16.03.2018  Rückzug mit 89 Jahren

Asiens "Superman"-Milliardär geht in Rente

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Li Ka-shing: Der reichste Hongkonger zieht sich mit 89 Jahren zurück - und übergibt an seinen Sohn
AP/Color China Photo
Li Ka-shing: Der reichste Hongkonger zieht sich mit 89 Jahren zurück - und übergibt an seinen Sohn

Seinen Mitarbeitern schwante schon etwas, als Li Ka-shing anordnete, dass sämtliche Tochtergesellschaften seines ausgedehnten Konglomerats diesmal gleichzeitig ihre Jahreszahlen fertigstellen sollten. Nun machte der 89-jährige Milliardär auf der Pressekonferenz seiner CK Hutchinson Holding klar, warum ihm das so wichtig war: Er präsentierte noch ein letztes Mal die Zahlen - und kündigte dann persönlich seinen Rückzug von der Firmenspitze an.

Nach der Hauptversammlung von CK Hutchinson am 10 Mai gebe er seine Posten als Chairman und geschäftsführender Direktor auf, erklärte Li Ka-shing. Nachfolger als Chairman wird sein ältester Sohn Victor Li, der legendäre Geschäftsmann bleibt seinem Konglomerat weiter als Berater verbunden.

Mit seinem Rückzug schreibt Li Ka-shing nun das letzte Kapitel einer "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichte, die ihn in ganz Asien zum bewunderten Geschäftsmann gemacht hat. Da sein Vater starb, musste Li Ka-shing die Schule früh verlassen. Er startete bereits mit 13 Jahren als Fabrikslehrling ins Arbeitsleben, um seine Familie durchzubringen. Aufgrund seines Fleißes arbeitete er sich schnell hoch, bereits im Jahr 1950 gründete er seine erste eigene Firma. Dabei bewies er mehrfach einen herausragenden Instinkt für lohnende Geschäfte. Seine Arbeitseinstellung und sein Gespür fürs Geschäftsmachen trugen ihm in Hongkong den Spitznamen "Superman" ein.

In knapp sieben Jahrzehnten baute Li Ka-shing ein Imperium auf, das in über 50 Ländern aktiv ist und 323.000 Mitarbeiter zählt. Er selbst wurde so zu einem der reichsten Menschen der Welt: Sein Vermögen wird auf 35,3 Milliarden Dollar geschätzt, er rangiert damit im Forbes-Ranking der weltweit reichsten Menschen auf Platz 23. Der in China geborene, aber in Hongkong aufgewachsene Ka-shing ist heute der wohlhabenstes und einflussreichste Geschäftsmann Asiens. Er hat beste Beziehungen zu den chinesischen Machthabern in Peking. Wegen seiner Nähe zur kommunistischen Partei kritisierte ihn etwa das Handelsblatt als "Patriot und Pragmatiker zugleich".

Konglomerat reicht bis zu deutschem Heizungs-Ablesedienst

Li Ka-shings Geschäfte umspannen zahlreichen Branchen: Über seine Holding CK Hutchison kontrolliert Li etwa den weltgrößten Hafenbetreiber, den kanadischen Ölriesen Husky Energy, und einen von Europas größeren Telekomkonzernen, die "Three"-Gruppe. Sie betreibt etwa in Italien, Schweden, Großbritannien und Österreich Mobilfunknetze. Hutchison wollte 2015 der spanischen Telefonica den Telekommunikationsanbieter O2 abkaufen, scheiterte dabei aber am Veto der EU.

Aktiv sind die Töchter von CK Hutchison auch als Immobilienentwickler: Die Gruppe hat Bürogebäude und Luxus-Wohnimmobilien in asiatischen Millionenstädten hochgezogen. Auch im Einzelhandel ist Hutchison vertreten - mit mehreren Ketten in Asien. Selbst als Infrastruktur-Errichter machte sich Hutchison einen Namen, etwa beim Bau von Stromleitungen und Wasseraufbereitungsanlagen.

In Deutschland hat Li Ka-shing im vergangenen Jahr eine der größten Übernahmen eingefädelt: Seine CK Infrastructure und dessen Schwesterunternehmen Cheung Kong Property Holdings übernahmen für 4,5 Milliarden Euro den Essener Energiedienstleister Ista, einen der größten deutschen Ablesedienste für den Heiz- und Wasserverbrauch. In Berlin stieg der Hongkonger Milliardär 2016 bei dem Start-Up Jobspotting ein.

Schon seit Jahren gehören Li Ka-shing 40 Prozent an der deutschen Drogeriemarktkette Rossmann.

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