09.05.2017  Konzerneigener Zukunfts-Experte schießt quer

Daimler-Futurist sagt Car-Sharing das baldige Ende voraus

Von
Alexander Mankowsky
Daimler AG
Alexander Mankowsky

Daimlers konzerneigener Zukunftsforscher ist seinem Unternehmen offenbar weit voraus - oder hinkt er hinterher? Jedenfalls hat Alexander Mankowsky, Futurist bei Daimler Research & Development, gerade den Abgesang auf das allseits gehypte Thema Car-Sharing angestimmt, und zwar mit einer abenteuerlich anmutenden Begründung.

Die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen sei sehr "zeitgeistig", sagte Mankowsky am Montag auf der Internet-Konferenz Republica. Das aktuell vor allem in großen Städten populäre Car-Sharing werde es in 10 bis 15 Jahren nicht mehr geben. Niemand wolle auf Dauer sein "Gepäck für den täglichen Gebrauch" stets aus dem Auto räumen und für die nächste Fahrt wieder mitnehmen.

Auf den ersten Blick wirkt Mankowskys Erklärung eher gestrig. Die Zeiten der Toilettenpapierrolle mit Häkelhut auf der Hutablage scheinen weitgehend vorbei.

Nicht zuletzt Daimler setzt mit der Konzerntochter Moovel stark auf den Trend zu größerer Flexibilität im Verkehr. Dazu gehören im Zweifel Smartphone und Umhängetasche. Prominentestes Beispiel ist Car2Go, der Car-Sharing-Anbieter, bei dem Nutzer den Wagen nach Gebrauch innerhalb eines Geschäftsgebietes abstellen können, wo es ihnen beliebt.

In einem Punkt deckt sich Mankowskys Erwartung allerdings mit einem Phänomen, das schon heute zu beobachten ist. Zwar wächst die Zahl von Car-Sharing-Nutzern beständig und ebenso die Anbieter und Fahrzeuge. Im Gegenzug aber geht die allgemeine Motorisierung in den allermeisten Regionen nicht zurück - selbst dort, wo Car-Sharing auf dem Vormarsch ist.

In Hamburg beispielsweise hat der Senat beobachtet, dass die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge weiter wächst. Gleichzeitig nutzen immer mehr Hamburger Car2Go, Drive Now, Flinkster und Co. sowie den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad. Somit scheint der Besitz eines Wagens weiterhin attraktiv, doch er wird häufiger mal stehen gelassen.

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