03.02.2017  Elektrofahrzeuge boomen in Fernost

China versetzt Europas Autoindustrie Stromschock

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China hängt Europa bei den Elektroautos in zunehmend rasantem Tempo ab. Im vergangenen Jahr legte der Absatz von Batterie- und Plugin-Hybriden in der EU lediglich um 4,8 Prozent auf 148.000 Wagen zu, wie der europäische Autoherstellerverband ACEA mitteilte.

In der Volksrepublik ist Absatz im selben Zeitraum auf 336.000 Fahrzeuge emporgeschnellt, wie das Center of Automotive (CAM) in Bergisch-Gladbach mitteilte. Im Jahr 2015 waren es noch 207.000; das Plus betrug also satte 62 Prozent. Der Marktanteil ist in beiden Regionen noch überschaubar: In China beträgt er inzwischen etwa zwei, in Europa gut ein Prozent.

Damit erweisen sich die großen Ansprüche der meisten europäischen Autobauer trotz Kaufprämien für E-Autos wie in Deutschland weitgehend als Zukunftsmusik. Zuletzt hatten Volkswagen , Daimler und BMW , aber auch französische Hersteller und Volvo (Schweden) große Pläne für neue Modelle mit Batterieantrieb vorgestellt.

Aufgeschreckt hat sie alle nicht zuletzt der Abgasskandal. Zudem begünstigen bessere und billigere Batterien den Vormarsch von Elektroautos. Doch neue Modelle mit großer Reichweite sind vielfach noch in der Entwicklungsphase und kommen frühestens im kommenden Jahr auf den Markt.

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In China profitieren Hersteller von noch umfangreicheren staatlichen Fördermaßnahmen für Batterie-Autos. Zudem lassen große Städte zunehmend fast nur noch Elektroautos zu und bei Smog auf die Straße. Die Regierung will die chinesische Autoindustrie mithilfe der neuen Technologie stark ausbauen. Auf Fahrzeuge ausländische Hersteller fallen hohe Zölle an, wenn diese nicht in hohem Maße in China gefertigt wurden.

"Es spricht vieles dafür, dass China mit Abstand der Leitmarkt für E-Mobilität bleiben wird", sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom CAM. Insbesondere die Einführung eines Quotensystems für E-Fahrzeuge, das derzeit im Entwurf vorliegt, werde dazu beitragen. Danach müssten die Hersteller eine Quote von 8 Prozent im Jahr 2018 und 12 Prozent im Jahr 2020 erreichen.

Sehen Sie auch: Der Kampf um Batteriefabriken in Europa

In Europa gibt es allerdings große Unterschiede bei der Verbreitung von Batterie- und Plugin-Hybrid-Elektroautos, wie die Grafik von Statista zeigt. Einen weiteren Satz nach vorn hat 2016 Norwegen gemacht. Dort beträgt die Stromer-Quote inzwischen 29 Prozent (2015: 22 Prozent).

Danach kommen die Niederlande mit 6 Prozent (2016: 10 Prozent). Platz drei belegt Schweden mit einer Quote von 3,6 Prozent (2015: 2,5 Prozent). Deutschland liegt trotz einer Kaufprämie von bis zu 4000 Euro pro Fahrzeug im unteren Mittelfeld (E-Auto-Quote: 0,75 Prozent, 2015: 0,73 Prozent).

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