01.02.2017  Münchener Autobauer drohen hohe Strafzahlungen

Warum der Dieselskandal BMW noch sehr hart treffen könnte

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BMW-Zentrale in München
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BMW-Zentrale in München

BMW-Chef Harald Krüger kann nicht ohne Diesel - doch allzu lange kann er auch nicht mehr mit ihm. Im Jahr 2020 werde der Dieselmotor noch von "fundamentaler Bedeutung" sein, hoffte Krüger zwar noch vergangenen März.

Im Grunde hält Krüger die im Abgasskandal in Verruf geratenen Dieselmotoren jedoch für Auslaufmodelle - wie er zuletzt gegenüber der "Berliner Morgenpost" bekräftigte. "Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem es schlichtweg unwirtschaftlich sein wird, den Diesel-Antrieb immer wieder an die ambitioniertere Gesetzgebung anzupassen."

Krüger weiß: Europa sagt dem Diesel leise Servus. Schon jetzt sinkt EU-weit der Dieselanteil bei Neuwagen merklich, auf zuletzt gut 49 Prozent von etwa 55 Prozent Mitte 2014.

Für Premiumauto-Hersteller ist das ein immenses Problem, besonders für BMW . Sinkt der Dieselauto-Anteil, fällt es Herstellern von Luxuslimousinen und SUVs zunehmend schwer, die Vorschriften der EU-Kommission zum CO2-Ausstoß einzuhalten. Das bestätigen mehrere Branchenkenner gegenüber manager-magazin.de. Der Branche drohen Milliardenstrafen und ein herber Imageverlust, sollte sie die Ziele verfehlen.

BMW drohen 500 Millionen Euro Strafe - pro Jahr

Diesel-Anteile bei Pkw in Deutschland
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Diesel-Anteile bei Pkw in Deutschland

Bis zum Jahr 2021 sollen die Kohlendioxid-Emissionen auf durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer zurückgehen. Doch die wegen des Dieselskandals zunehmend gefragten Benziner verbrauchen bei vergleichbarer Leistung 10 bis 15 Prozent mehr Sprit - und stoßen demensprechend mehr CO2 aus.

"Hersteller wie VW, Volvo, BMW und Mercedes-Benz haben einen hohen Diesel-Anteil in der Fahrzeugflotte mit zunächst noch besseren CO2-Werten als Benziner", sagt Thomas Göttle, Mitglied der Geschäftsleitung bei PA Consulting Group. "Damit wächst bei diesen Herstellern die CO2-Lücke, wenn sich der hohe Diesel-Anteil reduziert."

Am schlimmsten träfe es BMW. Falls der Diesel-Anteil bei Neuwagen so stark fällt wie in den vergangenen Monaten und die Kunden statt dessen Benziner kaufen, würde BMW in vier Jahren bei 104,8 Gramm CO2 je Kilometer halten - und damit um 4,7 Gramm vom Zielwert abweichen. Damit erhöhen sich BMWs mögliche Strafzahlungen von den zuletzt prognostizierten 350 Millionen auf 490 Millionen Euro, wie PA für manager-magazin.de errechnete.

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Derzeit sind 70 Prozent der von BMW verkauften Wagen Diesel. Bei Daimler sind es 64 Prozent, bei Volkswagen 55 Prozent. Sinken diese Anteile stark, verschlechtere das die CO2-Bilanz der einzelnen Hersteller deutlich, erklärt der Leiter von PAs globaler Automobilsparte gegenüber manager-magazin.de.

Die Berater berechnen jährlich, wie die einzelnen Hersteller bei der Senkung ihres durchschnittlichen CO2-Flottenwertes vorankommen. Wenn BMW etwa so weiter macht wie zuletzt, kommen die Münchener im Jahr 2021 auf einen Flottenwert von 103,5 Gramm CO2 je Kilometer. Schon in diesem Szenario würden sie den für BMW von der EU vorgegebenen CO2-Zielwert um 3,4 Gramm verfehlen.

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