11.12.2015 
Geldanlage

Der Dealmaker, der Game-Changer, das Genie - diese Ceos sind Lieblinge der Investoren

Von Henning Jauernig
REUTERS

Martin Sorrell (70) wird von vielen seiner Konkurrenten gehasst, weil sie unter seinem nicht zu brechenden Expansionsdrang leiden. Er gilt als maßloser Eroberer, der sich ständig neue Firmen einverleibt. Eines seiner Opfer bezeichnete ihn einmal voller Verachtung als "ekelhaften Zwerg". Der Mann war gezwungen, an Sorrell zu verkaufen.

Was bei dem zum Sir geadelten Sorrell inzwischen oft vergessen wird: Auch er hat einmal ganz klein angefangen. 1985 stieg der Brite in das Kleinunternehmen "Wire and Plastic Products" ein, spezialisiert auf Einkaufskörbe für Supermärkte. Daraus formte er in den folgenden Jahrzehnten systematisch die größte Werbeholding der Welt: die WPP Group, mit 11,5 Milliarden Pfund Umsatz, 120.000 Mitarbeitern und Büros in mehr als 100 Ländern.

Seine Maxime: Fressen statt gefressen werden. Nur zwei Jahre nachdem er bei dem Einkaufskorbhersteller die Macht übernommen hatte, kaufte er in einer feindlichen Übernahmeschlacht für 566 Millionen Dollar die traditionsreiche New Yorker Werbeagentur J. Walter Thompson, die damals siebenmal größer war als WPP. Zwei Jahre später war der nächste Werberiese an der Reihe, die renommierte Ogilvy Group.

Einsame Spitze
So hat portfolio die Konzernchefs bewertet
Die Auswahl
Insgesamt wurde die Performance von rund 200 CEOs analysiert. Basis waren die vom US-Magazin "Fortune" veröffentlichte Liste der "Most Admired Companies", die vom "Institutional Investor" durchgeführte Analystenbefragung zu den besten CEOs in Europa, den USA und Asien sowie das CEO-Ranking der US-Anlegerzeitschrift "Barron’s". Konzerne aus den Industrienationen und ihre Konkurrenten aus den Schwellenländern wurden aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftssysteme und komplett anderen Dynamik getrennt untersucht.
Die Kennzahlen
Bewertet wurden Eigenkapitalrendite, Total Shareholder Return, Umsatzwachstum sowie Zuwachs des Free Cashflow, berechnet als jährlicher Durchschnitt seit Amtsantritt des CEOs. Falls das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch nicht börsennotiert war, wurde die Performance ab IPO berechnet. Konzernchefs, die über die Hälfte ihrer Amtszeit negative Cashflows erwirtschafteten, fielen aus der Wertung, außergewöhnliche Schwankungen der Kennzahlen wurden geglättet, Perioden mit negativem Eigenkapital nicht berücksichtigt.
Die Wertung
Jede der einzelnen Kennzahl wurde gesondert gerankt. Der Durchschnitt der jeweiligen Rangkoeffizenten bestimmte die endgültige Reihenfolge der Liste, sodass jede der vier Kennzahlen mit gleichem Gewicht in die Bewertung einfloss.
Binnen drei Jahren kaufte Sorrell 16 Unternehmen und schuf so in kürzester Zeit ein Imperium. Den wilden Raubzug finanzierte er auf Pump und über die Ausgabe neuer Aktien.

Heute gehören über 150 Unternehmen zu WPP. Eigenständige Werbeagenturen, PR-Firmen und Marktforscher, die teilweise untereinander im Wettbewerb stehen. Auch die in Hamburg gegründete Werbeagentur Scholz & Friends zählt inzwischen zu Sorrells Reich. Seine Truppen arbeiten für Giganten wie Nestlé, Shell oder Ford.

Die portfolio-Analyse zeigt, dass WPP seit den 80er Jahren stetig wächst und daraus genügend Kraft schöpft, um auch große Krisen immer wieder zu überstehen. Und davon gab es einige. Anfang der 90er Jahre schien die aggressive Übernahmetour das Unternehmen zu überfordern, die Schulden drohten WPP abzuwürgen.

Als dann auch noch die Konjunktur einbrach und die Gewinne ausblieben, kolla bierte die Aktie. WPP verlor an der Börse 90 Prozent ihres Werts. Jahre später setze die Finanzkrise der Holding ähnlich brutal zu: Alle großen Konzerne kürzten ihre Werbebudgets, WPP litt darunter wie kaum ein anderes Unternehmen.

Tempi passati. Inzwischen setzt Sir Martin seine Einkaufstour fort, als sei nichts gewesen. Im vergangenen Geschäftsjahr kaufte die Gruppe eine Reihe von Medien-Startups für 460 Millionen Pfund. Sorrells Strategie ist seit jeher dem klassischen Shareholder-Value-Leitbild verpflichtet: 2016 will er die Hälfte seiner Gewinne in Form von Dividenden ausschütten. Die Börsenbilanz von WPP kann sich sehen lassen: durchschnittlich 22 Prozent Total Shareholder Return in den vergangenen 30 Jahren.

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