PSA-Konzern ziemlich freie Hand: DS will jedes Jahr ein neues Modell mit eigenständigem Design und Ausstattung vorstellen. Zudem bringt DS die neuen Technologien des PSA-Konzerns vor ihren Konzernschwestern Peugeot und Citroën auf dem Markt.

Bonnefont wird in den kommenden Jahren Plugin- und reine Elektroantriebe forcieren. Wie weit er da auch auf Opel-Know-How zurückgreifen wird, kann er im Gespräch nur andeuten - aus einem durchaus plausiblen Grund.

manager-magazin.de: Herr Bonnefont, erstmal Gratulation: Ihr neuer Crossover DS7 Sportsback war das offizielle Fahrzeug von Frankreichs neuem Präsident Emmanuel Macron bei dessen Angelobung. Das Auto hat einen Dieselmotor an Bord. Wann steigt Macron auf ein rein elektrisches Auto um?

Yves Bonnefont: Erstmal ist das Herrn Macron überlassen, deshalb kann ich das nicht mit Sicherheit sagen. Aber in eineinhalb Jahren, also Anfang 2019, werden wir die Plugin-Hybridversion des DS7 auf den Markt bringen. Und das wird ein ziemlich spannendes Fahrzeug, auch von der Performance her.

mm.de: Wann kommt eine Version des DS7 auf den Markt, die ausschließlich mit Elektromotor fährt?

Bonnefont: Bislang ist das für den DS7 nicht geplant. Aber wir als PSAs Luxusmarke werden in Zukunft ein neues Automodell pro Jahr vorstellen. Und von all diesen Neuvorstellungen ab 2019 wird es entweder eine Plugin- oder eine vollelektrische Version geben.

Yves Bonnefont

mm.de: Was will die Marke DS bei Elektroautos anders machen als die beiden Konzernschwestermarken Peugeot und Citroen?

Bonnefont: Wir bei der PSA-Gruppe sehen elektrisches Fahren - und dabei meine ich sowohl vollelektrische Fahrzeuge als auch Plugin-Hybride - als sehr wichtige Zukunftstechnologie. Bei DS haben wir dabei eine spezielle Ausrichtung: Unser Plugin-Hybride oder rein elektrischen Versionen werden die höchstmotorisierte Leistungsstufe der jeweiligen Modelle darstellen. Ich glaube daran, dass Elektromotoren jene Drehzahlen liefern, die Kunden gerne haben. Deshalb sind wir auch in der Elektroauto-Rennserie Formel E aktiv - ich schätze richtig leistungsstarke Hybride und E-Autos. Reine Stadt-Elektroautos interessieren mich persönlich weniger.

mm.de: Wie viele Elektroautos will die PSA-Gruppe künftig verkaufen? Ihr Konkurrent Volkswagen strebt ja an, in sieben Jahren bereits ein Drittel seines Absatzes mit Elektroautos zu machen.

Bonnefont: Ich kann nur für die Marke DS sprechen. Da denke ich, dass bei DS im Jahr 2025 rund ein Drittel des Gesamtabsatzes auf Elektroautos und Plugin-Hybride entfallen dürften. Das hängt auch stark von gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Sollten etwa Großstädte in Europa beschließen, dass die Stadtzentren nur mehr mit emissionsfreien Fahrzeugen befahren werden dürfen, dann könnte der Wechsel zu Elektroautos schneller erfolgen.

1 / 3

Nachrichtenticker

Leser-Empfehlungen