27.03.2017  Nach Verkauf von Kaiser's Tengelmann

Tengelmann-Inhaber Karl-Erivan Haub steckt noch mehr Geld in Start-ups

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DPA

Nach dem Verkauf von Kaiser's Tengelmann steuert Konzernchef Karl-Erivan Haub noch beherzter um: Seine Sparte für Wagniskapital soll eine führende Rolle in Europa spielen.

Investieren statt verbrennen: Tengelmann-Inhaber Karl-Erivan Haub baut sein Start-up-Engagement deutlich aus. Rund 100 Millionen Euro soll der Unternehmer zuletzt jährlich mit seinen Supermärkten verloren haben. Damit ist seit wenigen Monaten Schluss. Nach einemjahrelangen Gerangel zwischen den Rivalen Edeka und Rewe um die Übernahme der defizitären Kette Kaiser's Tengelmann, stockt Haub nun das Kapital der konzerneigenen Venture-Sparte auf.

Geschäftsführer Christian Winter darf allein im laufenden Jahr 25 Millionen Euro mehr investieren als ursprünglich geplant. Ein Teil der Summe fließt gerade in Deutschlands ersten Online-Krankenvollversicherer Ottonova. Das Start-up, das noch auf eine Zulassung durch die Bafin wartet, und im Sommer starten will, hat im Zuge der ersten Finanzierungsrunde rund 15 Millionen Euro eingesammelt. Neben Seed-Investor Holtzbrinck und Tengelmann Ventures, das 4 Millionen Euro überweist, gewann Gründer Roman Rittweger unter anderem Thermomix-Hersteller Vorwerk als Geldgeber für seinen Plan, etablierten Branchenriesen wie Allianz und DKV Privatkunden abzujagen.

Für Winter ist Ottonova das erste Investment im laufenden Jahr. 2016 kürte der Branchendienst CV Insights Tengelmann Ventures zur aktivsten Risikokapitalsparte deutscher Konzerne. Damals hatte Winter für seine durchschnittlich fünf bis zehn neuen Beteiligungen im Jahr rund 50 Millionen Euro zur Verfügung, 2017 sind es 75 Millionen Euro. Und dabei soll es nicht bleiben. Winter, der lange auf junge Firmen aus Samwers strauchelnder Start-up-Schmiede Rocket Internet setzte und sich inzwischen verstärkt auf Unternehmen aus den Bereichen Fintech, Reisen und Robotic konzentriert, würde den Wert seiner Beteiligungen gerne verdoppeln und sich in der ersten Liga unter Europas Risikokapitalgebern etablieren.

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ür seine aktuellen Investments hat Tengelmann 360 Millionen Euro ausgegeben. Das Portfolio, zu dem mit dem Modehändler Zalando, dem Fahrdienstleister Uber und dem Essenslieferdienst Delivery Hero sechs Unternehmen mit Milliardenbewertung zählen, ist eigenen Angaben zufolge rund 1 Milliarde Euro wert.

Hinzu kommt die von Winter mitaufgebaute Tochter Babymarkt.de. Der Online-Händler setzt rund 130 Millionen Euro um und soll nächstes Jahr die 200 Millionen-Euro-Umsatz-Marke knacken. Langfristig, glaubt Winter, sind 500 Millionen bis 1 Milliarde Euro drin. Günstige TV-Spots für den Aufstieg gibt's von ProSieben/Sat.1. Im Gegenzug hält der Medienkonzern 10 Prozent der Anteile - ein Modell, das bereits Zalando Flügel verlieh.

Die zweite Venture-Gesellschaft des Konzerns, die von Mitinhaber Christian Haub geführte US-Tochter Emil Capital, hat bisher rund 100 Millionen Euro überwiegend in junge Lebensmittelhersteller gesteckt und plant in den nächsten Monaten erste Exits.

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