12.08.2016 
Vom Ex-Häftling zum Bayern-Präsidenten

Warum die Rückkehr von Uli Hoeneß richtig ist

Eine Meinungsmache von Tom Buschardt
Getty Images

Uli Hoeneß will wieder Bayern-Präsident werden - und das ist gut so. So kontrovers seine Rückkehr aufgrund seiner Verurteilung und Haft wegen Steuerhinterziehung auch ist, für den FC Bayern und seine Fans bleibt er die Lichtgestalt schlechthin. Und damit unersetzlich. Für das Management und die Kommunikation des Vereins sind mit der Rückkehr des "Alten" jedoch auch Risiken verbunden.

Tom Buschardt
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    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. www.buschardt.de

Ja, Uli Hoeneß hat sich strafbar gemacht. Und ja, er hat als moralisches Vorbild versagt. Angesichts seiner Steuerhinterziehung in Millionenhöhe wirken seine früheren Attacken gegen den Ex-Startrainer und Bayer-Konkurrenten Christoph Daum wegen dessen Kokainkonsums heute wie blanke Ironie. Und dennoch: Hoeneß hat eine zweite Chance verdient.

Jedem Handtaschenräuber wird nach Verbüßung seiner Strafe das Recht auf Wiedereinbürgerung in die Gesellschaft zugesprochen. Das gilt auch für Uli Hoeneß. Anders als andere prominente Gesetzesbrecher hat er seine Verfehlungen immerhin eingestanden und die fällige Strafe akzeptiert.

Helmut Kohl weigert sich bis heute, die illegalen CDU-Parteispender zu nennen und begeht damit Rechtsbruch. Bundestagspräsident Norbert Lammert ignoriert eine gerichtliche Anordnung, die Montblanc-Power-Shopper des Bundestages zu nennen. Und Otto Graf Lambsdorff wurde einst in der Flick-Affäre wegen Steuerhinterziehung verurteilt - und als Vorbestrafter ein Jahr später Bundesvorsitzender der FDP. Im Gegensatz zu Lambsdorff, erhielt Uli Hoeneß aber nicht umgerechnet 263.000 Euro Prozesskostenhilfe aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Hoeneß ist eher der Typ, der ein Benefizspiel zugunsten des FC St. Pauli organisiert und damit 200.000 Euro für die Kieztruppe erlöst.

FCB-Präsident in spe: Uli Hoeneß
REUTERS
FCB-Präsident in spe: Uli Hoeneß

Auch ein Blick auf andere Funktionsträger beim FC Bayer relativiert das Bild. Im Aufsichtsrat sitzen Vertreter von Adidas und Audi. Das eine Unternehmen ist gewissermaßen der Erfinder des Schmierens von Sportfunktionären, das andere hat Millionen Kunden mit Abgasmanipulationen betrogen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist vorbestraft, weil er seine Luxusuhren nicht verzollt hatte, Verwaltungsrat Boris Becker erhielt eine Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung. Und Franz Beckenbauer… nun ja, warten wir es ab.

Würde man an all die genannten ebenso strenge Maßstäbe in Sachen Moral, Integrität und Gesetzestreue anlegen, wie es die öffentliche Meinung derzeit mit Uli Hoeneß tut, wären die Gremien des FC Bayern mit unschuldigen Neugeborenen zu besetzen. Warum also sollte Hoeneß nicht wieder Präsident des FC Bayern werden dürfen?

Für die Fans ist und bleibt Uli Hoeneß eine absolute Integrationsfigur, eine Rolle, die sein blasser Nachfolger Karl Hopfner nie auch nur annähernd ausfüllen könnte.

Legendär ist seine Wutrede bei der Jahreshauptversammlung 2007:

" Eure Scheißstimmung! Da seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. [Buhrufe] Das ist doch unglaublich. Was glaubt ihr eigentlich was wir das ganze Jahr über machen damit wir euch für 7 Euro in die Südkurve gehen lassen können? [Buhrufe] Was glaubt ihr eigentlich wer euch alles finanziert? Die Leute aus den Logen, denen wir die Gelder aus der Tasche ziehen."

Hoeneß wagt es, sich mit den eigenen Anhängern anzulegen und wird doch von ihnen nahezu bedingungslos bewundert. Welcher Bundesligaverein kann das von seinem Präsidenten behaupten?

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