26.04.2017  Peugeot-Rabattaktion: Deutschlandchefs müssen gehen

99-Euro-Flatrate kostet drei deutsche PSA-Manager den Job

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Der Peugeot 208 war kurze Zeit für 99 Euro Leasingrate zu haben - das ging für ranghohe PSA-Manager nach hinten los
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Der Peugeot 208 war kurze Zeit für 99 Euro Leasingrate zu haben - das ging für ranghohe PSA-Manager nach hinten los

Ein Peugeot 208 für nur 99 Euro pro Monat - dieses verführerische Leasing-Angebot kommt drei der ranghöchsten PSA-Führungskräfte offenbar teuer zu stehen: Europas zweitgrößter Autohersteller PSA beendet mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Peugeot-Deutschlandchef Benno Gaessler, Citroën-Boss Holger Böhme und Olivier Ferry, dem Leiter von PSAs deutscher Leasingsparte "Free2Move Lease".

Der PSA-Konzern, der in den kommenden Monaten die Automarke Opel übernehmen will, setzt damit auf einen Schlag drei seiner wichtigsten Manager in Deutschland vor die Türe. Zu den genauen Umständen wollte sich PSA auf Nachfrage von manager-magazin.de nicht äußern, wie in solchen Fällen üblich.

Doch immerhin verriet der Autohersteller, dass es dabei für PSA um die Verlässlichkeit zu den Partnern gehe. "Wir haben Grund zu dem Schritt, weil Verlässlichkeit für uns ein hohes Gut ist", erklärte PSA-Sprecher Stephan Lützenkirchen auf Nachfrage von manager-magazin.de. Was sich die Manager offenbar zuschulden kommen ließen, beschreibt das Fachmagazin Automobilwoche mit Berufung auf einen Insider aus dem Umfeld des Konzerns.

So sei eine Marketingaktion von PSA mit Sixt Leasing und dem Internetanbieter 1&1 gehörig schiefgegangen. Tatsächlich hatten Sixt und 1&1 vergangenen Freitag ein aufsehenerregendes Angebot vom Markt genommen. Für im günstigsten Fall 99 Euro pro Monat konnten 1&1 Kunden, die ein Telefonflatrate des Anbieters buchten, auch noch einen Peugeot 208 5-Türer mit 82 PS leasen. Die Leasing-Offerte lockte zudem mit vielen Vergünstigungen: Eine Anzahlung war nicht nötig, es gab keine Überführungs- oder Rückgabekosten. Selbst die Kfz-Steuer und die Vollkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung waren inklusive.

40 Prozent Rabatt erzürnten Peugeot-Händler

Das Angebot bewarb 1&1 offensiv, es kam offenbar gut an - vermutlich zu gut: Laut dem Branchenblatt Autohaus sollen sich bis vergangenen Freitag über 5000 1&1-Kunden den Kleinwagen zu Günstig-Konditionen gesichert haben. Gerechnet hatte PSA wohl nur mit 300 Fahrzeugen, die so den Weg zu den Kunden finden sollten.

Doch die Leasingaktion hatte zwei dicke Haken für PSA: Zum einen dürfte sie kaum profitabel gewesen sein, da die Fahrzeuge rechnerisch zu einem Rabatt von 40 Prozent auf den Listenpreis abgegeben wurden.

Zum anderen dürfte die Aktion die deutschen PSA-Händler mächtig erzürnt haben. Die können zwar für Kleinwagen derzeit bundesweit hohe Nachlässe gewähren, wie die jüngste Rabatterhebung des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ergab. So wurde im März ein Modell des Citroën C3 bis zu 33 Prozent unterhalb des Listenpreises verkauft. Den Peugeot 208 gab es bei Händlern bei Inzahlungnahme eines Gebrauchtwagens um bis zu 30 Prozent günstiger als laut Katalog.

Doch von dem Sixt-Leasingangebot im Verbund mit 1&1 waren selbst diese Nachlassaktionen noch um einige Prozentpunkte entfernt. Mit dem Rauswurf des Führungstrios bekennt PSA nicht nur ziemlich deutlich Flagge für seine Händler. Die Rochade zeigt auch, wer bei PSA in Deutschland das Zepter in der Hand hat. Denn der deutsche Generaldirektor Albéric Chopelin übernimmt die drei Positionen bis zur Neubesetzung kommissarisch.

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