12.01.2018 
Reedereien unter Druck

Trotz Marktkrise - Rekordzahl neuer Containerriesen erwartet

Von
Riesen-Containerschiff vor Wilhelmshaven: Mit immer größeren Frachtern setzen die Reedereien die eigene Branche unter Druck.
DPA
Riesen-Containerschiff vor Wilhelmshaven: Mit immer größeren Frachtern setzen die Reedereien die eigene Branche unter Druck.

Die weltweite Handelsschifffahrt befindet sich schon seit Jahren in schwierigem Fahrwasser: Überkapazitäten setzen die Fracht- und Charterraten unter Dauerdruck, zahlreiche Reedereien und andere Schifffahrtsunternehmen sind dadurch schon in Schieflage geraten.

Zu Beginn des neuen Jahres scheint nun klar: Die Situation, die sich zuletzt zum Teil schon ein wenig entspannt hatte, könnte sich 2018 erneut verschärfen. Grund dafür ist die besonders große Zahl der neuen Transportkapazitäten, die zu Beginn dieses Jahres sowie in den kommenden Monaten im Markt erwartet werden.

So wird der Januar einem Bericht des Branchennewsletters "Alphaliner" zufolge voraussichtlich ein Rekordmonat für neu ausgelieferte Containerschiffe werden, mit nicht weniger als sieben nagelneuen, besonders großen Frachtern, die von Werften zur Auslieferung erwartet werden. Die sieben Schiffe haben dem Bericht zufolge eine Transportkapazität von jeweils 19.000 bis 21.000 Standardcontainern (TEU) und gehören damit zum größten, was derzeit auf den Weltmeeren unterwegs ist.

Auch für das weitere Jahr ist eine erhebliche Ausweitung der Kapazität der weltweiten Handelsflotte zu erwarten, so "Alphaliner". Demnach wird nach Durchsicht der Orderbücher großer Werften für das Gesamtjahr ebenfalls eine Rekordzahl neu gebauter Superfrachter ("Ultra Large Container Ship", "ULCS") mit jeweils 14.000 bis 21.000 TEU erwartet. Zwar seien die Reedereien bemüht, die Kapazitätsausweitung im Markt durch die Verschiebung von Aufträgen möglichst hinauszuzögern. "Alphaliner" zufolge wird die Handelsflotte dennoch im laufenden Jahr um insgesamt 1,5 Millionen TEU auf 22,3 Millionen TEU anwachsen, wovon der größte Teil bereits im ersten Halbjahr in den Markt kommen werde.

Die Wiederentdeckung der "Jumboisation"

Damit nicht genug: Auch von anderer Seite droht dem Schifffahrtsmarkt zusätzlicher Druck. Wie ebenfalls "Alphaliner" bereits vor einigen Wochen berichtete, planen einige Werften Maßnahmen zur Vergrößerung bereits in Fahrt befindlicher Schiffe. Bei diesen als "Jumboisation" bezeichneten Eingriffen, die schon vor Jahren einmal in der Branche in Mode waren, werden die Frachter in Werften geholt, in zwei Teile geschnitten und durch zusätzliche Stahlpartien vergrößert (also in der Regel verlängert). So steigt zugleich auch die Transportkapazität der Schiffe. Laut "Alphaliner" haben mehrere Großreedereien solche Projekte konkret geplant, darunter MSC, CMA CGM sowie Evergreen.

Ein Problem könnten die zusätzlichen Kapazitäten mit sich bringen, weil schon jetzt absehbar scheint, dass längst nicht ausreichend alte Schiffe aus dem Markt genommen werden, um einen passenden Ausgleich zu schaffen. Dem Branchennewsletter zufolge besteht derzeit die Aussicht darauf, dass 2018 maximal lediglich 350.000 TEU an alter Tonnage den Markt verlassen werden. Zum Vergleich: 2017 waren es noch 422.000 TEU und im Jahr davor sogar 665.000 TEU.

Die Folge: Nach Angaben von "Alphaliner" wird die weltweite Containerschiff-Flotte in diesem Jahr um 5,6 Prozent wachsen, nach einem Zuwachs um 1,8 Prozent im Jahr 2016 und 3,7 Prozent im Jahr 2017.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Für eine Markterholung könnte das Kapazitätswachstum damit zu schnell erfolgen. Zum Vergleich: Wie "Alphaliner" ebenfalls berichtet, legte der weltweite Containerumschlag im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent zu, womit ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht wurde. Im laufenden Jahr erwarten die Experten ebenfalls einen Zuwachs um mehr als 5 Prozent. Dennoch prognostizieren sie, dass insbesondere die Frachtraten, die Einnahmequelle der Linienreedereien also, im laufenden Jahr unter Druck bleiben werden.

Ähnliches gilt laut "Alphaliner" für die Charterraten, die Sätze also, zu denen Schiffseigner ganze Frachter in der Regel an Reedereien vermieten. Diese werden sich insbesondere im Bereich der besonders großen Schiffe in nächster Zeit kaum erholen können, glauben die Fachleute. Lediglich bei Containerschiffen mit Kapazitäten von bis zu 4000 TEU bestehe die Hoffnung auf eine weitere Entspannung am Markt, so der Bericht.

Mehr zum Thema