26.10.2016  Montage in Bremen

"Borgwards Geschichte wird fortgeschrieben, wo sie begann"

Von
Borgward

Vor seiner Pleite Mitte der 1960er-Jahre gehörte Borgward zu Deutschlands bekanntesten Autoherstellern. Mit chinesischem Geld wird die Marke nun wiederbelebt und kehrt bald mit einem Montagewerk an ihren einstigen Hauptsitz Bremen zurück. Das hat vor allem Vermarktungsgründe.

Sie platzen alle vor Stolz. Der Bremer Wirtschaftssenator Martin Günther etwa freut sich "außerordentlich" über die Entscheidung der wiederbelebten Automarke Borgward, in Bremen ein Montagewerk für Borgward-Autos zu errichten. "Die Tatsache, dass nun die Geschichte dieses Autos dort fortgeschrieben werden soll, wo sie einmal begann, macht es für uns alle zu einem besonderen Ereignis", erklärt er via Presseaussendung.

Christian Borgward, der Enkel des vor 55 Jahren in die Insolvenz gerutschten Firmengründers Carl F.W. Borgward, äußert sich so: "Es ist unbeschreiblich, mit welcher überzeugenden Dynamik das Werk meines Großvaters nun weitergeschrieben wird." Und Unternehmenschef Ulrich Walker, seit Mai vergangenen Jahres an Bord, spricht etwas trockener davon, dass sich die Marke damit zu ihrer eigenen Herkunft bekennt.

Dabei wagt die mit chinesischem Geld wiederbelebte Automarke Borgward nicht einmal einen Riesenschritt nach Deutschland - sondern ein Schrittchen. Vor mehreren Jahrzehnten, mitten in Deutschlands Wirtschaftswunderjahren, war Borgward der größte Arbeitgeber Bremens. Nun will die Marke erst einmal bis zu 10.000 Fahrzeuge jährlich in Bremen zusammenbauen - mit einem Mini-Team. In der Anfangsphase entstehen 50 bis 100 Arbeitsplätze in dem Montagewerk, das eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern haben soll. Investieren will Borgward einen zweistelligen Millionenbetrag. Wo genau das Werk in Bremen entsteht, soll sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Das ist in der Autobranche eher ein Einstieg auf kleinstem Niveau. Dies sei aber erst der Anfang und zudem der Tatsache geschuldet, dass in dem Werk keine kompletten Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge gebaut würden, so Walker. Die Stichworte heißen Montage und Zulieferung. Halbfertige Autos und Teilmodule werden nach Bremen geschickt und dort endmontiert. Die Teile kommen aus China, Europa und Deutschland. Firmen wie Bosch sollen bei der Motorentechnologie ganz vorne mitspielen, die Batterien kommen von LG. Continental, Webasto, Schäffler/SKF und Kuka sind weitere Zulieferer. Produziert wird derzeit nur im Borgward-Werk in Miyun bei Peking.

Die ersten neuen Bremer Borgwards sind Elektro-SUVs: Als Premierenmodell ist der vor einem Jahr vorgestellte Borgward BX7 mit vollelektrischem Antrieb vorgesehen. Baubeginn für das Werk ist noch 2017, die Vorserienproduktion des Elektro-SUVs soll Anfang 2018 starten. Weitere Modelle sollen folgen. Weitere Modelle sollen folgen. Über den Verkaufspreis wollte Walker noch nichts sagen. Die Reichweite des E-Borgwards soll bei 400 bis 500 Kilometer liegen. In China wurden seit Ende Juni bislang 15 000 Autos ausgeliefert. Mittelfristig sollen es weltweit 500 000 pro Jahr werden.

Die Borgward Group AG mit Sitz in Stuttgart gehört zu 100 Prozent dem chinesischen Lastwagenbauer Foton. "Wir sind aber kein Tochterunternehmen. Foton ist in Anführungsstrichen nur der Investor", so Walker. In Bremen fand die Pressekonferenz im Festsaal des historischen Bremer Rathauses statt.

Borgward gehörte einst zu den bekanntesten Autoherstellern Deutschlands und ging 1961 pleite. Borgwards Enkel Christian belebte die von seinem Großvater gegründete Marke 2015 wieder und ist Aufsichtsratschef der Borward Group. Seinerzeit wurde Borgward durch Top-Modelle wie Isabella, Arabella und Hansa 2400 bekannt.

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