13.07.2017 
Zu klein für global

Werberiese WPP schluckt Hamburger Agentur Thjnk

Wird größer, verliert aber die Eigenständigkeit: Thjnk-Miteignerin Karen Heumann.
thjnk
Wird größer, verliert aber die Eigenständigkeit: Thjnk-Miteignerin Karen Heumann.

Die nächste deutsche Werbeagentur rettet sich unter das Dach eines internationalen Multis: Der Werbekonzern WPP kauft die erst 2012 gegründete Hamburger Agentur Thjnk mit Kunden wie Audi, Commerzbank oder Ikea, wie WPP am Donnerstag bekannt gab. Dazu verkaufen die Gründer Karen Heumann, Armin Jochum und Michael Trautmann sämtliche Anteile. Thjnk soll allerdings unter seiner Marke und weitgehend eigenständig unter dem Dach der WPP-Holding weiterarbeiten können. Zu WPP gehören beispielsweise schon Agenturen wie Grey, Ogilvy & Mather oder auch die deutsche Kommunikationsberatung Hering Schuppener. Die Holding wird vom 72-jährigen Sir Martin Sorrell geführt, der als einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Werbe-Manager der Welt gilt.

Der Verkauf ist eine Reaktion auf den Wunsch zahlreicher großer Unternehmenskunden, von ihren Agenturen weltweit betreut zu werden. Dieses Netzwerk fehlt Thjnk - ebenso wie das Kapital, rasch global zu expandieren. Die Hamburger hatten deswegen zuletzt stark investiert, um diese Lücken zu schließen - was wiederum auf die Marge drückte. Deswegen gilt der Verkaufszeitpunkt zumindest unter dem Blickwinkel der Erlösmaximierung als nicht ideal. Zu dem Kaufpreis äußerten sich die Beteiligten nicht. Nach Angaben des Gesamtverbands Agenturbranche kam Thjnk im Jahr 2014 auf einen Umsatz von 26,9 Millionen Euro.

Am schwersten soll sich Mitgründer Michael Trautmann mit dem Schritt getan haben. Er ließ sich aber am Ende von Sorrell, Heumann und Jochum umstimmen. Nun soll Trautmann demnächst Chairman von Thjnk werden; Jochum, Heumann und Ulrich Pallas bleiben Vorstände.

Zuletzt hatte WPP-Rivale Omnicom auf dem deutschen Markt kräftig zugeschlagen: 2014 kauften die US-Amerikaner erst die Berliner Agentur Heimat, kurz darauf dann Torben Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG).

soc

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