28.03.2018  Vor Hauptversammlung - Angriff auf VW-Vorstand und Aufsichtsrat

"Endlich vier unabhängige VW-Aufsichtsräte finden"

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Showdown bei Volkswagen: Vor der Hauptversammlung am 3. Mai gibt es zahlreiche Gegenanträge - Aktionärsschützer werfen Vorstand und Aufsichtsrat Versagen bei der Aufarbeitung des Dieselskandals vor
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Showdown bei Volkswagen: Vor der Hauptversammlung am 3. Mai gibt es zahlreiche Gegenanträge - Aktionärsschützer werfen Vorstand und Aufsichtsrat Versagen bei der Aufarbeitung des Dieselskandals vor

Kurz vor der Hauptversammlung am 3. Mai steht dem Autokonzern Volkswagen neuer Ärger ins Haus. VW-Schreck Christian Strenger fordert mehr Geld für Aktionäre und beantragt, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern - und begründet dies ausführlich. Es ist eine Generalabrechnung zum Umgang VWs mit dem Dieselskandal.

An Post von Christian Strenger haben sich die VW-Oberen bereits gewöhnt. Regelmäßig vor dem jährlichen Aktionärstreffen, das diesmal am 3. Mai in Berlin stattfindet, erhält der Konzern Post von Privataktionär Christian Strenger, der frist- und formgerecht verschiedene Gegenanträge zur Tagesordnung stellt.

Doch Strenger ist nicht irgendein Privataktionär. Der Ökonomieprofessor war bis 2016 Gründungsmitglied der Corporate Governance Kommission der Bundesregierung, die zur Aufgabe hat, über die gute Unternehmensführung in Deutschland zu wachen. Darum kümmert sich Strenger, der weiterhin Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Asset Management Investment ist, auch heute noch mit Akribie.

Strengers Gegenanträge, die er nach den Paragraphen 126 und 127 des Aktiengesetzes gestellt hat, haben so gut wie keine Chance, eine Mehrheit zu finden. Im VW-Konzern haben die Porsche SE, das Land Niedersachsen und Großaktionär Katar das Sagen - die Privataktionäre, die rund 40 Prozent des VW-Kapitals halten, müssen sich mit so genannten Vorzugsaktien ohne Stimmrecht begnügen. Gleichwohl können Privataktionäre Anträge für die VW-Hauptversammlung zur Diskussion stellen - und davon macht Strenger ausführlich Gebrauch.

Strenger fordert nicht nur, mehr Dividende als bislang geplant an die VW-Vorzugsaktionäre auszuschütten. Er fordert auch, dem VW-Vorstand um VW-Chef Matthias Müller sowie dem VW-Aufsichtsrat um Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch die Entlastung zu verweigern. Die Begründungen dafür lesen sich wie eine Generalabrechnung mit dem VW-Management, dem er nicht nur im Umgang mit der Diesel-Affäre Versagen vorwirft.

Die Anträge Strengers liegen manager magazin vor. Sie dürften in Kürze auch von VW veröffentlicht werden und bei der Hauptversammlung Anfang Mai für Diskussionen sorgen. Die Anträge des Aktionärsschützers und ihre Begründungen im Einzelnen:

1. Mehr Geld für VW-Vorzugsaktionäre

Strenger beantragt, auf die von Privataktionären gehaltenen VW-Vorzugsaktien eine Dividende von jeweils 4,29 Euro auszuschütten. VW plant nur 3,96 Euro Dividende je Vorzugsaktie, die stimmberechtigten Stammaktionäre (VW, Niedersachsen, Katar) sollen 3,90 Euro je Aktie erhalten. Eine Mehrdividende von lediglich 6 Cent sei kein angemessener Ausgleich für das fehlende Stimmrecht, so Strenger. Er beantragt 10 Prozent mehr, was ein international angemessenes Äquivalent sei. Bei 10 Prozent Aufschlag (39 Cent) komme man auf eine Ausschüttung von 4,29 Euro je Vorzugsaktie. Die Privataktionäre seien durch Dieselskandal und Affentest-Skandal nach wie vor gebeutelt - hätten aber als Vorzugsaktionäre nichts zu sagen, obwohl sie rund 41 Prozent des VW-Kapitals halten.

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