20.10.2016  Markenchef Diess minutenlang ausgebuht

Ingenieure sollen 40 Stunden arbeiten - Tumulte bei VW

Betriebsversammlung bei Volkswagen (Archivfoto)
DPA
Betriebsversammlung bei Volkswagen (Archivfoto)

Turbulente Zeiten für die VW -Belegschaft: Der Autobauer will die kriselnde Pkw-Kernmarke mit milliardenschweren Sparprogrammen, Jobabbau und womöglich auch mit Einschnitten im Tarif auf Zukunftsfähigkeit trimmen. So hat VW-Markenchef Herbert Diess für Tausende VW-Fachkräfte fünf Stunden mehr Arbeitszeit pro Woche ins Spiel gebracht.

Diess sprach am Donnerstag im Wolfsburger Stammwerk bei der Betriebsversammlung von einer 40-Stunden-Woche für die Mitarbeiter in der Technischen Entwicklung (TE). Bisher gilt für sie laut VW-Haustarif in aller Regel eine 35-Stunden-Woche.

Generell will Volkswagen mit einem "Zukunftspakt" bis Ende 2020 bei der Pkw-Kernmarke rund 3,7 Milliarden Euro Sparvolumen freischaufeln. Teile dieser Zielsumme resultierten bereits aus Ansätzen aus dem 2014 gestarteten Effizienzprogramm, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Details zu der Diess-Aussage zu den 40 Stunden waren zunächst nicht zu erfahren - das Treffen in Wolfsburg mit rund 20.000 Mitarbeitern war nicht öffentlich. Später hieß es aus dem Umfeld von Diess, eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit für Ingenieure aus der Technischen Entwicklung bei VW würde den Fachleuten auch mehr Geld bringen. Klar sei, dass damit auch die Grundvergütung entsprechend stiege.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh reagierte am Donnerstag verwundert: "Für die Technische Entwicklung wurde vom Vorstand die 40-Stunden-Woche in die Diskussion gebracht. Wir haben heute schon die Möglichkeit, über Mehrarbeit oder den Arbeitszeitfixpunkt flexibel zu reagieren. Ich verstehe die Diskussion gar nicht."

Forderung nach Mehrarbeit hat offenbar mit Diesel-Skandal zu tun

Nach Informationen der dpa geht es Diess um Lösungen für ein Nadelöhr. Die TE leidet seit Monaten unter den Arbeitsspitzen des Diesel-Rückrufes. Dafür müssen technische Lösungen für Hunderte Software-Updates gefunden werden. Das erschwert die alltägliche Arbeit an neuen Modellen und Antrieben. Laut Unternehmensdarstellung arbeiteten allein in der Wolfsburger TE zuletzt über 9300 Menschen - ein Spitzenwert der Branche weltweit.

Ein seinerzeit noch unter dem damaligen Konzern- und Markenchef Martin Winterkorn aufgelegtes Effizienzprogramm hatte als Sparziel fünf Milliarden Euro. Dabei ging es um ein jährliches Volumen, das im Vergleich zum Status quo 2014 bis 2017 erreicht werden sollte. Damals ging es vor allem um die Struktur des Autobauers, um verbesserten Einkauf und weniger Doppelarbeit in der Entwicklung.

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